Hunter wurde in den frühen 80er Jahren gegründet und erlebte zwischendurch eine ruhigere Phase. 2020 meldeten sie sich mit ihrem dritten Album „The Return“ zurück. Am 10. Mai erschien ihr aktuelles Album „Rock’n’Roll VIP“ mit dem neuen Sänger und Frontmann Steve Strater. Ich habe bei Steve nachgefragt, wie es bei der Band aktuell aussieht. Im Interview gibt Steve Einblicke in seinen bisherigen musikalischen Werdegang und seine neue Rolle als Sänger bei Hunter.
Als wir das letzte Mal gesprochen haben, hattet ihr mit Hunter noch gar keinen Instagram-Account. Jetzt ist er da.
Ja, es gehört irgendwie dazu. Man muss halt mit der Zeit gehen.
Also, wie geht’s dir vor allem nach der Veröffentlichung des Albums?
Wir haben jetzt einige Singles veröffentlicht und Videos abgedreht. Es gibt immer etwas zu tun.
Kommen wir mal zu eurem Song “Runaway Ramp”. Den mag ich unheimlich gerne. Kannst du da ein wenig was zu erzählen?
Ich habe ja den Text geschrieben, aber der Titel war schon vorgegeben. Also die Idee gab es schon. Runaway Ramps sind diese Notfallstraßen neben der Autobahn für LKWs, wenn da halt die Bremse versagt, dass die in so ein Sandbett reinfahren können, in Amerika. Es soll halt eigentlich auch ein bisschen in Amerika promotet werden. Das war so die Überschrift, und daraus kann man natürlich eine ganze Menge machen.
Findest du es gut, wenn du als Songwriter schon so einen Titel oder etwas hast, woran du dich orientieren kannst?
Es ist schon gut, wenn man so einen Titel hat, der etwas hergibt. Wenn man schon Material hat, worauf man was schreiben kann und so, ja, daraus habe ich halt so eine Story gemacht ganz frei nach dem Motto: “My life needs a Runaway Ramp” und so weiter. Dass du das halt so ein bisschen da hinten ausspuckst, und das passt ja immer. Für mich als Songwriter ist es wichtig, persönliche Herangehensweisen und Erfahrungen unterzubringen, um Authentizität zu erreichen. Man kann natürlich sagen, dass der Text nicht so wichtig ist wie die Musik, aber damit es authentisch ist und so rüberkommt, dass man einem das glaubt, muss es wirklich aus dem Inneren kommen. Es soll nicht nur ein Song sein, den du einstudiert hast, sondern etwas, das wirklich deine Haltung und deinen Habitus widerspiegelt. Dafür ist es wichtig, dass es aus dir herauskommt.
Ihr seid ja eine deutsche Band, eigentlich. Aber euer Sound hat schon diesen amerikanischen Flair.
Ja, der Song hat was Amerikanisches, er hat so ein bisschen was Südstaatenmäßiges mit so einer Slide-Gitarre noch drin. Du hast ja auch schon über das gesamte Album geschrieben.
Ich finde euer Album auch echt gut. Ich mag Rock. Ich glaube auch, dass Classic Rock einfach immer diesen amerikanischen Touch hat, ob gewollt oder nicht. Kann man aber vermutlich jetzt stundenlang drüber diskutieren. Ist aber meine Meinung. Du bist aber noch nicht so lange Teil von Hunter. Willst du mal ein bisschen was über dich erzählen? Also, wie kamst du überhaupt zur Musik? Wie lange bist du schon dabei? Und vor allem, wie kamst du dann irgendwann zu Hunter?
Man kann sich das bei mir echt so vorstellen, dass die Musik von Anfang an da war. Quasi von der Märchenkassette zu AC/DC. Man kann sich vorstellen, dass meine Eltern das nicht unbedingt so super fanden, aber irgendwie hat es mich so gepackt.
Dann hast du sofort AC/DC im Kindergarten gesungen?
