Trennung von einem Narzissten und die Zeit danach

Ich gebe zu: Ich kann es nicht mehr hören! 

Gefühlt war so ziemlich jeder, den man fragt, mal mit einem Narzissten zusammen. Und nicht nur das. Nach der Trennung sind alle weise und zu echten Narzissmus-Experten mutiert. Ganz verwunderlich ist auch, dass sehr viele dieser Experten auf einmal ganz fantastische Beziehungen führen können, danach. Nach der Trennung finden sie plötzlich den richtigen Partner und führen die perfekte Beziehung. So klingt es manchmal tatsächlich. Hier stimmt doch einiges nicht. Mein Gefühl sagt mir, dass dieses Verhalten auch nicht gerade gesund ist und das würde ich gerne ein wenig näher beleuchten. 

 

Beziehung mit einem Narzissten

Ist es euch auch schon aufgefallen, dass sehr viele einen narzisstischen Ex oder eine narzisstische Ex haben? Erst war es Liebe und dann Narzissmus. Der Strudel der toxischen Beziehungen. Ja, es stimmt, dass es einige Menschen gibt, die eine narzisstische Persönlichkeitsstörung haben, aber seien wir mal ehrlich: So viele? Rein vom Gefühl her würde ich sagen, dass das nicht möglich ist. Bei aller Liebe nicht.

Kann es nicht vielleicht sein, dass man einigen Menschen einfach was andichtet? Ich denke, das ist wahrscheinlicher. Bei den meisten, mit denen ich mich unterhalte, stelle ich schnell fest, dass es niemals eine echte ärztliche Diagnose gab. Es gibt lediglich nur den Mann und die Frau und die Diagnose wurde einfach vom Ex oder der Ex aufgedrückt. Eine Art Sticker. Das ist zunächst mal ziemlich anmaßend, da sich wirklich nur Fachleute eine echte Diagnose erlauben können und zudem ist es auch ziemlich toxisch. Und zwar vom vermeintlichen Opfer. Mein Ex war ein Narzisst! Bei diesem Satz sollte man also immer vorsichtig sein. Denn was das vermeintliche Opfer hier vom bösen narzisstischen Ex behauptet, tut sie selbst. Somit werden Unwahrheiten in die Welt posaunt und Menschen wird einfach mal schnell eine Persönlichkeitsstörung angedichtet. Ziemlich dünnes Eis, auf dem man sich bewegt. Bitte versteht mich nicht falsch. Auch ich kenne Menschen, die eine narzisstische Persönlichkeitsstörung vorweisen, doch die wurde ärztlich bestätigt. Und ich kenne drei Menschen aus einer großen Gruppe an Menschen, die mir im Leben begegnet sind. Sicher laufen auch viele ohne Diagnose herum, aber gefühlt ist jeder zweite Ex ein Narzisst und das ist tatsächlich sehr fragwürdig. Das würde nämlich bedeute, dass jeder zweite Mann und jede zweite Frau, die euch im Alltag über den Weg läuft, von einem krankhaften Narzissmus betroffen ist. Eher unwahrscheinlich. Seien wir da mal ganz ehrlich.

 

Das Problem mit Diagnosen

Diagnosen sollten nur von Menschen gestellt werden, die psychiatrisch geschult sind. Das erstmal vorne weg. Außerdem ist es einfach so, dass es zudem viele Menschen gibt, die Züge von Borderline aufweisen oder auch Histrioniker sind oder sonstige oder jegliche Mischung vorweisen. Was die Beziehungsdynamik angeht, unterscheidet sich das nicht von einer Beziehung mit einem waschechten Narzissten. Die Wortwahl möge man mir hier bitte verzeihen. Des Weiteren ist es auch so, dass zwischenmenschliche Beziehungen nicht immer optimal laufen. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass ein Part davon ein Narzisst ist. Darüber hinaus gibt es immer auch einfach nur Menschen, die komplett egoistisch unterwegs sind. Das hat aber auch wieder nichts mit einer narzisstischen Störung zu tun. Auch ein derartiges Verhalten kann für Schwierigkeiten in der Partnerschaft sorgen. Menschen irgendwelche Stempel aufzudrücken und sich dann selbst als Opfer zu betrachten, halte ich persönlich für ziemlich toxisch. Es ist eine Doppelmoral, die da praktiziert wird und das sollte man erkennen.

 

Was passiert nach der Beziehung mit einem Narzissten? 

