Jens Jüttner: Als ich aus der Zeit fiel: Mein Weg durch die paranoide Schizophrenie (Rezension zum Lesen und Hören)

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Hallo an euch:-)


Heute gibt es hier wieder eine Rezension, die es allerdings auch zum Hören auf meinem Youtube Kanal gibt! Wer also nicht lesen mag, der darf gerne zuhören:-) Diese Review ist dann auch mit passenden Lesebeispielen bestückt:-)

Review zum Hören! 

Das Buch ist vom Autor Jens Jüttner und der Titel lautet: Als ich aus der Zeit fiel: Mein Weg durch die paranoide Schizophrenie

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INHALT:

Jens Jüttner hat die Diagnose paranoide Schizophrenie bekommen, als er 27 Jahre alt war und letztlich beginnt das Buch genau hier, als Jüttner im Referendariat war, kurz vor seinem zweiten Staatsexamen.
Er beginnt damit zu erklären, wie alles anfing, welche Symptome auftraten und wie er in seine Psychose hineingeschlittert ist und wie er diese Phase erlebt hat und auch wie er die nachfolgende Phase erlebt hat.
Bei der Schizophrenie ist es ja so, dass man erst eine Positivsymptomatik hat und dann eine Negativsymptomatik. Ich lasse das für den Augenblick erstmal so stehen, weil wir hier jetzt nicht in die medizinische Schiene abdriften wollen, aber nur als kurzen Ansatz zum weiteren Verlauf. Denn Jüttner geht eben auf die Positivsymptomatik ein und dann auch eben auf die Negativsymptomatik.
Zwischen den persönlichen und privaten Informationen, gibt es in diesem Buch allerdings auch viel medizinische Informationen, die dem Leser an die Hand gegeben werden. Jüttner erklärt immer wieder mal medizinische Fachbegriffe und klärt auch im Hinblick auf die Erkrankung auch immer wieder mehr auf. Es ist also eine Mischung aus Biografie, mit medizinischen Einschüben, Passagen.

Jens Jüttner berichtet auch ganz ehrlich und ohne Filter von seinen psychotischen Schüben. Gerade hierbei wird schnell deutlich, gerade den Menschen, die damit noch keine Erfahrungen gemacht haben und sowas gar nicht kennen und vielleicht durch schräge Filme da vorgeprägt sind, dass Menschen mit einer Schizophrenie nicht zwangsläufig böse, gefährlich, gewalttätig und kriminell sind und es hat auch nichts mit einer gespaltenen Persönlichkeit zu tun. Man hat es eben mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen zu tun, eben mit visuellen und/oder auch mit auditiven Wahnbildern zu tun und über seine persönlichen Erfahrungen berichtet Jens Jütter. Es ist seine Geschichte, denn und das sagt er auch in seinem Buch, die Schizophrenie hat viele Gesichter und selbst wenn es einen roten Faden gibt, so ist wie bei jeder Erkrankung der Verlauf immer individuell. Nicht jeder hört beispielsweise Stimmen bei einer paranoiden Schizophrenie. Und genau diese Form der Schizophrenie wird auch in dem Buch beschrieben. Auch hier gibt es unterschiedliche Formen.
Jüttner beschreibt im weiteren Verlauf eben seinen Werdegang, auch den beruflichen und den privaten, geht auf seine Medikation ein, seine Therapien, seinen Aufenthalt in einer Tagesklinik und auch auf seine Erfahrungen im Bereich der Psychiatrie.
Er geht auf seine Positivsymptomatik ein und dann eben auch auf die Negativsymptomatik. Wie sich das äußert, das sprengt hier den Rahmen. Klar wird jedoch, dass Jüttner die Negativsymptomatik mehr zu schaffen gemacht hat, als die Positivsymptomatik. Viele Betroffene berichten ähnliches.

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FAZIT:

Was ich sehr gut an diesem Buch fand, war, dass die Angehörigen, in seinem Fall die Eltern und auch seine Partnerin thematisiert werden und er hier auch einen Einblick in diese Richtung gibt, wie es eben für diese Menschen war. Er ist also nicht komplett fokussiert nur auf sich selbst.

Meines Erachtens nach hat das Buch alles, was ein Buch haben muss, auch wenn es mit knapp 140 Seiten nicht lang ist. Also Hut ab!

Selbst wenn Jens Jüttner nicht bzw. nicht mehr als Anwalt arbeitet, so hat er sein Leben wieder zurück erlangt und zeigt eben auch hiermit, dass man auch bei dieser Erkrankung ein lebenswertes und gutes Leben leben kann, aber ja es wird auch deutlich, dass es auch mal länger dauern kann. In diesem Fall jetzt zehn Jahre. Bei anderen noch länger, bei anderen kürzer, aber ja, letztlich wie bei jeder Erkrankung ist der Faktor Zeit ein wichtiger und natürlich muss jeder, der eine solche Erkrankung hinter sich gebracht hat, achtsam mit sich sein. Sollten wir aber sowieso alle.

Für Menschen, die keine Erfahrung mit dieser Thematik, dieser Erkrankung haben, ist das Buch wirklich zu Empfehlen, aber ich empfehle es auch jedem, der diese Erkrankung kennt, denn ja, man kann mitfühlen, verstehen und es kann auch Hoffnung geben. Gerade auch Menschen, die sich augenblicklich selbst in einer längeren Negativsymptomatik befinden und die sich wirklich auch quälen können hier ein wenig Hoffnung bekommen.
In diesem Buch wird wirklich mit einigen Klischeebildern aufgeräumt und dafür bin ich auch sehr dankbar. Es gibt zu dieser Thematik bereits ein paar Bücher, die auf dem Markt sind, aber ich finde wirklich, dass Jüttners Buch zu den besten gehört. Es hat die beste Kombi von medizinischer Aufklärung, aber auch persönlicher Geschichte. Es ist auch nicht überladen an Infos, aber das Wichtigste ist drin und wird erklärt.

Den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen, gerade mit dieser Thematik finde ich sehr mutig und unheimlich wichtig. Gerade die Schizophrenie ist so beladen mit Horrormärchen und Un-und Halbwahrheiten, dass ich jedem Autor dankbar bin, der hier mal etwas mehr Licht ins Dunkel bringt.
Gerade solche Bücher, wie dieses, machen auch wieder deutlich, wie wichtig es ist, dass wir eben auch über solche Themen sprechen. Das Schweigen sorgt dafür, dass diese Erkrankungen ein Schattendasein führen und dadurch diese Vorurteile herrschen.
Jens Jüttner wagt sich mit seiner Geschichte aus dem Schatten ins Licht und zeigt diese Erkrankung, wie sie letztlich ist. Es ist nicht leicht, aber es ist nicht so Dämonisch, wie manche es dann doch vermuten. Das Wort Schizophrenie ist wirklich voller grausamer Vorurteile und genau dem widerspricht Jens Jüttner und zeigt hier eben einen Mann mit dieser Erkrankung, mit der man allerdings leben kann, mit der man arbeiten kann, Beziehungen führen kann und Co.
Ich kann es empfehlen und denke, dass es wirklich ein sehr gelungenes Werk ist, welches einen Teil zur Aufklärung beiträgt.

@antistigma_initiative_feel_me
@miasraum

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