Lustigerweise begann bei mir alles zuerst mit Schlagzeug. Dann kam die Gitarre dazu. Stimmlich muss ich sagen, hatte ich nicht von Natur aus diese Stimme. Weißt du, manche fangen an zu singen und es klingt toll. Das war bei mir etwas anders. Da war Gitarre schon irgendwie leichter zu Beginn. Und dann fing ich an, Songs zu schreiben und Songs nachzuspielen, aber der Gesang war da noch nicht so gut. Ich habe mich dann auf die Gitarre eingeschossen und zunächst Gitarre studiert.
Also bist du so richtig Vollblutmusiker?
Ja, genau. Ich habe Gitarre studiert. Wie das eben oft ist, musst du im Beruf des Musikers auch andere Standbeine haben, auf denen du dein Gerüst aufbaust, wenn du Profimusiker werden willst. Deshalb habe ich auch viel unterrichtet, also Gitarrenunterricht gegeben. Dabei habe ich immer gesungen und irgendwann auch Gesangsunterricht genommen. Schließlich bin ich bei einer echt guten Gesangslehrerin gelandet. Das hat vieles verändert und mit der Zeit konnte ich tatsächlich auch AC/DC singen.
Und wie ging es dann weiter?
Erst habe ich das so nebenbei gemacht. Dann habe ich Kontakte geknüpft und einige Verbindungen zu Bands, Coverbands und Tribute-Bands aufgebaut. So habe ich dann mal ausgeholfen und nach und nach immer mehr gemacht. Ich habe mittlerweile viele Erfahrungen gesammelt und stehe auch in Kontakt mit renommierten und großen Musikern. Mit der Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass man dann eben dieser Mensch ist – zum Beispiel Jim Morrison – und nicht man selbst. Dann dachte ich, vielleicht ist das nicht das, was ich zu 100 % will, auch wenn ich es heute noch mache.
Du hast aber auch ein bisschen was von Jim Morrison.
Weißt du, ich erinnere mich noch an einen Auftritt, bei dem ich für eine Doors-Coverband singen sollte, und ich dachte nur: Die werden mich steinigen. Ich bin nicht Jim Morrison. Aber die fanden mich gut. Nachdem ich beim ersten Konzert schon mit der Hälfte des Publikums Selfies gemacht hatte, dachte ich, vielleicht ist das doch mein Ding. Es kam eins zum anderen, ohne dass ich es bewusst gesucht habe. Und in diesem Zuge bin ich auch zu Hunter gekommen, weil sie mich irgendwie gehört haben.
Und dann haben sie dich angerufen und gesagt: Steve, hör mal, wir haben dich gehört, wir brauchen einen Sänger, du bist ein Sänger, das ist eine Win-Win-Situation.
Ja, so in etwa waren die Anfänge. Es war gut, dass ich bereits viele Erfahrungen in verschiedenen Bereichen gesammelt hatte. Das hat es leichter gemacht, sich auf einer gemeinsamen Ebene zu treffen.
Hunter gibt es ja schon seit den 80er Jahren. Ihr habt jetzt gemeinsam ein Album herausgebracht. Glaubst du, dass ihr auch ältere Sachen noch einmal mit dir als Sänger neu aufnehmen oder herausbringen werdet?
Vielleicht. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben. Mehr kann ich dazu im Moment aber nicht sagen.
Plant ihr schon ein neues Album? Geht es bei euch jetzt Schlag auf Schlag?
Es ist wahrscheinlich, dass wir ein neues Album machen werden. Momentan konzentrieren wir uns jedoch auf das aktuelle Album Rock’n’Roll VIP. Die Zukunft wird zeigen, wohin die Reise geht.
Rock’n’Roll VIP hat sicherlich viel Zeit und Energie gekostet. Es ist schließlich das erste Album in der neuen Formation. Wie empfindest du das?
Natürlich hat es viel Arbeit gekostet. Als Songwriter und Musiker steckt man immer viel Mühe und Nerven in seine Arbeit. Wir haben uns bewusst bemüht, einen amerikanischen Sound zu kreieren und nicht zu deutsch zu klingen. Das hat viel Einsatz erfordert, aber ich denke, es hat sich gelohnt. Ich bin gespannt auf das, was noch kommt.
Steve, danke für deine Zeit und den interessanten Einblick. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder und können unser Gespräch weiter vertiefen.
Weitere Informationen zur Band HUNTER findet ihr in den Socials.
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