Montagslyriker 8: Felix Bürkle_Sammler der Eindrücke und Details

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Hallo an euch und Willkommen bei den Montagslyrikern:-)


Mein werter Kollege Matthias Breimann und ich stehen schon bereit, denn auch heute stellen wir euch einen neuen Montagslyriker vor.
Er ist Dichter und Denker und kam über die Musik zum Schreiben.
Sein Interesse gilt den alten Meistern, dem Altbekannten und Altbewährtem, dem, was war, was ist und bleibt.
Die schnelllebige Zeit überfordert und so ist das Schreiben für ihn eine Pause von der Hektik, dem alltäglichen Chaos und dem Sturm, der täglich in Form von Menschen, Meinungen, Weltbildern und Lebenseinstellungen auf einen einprasselt. Er ist ein Sammler dieser Eindrücke und während seines Rückzugs entsteht sein geschriebenes Wort.
Die kleinen Szenen am Rande, die stillen Momente, die fast niemand zu merken und wahrzunehmen scheint, faszinieren ihn besonders, denn der Teufel steckt ja bekanntlich immer im Detail.
Heute rockt er unsere Bühne und nun Herzlichen Dank Herzlich Willkommen
Felix Bürkle

76418548Felix Bürkle Instagram

1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der Dämon, der dich zum Schreiben verführte?
Überforderung. Im empfinde das Leben als permanentes Sammeln von Eindrücken, die es zu verarbeiten gilt. Ich bin ehrlich: Mich überfordert das manchmal. Spätestens seit dem Durchbruch von Social Media sind wir täglich mit so vielen verschiedenen Menschen, Meinungen, Weltbildern und Lebenseinstellungen konfrontiert, dass man selbst als offener und interessierter Mensch irgendwann sagt: Ich brauche eine Pause. Und genau dabei hilft mir das Schreiben.

2. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du …
… sehr neugierig bist. Das schließt etwas an die erste Frage an. Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt und habe ein Faible für „Unwichtiges“. Kleine Szenen am Rande, die andere zwar auch sehen, aber nicht bewusst wahrnehmen und sich erst recht nicht merken. Außerdem interessiere ich mich für alles, was alt ist. Egal ob Literatur, Musik oder bildende Kunst: Die alten Meister haben es mir angetan. Zeitgenössische Kunst ist mir oft zu politisch und ernst. Das merkt man auch an meinen Gedichten: Ich schreibe relativ klassisch, mit weitgehend festem Versmaß und Reimen am Ende. Das ist für Gegenwartslyrik absolut untypisch. Thematisch versuche ich jedoch keinesfalls, altmodisch zu sein.

3. Welche Götter verehrst du?
Ich kam ursprünglich über die Musik, also Liedtexte zum Schreiben von Gedichten. Erst mit über 20 Jahren fing ich an, wirklich zu lesen und mich systematisch mit Künstlern auseinanderzusetzen. Wenn ich mich festlegen müsste, wären sicher Reinhard Mey, Otto Waalkes, Heinz Erhardt und Robert Gernhardt auf der Liste. Ich interessiere mich allerdings auch für Volkslieder, deren Texte aber oft keine klare Autorenschaft zulassen.

4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?
Ich mag Bücher und sehe sie für mich als das primäre Medium, in dem ich veröffentlichen möchte. Da bin ich etwas idealistisch, denn machen wir uns nichts vor: Wer kauft heute für 10 € ein Buch, wenn er in Social Media oder bei YouTube kostenlosen Content kriegt? Ich schreibe nicht für Geld, sondern für potenzielle Leser. Zum Geldverdienen ist der Brotjob da, auch da merkt man eine gewisse konservative Ader. Denn der Aufwand, den man in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie betreiben muss, um von Kunst leben zu können, ist mehr als ein Vollzeitjob. Trotzdem bin ich inzwischen bei Instagram (@felixbuerkle), wenngleich ich schnell gemerkt habe, welche Mechanismen da so ablaufen. Viel bunter Content, aber oft begrenzter Inhalt, follow-back-Mentalität und ähnliches. Doch es funktioniert, da will ich nicht den Lehrer spielen. Ich gehe das sehr realistisch an und hoffe einfach, ein paar Leuten dort eine Freude zu machen. Die größten Kartoffeln dürfen aber gerne andere ausbuddeln.

5. Und nun zeige dich!
Ich schreibe drei Kategorien von Gedichten: Längere Gedichte, Vierzeiler und Limericks. Mit Blick auf den Blog und Social Media, hier lieber mal mit Fokus auf kürzere Texte, das lässt sich einfacher einbauen.

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Liebesbriefe
Wie mag es wohl gewesen sein,
als man sich im Verlieben
mit Tinte noch Tag aus Tag ein
die Briefe hat geschrieben?

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Hinterher
Hinterher, so sagt man sich,
da ist man immer schlauer.
Manchmal aber wüsste ich
das vorher gern genauer.

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Belesen-Limerick
Die bildschöne Dame im Bus
auch geistig war mächtig in Schuss.
Denn was sie gelesen,
das zeugte vom Wesen,
was wohnen in ihr leise muss.

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Geknickt
Ich fühle mich wie ein Papier
so unbeschrieben leer.
Noch alles möglich ist mit mir,
der Anfang aber schwer.
Ob Opus oder Opferlamm,
ich weiß nicht, was ich bin.
Und was ich werde, wenn ich stramm,
belastet meinen Sinn.
Die Seiten aufzufüllen,
wird Prüfung täglich sein.
Sie vorher zu zerknüllen?
Verlockend wie der Wein.

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Ein Gedanke zu „Montagslyriker 8: Felix Bürkle_Sammler der Eindrücke und Details

  1. Das arme „Angeschossene Eichhörnchen“ drängt einen die Frage auf, was will der Dichter uns damit sagen? Aber sonst bietet Felix ganz besinnliche, nachdenliche, schöne Zeilen. Das nimmt wiederum Angst und macht Mut (lächel. Darum sei dem heutigen Montagslyriker, Felix Bürkle viel Erfolg gewünscht, um im übertragenen Sinne, ein „Alter Meister“ der Lyrik zu werden. Alles Gute auf diesem Weg.

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