Die Frage ist etwas falsch gewählt, aber sie hat einen Grund. Toxische Beziehungen sind niemals schön. Sie machen einen emotional fertig und man sollte sich dringend trennen. Ich möchte Menschen, die schreckliche Beziehungen geführt haben, auch nicht absprechen, dass sie gelitten haben oder leiden. Ich habe auch gelitten wie ein Hund. Ich habe meine Exfreunde auch verflucht. Ich habe ihnen auch lange Zeit die Schuld an allem gegeben. Zwei hatten sogar tatsächlich die Diagnose. Das machte für mich den Hass fast legitim. Doch im Laufe meines Heilungsprozesses schaute ich mir alles mal ganz genau an. Und die Erkenntnis traf mich sehr. Nicht nur ich war Opfer. Ich war auch Täter. Zunächst blieb ich in Beziehungen, die mir nicht guttaten. Die Gründe dafür sind einfach: Intermittierende Konditionierung. Aber das ist ein anderes Thema. Ich blieb und macht mich selbst zum Opfer. Also war ich gleichzeitig Opfer und Täter. Aber nicht nur das. Auch meinen Narzissten gegenüber war ich Täterin. Das mag jetzt befremdlich wirken, aber so war es. Das musste ich selbst erstmal erkennen und verstehen. Als ich anfing, mich wirklich mit mir zu beschäftigen und anfing, meine Beziehungen und meine Beziehungsmuster zu analysieren, fiel es mir auf. Ich litt in meinen Beziehungen so sehr an Verlustangst, dass ich meine Partner regelrecht bedrängte mit meiner Aufmerksamkeit. Ein Löwe in einem Käfig wird irgendwann auch aggressiv. Damit will ich nicht sagen, dass jede Handlung meiner Partner berechtigt war, aber ein besonders klammernder Partner kann einen auch wirklich wahnsinnig machen. Des Weiteren stellte ich bei mir in nachfolgenden Beziehungen fest, dass ich eigentlich Angst vor zu viel Nähe habe. Und fast wurde auch ich zum Arschengel in der neuen Beziehung. Waren meine Ex-Narzissten also gar nicht schuld am toxischen Dilemma? Zumindest waren sie es nicht alleine. Auch in mir selbst, wie in jedem Menschen, leben narzisstische Anteile. Und je nach Kombination können diese angetriggert werden oder eben nicht. Das zu erkennen sorgte dafür, dass ich merkte, dass auch ich kein gesundes Beziehungsmuster mitbringe. Das macht meine Ex-Narzissten nicht zu besseren Menschen, aber es erlaubt einen anderen Blickwinkel auf alle Beziehungen. Sicher sind Menschen, die in toxischen Beziehungen leiden, Opfer des Geschehens. Aber spätestens nach dieser vermeintlichen Partnerschaft sollte man nach seinen persönlichen Anteilen fragen. Dem Ex oder der Ex alles in die Schuhe zu schieben, ist nicht besser als das, was man selbst meistens in toxischen Beziehungen erlebt hat. 

 

Das DANACH nach toxischen Beziehungen

Einfach mal so eine neue Beziehung eingehen, ist eigentlich nicht möglich. Zumindest nicht, wenn es sich wirklich um eine krankhafte und giftige Beziehung handelte. Man ist traumatisiert und hat kein gesundes Beziehungs- und Bindungsmuster. Menschen, die das einfach mal so können, sind zu hinterfragen. Meist waren sie dann selbst toxisch in solchen Beziehungen und geben dem Anderen die Schuld oder aber sie dramatisieren ihre Beziehungen. Ich weiß, dass das hart klingt, aber man möge mir bitte das Gegenteil beweisen. Meine Erfahrungen, auch in meinen Selbsthilfegruppen und von dort Anwesenden, hat mir gezeigt, dass es eben nicht einfach mal so geht. Es gehört schon sehr viel Arbeit dazu, dass eine neue Beziehung/Partnerschaft mit einem neuen Mann oder einer neuen Frau funktioniert. Arbeitet man nicht an sich, wird man über kurz oder lang wieder in einer toxischen Beziehung landen. Das liegt ganz einfach am Fakt, dass auch Opfer eben kein gesundes Beziehung- und Bindungsmuster mitbringen. Es ist also wichtiger, sich um sich selbst zu kümmern, als über den bösen Ex-Narzissten zu schimpfen, der vielleicht nicht mal einer ist.

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