Was passiert, wenn zwei aufstrebende Bands aufeinandertreffen? Wir haben Untamed und Ground 2A backstage getroffen, um über Spielfreude, Erfolg und die Herausforderungen der Musikindustrie zu sprechen. Von Social-Media-Strategien über die Bedeutung guter Bühnenshows bis hin zu ihrem Umgang mit Trends und Authentizität.
Ground 2A, bei euch sind ja einige noch in anderen Bands oder Projekten unterwegs. Was habt ihr aus euren anderen Projekten mitgenommen, was jetzt in eure Formation einfließt?
Ground 2A: Die Spielfreude, definitiv. Egal, ob wir vor 10 oder 1000 Leuten spielen – wir geben immer 171 %!
Könnt ihr Erfolg für euch definieren? Die Frage geht auch an euch, Untamed. Und verändert sich die Definition vielleicht über die Jahre?
Untamed: Für uns ist Erfolg nicht nur, vor Tausenden zu spielen oder auf Spotify große Zahlen zu haben. Klar, das ist cool, aber wenn nach einem Konzert jemand zu uns kommt und sagt: „Ihr habt mir den Abend gerettet!“ – das ist der echte Erfolg. Wir waren aber jetzt mit unserem Song “Run Away” bei Bayern 3 und ja, für uns ist das natürlich auch eine Form von Erfolg. Aber sich darauf ausruhen? Niemals.
Ground2A: Das sehen wir ähnlich. Erfolg ist, wenn man als Musiker die Musik an die Leute bringen kann. Tatsächlich ist es so, wenn nach der Show jemand kommt und sagt: “Hey, war ein echt cooler Abend!” das ist tatsächlich immer wieder ein Erfolgserlebnis. Das bestärkt einen immer weiter zu machen. Ansonsten waren wir zum Beispiel Support für Ignite. Das war für uns etwas, das wir als Erfolg verbuchen würden. Wenn man Bands supporten darf, die man selbst mag, dann dafür auch noch positives Feedback bekommt, das ist schon etwas, worauf man stolz sein kann.
Untamed: Man muss das eben auch trennen, zwischen dem, was man selbst als Erfolg betrachtet und dem, was Zahlen, Daten, Fakten darlegen. Man wird eben hauptsächlich an ZDF gemessen. Und als Band freut man sich auch über diese Erfolge, aber man hat eben auch seine persönlichen Ansichten dazu.
Denken wir mal ganz kurz zurück. Vor zwanzig Jahren gab’s ja kein Instagram und Co. Als einige von euch angefangen haben, war Social Media höchstens ein MySpace-Experiment. Wie nehmt ihr den Einfluss der sozialen Medien auf die Wahrnehmung von Bands heute wahr?
Ground 2A: Durch MaySpace gab es früher ja auch schon Plattformen, wo man sich präsentieren konnte. Es war allerdings schwieriger. Heute kannst du als Band Geld in die Hand nehmen und dann geht es ein bisschen schneller voran. Das kann man manchen, kann man auch lassen. Früher hast du einfach ein Demo-Paket mit CD und Flyer an Labels geschickt.
Muss man heute zwingend Geld in die Hand nehmen, um durchzustarten?
Ground 2A: Na ja, es gibt zwei Wege: wahnsinniges Glück oder ein dickes Konto. Heutzutage gibt es einfach unglaublich viele Bands. Vielleicht gab es früher auch schon so viele, aber durch die fehlende Präsenz der sozialen Medien waren sie nicht so sichtbar wie heute. Heute ist die Vielfalt riesig, und um wirklich etwas zu erreichen, musst du aus der Masse herausstechen, Aufmerksamkeit erregen und dafür sorgen, dass du nicht nur eine Band von vielen bist. Das ist zwar schwierig, aber auch erstrebenswert. Dave Grohl hat mal gesagt: „Scheiß aufs Einkaufen, spielt einfach geile Shows!“ Wenn die Leute Spaß haben, spricht sich das von selbst herum.
Was macht für euch eine gute Bühnenshow aus?
Untamed: Eine gute Show muss alle Sinne ansprechen. Es geht darum, gut zu spielen und natürlich auch gut auszusehen 🙂 und wir wollen die Gefühle der Menschen wecken. Kurzum: Wir geben Vollgas mit allem, was wir haben. Es geht aber auch darum, das Publikum einzubeziehen. Wir wollen, dass die Leute nicht nur zuschauen, sondern mitmachen – klatschen, tanzen und die Energie spüren. Am Ende sollen sie nach Hause gehen und denken: „Alter, das war krass!“
Ground2A: Wir haben es vorhin schon gesagt, einfach 171% geben. Der Spaß, den du auf der Bühne hast, überträgt sich automatisch auf die Leute.
Ihr habt beide eure Debütalben veröffentlicht. Untamed, ihr im November 2023 und Ground2A, ihr im Juni 2024. Lohnt es sich für Bands heutzutage überhaupt noch, Alben zu machen? Bedenkt man den Spotify-Algorithmus, sollte man sich vielleicht eher auf Singles konzentrieren.
Untamed: Genau deswegen haben wir es eigentlich auch so gemacht. Wir haben eine Single nach der anderen rausgehauen und am Ende alles als Album veröffentlicht.
Ground 2A: Wir haben ein Label im Rücken, und das ist so eine Sache. Man ist es ja gewohnt, dass erst zwei, drei oder vier Singles veröffentlicht werden, bevor das Album kommt. Dadurch bleibt diese Überraschung erhalten – man freut sich noch auf etwas. Wir haben es aber dann auch so gemacht: Erst kamen einige Singles, und dann das Album. Aber am Ende waren nur noch drei Songs wirklich neu, was ein bisschen schade war. Klar, wenn du regelmäßig etwas veröffentlichst, kommst du mehr ins Gespräch, und die Hörerzahlen steigen. Aber der old-school Ansatz, bei dem das Album als Ganzes im Vordergrund steht, hat seinen Reiz und seine Berechtigung – auch wenn er heutzutage nicht mehr so zeitgemäß ist. Mittlerweile gibt ja auch einige Podcasts, die sich mit dem Thema von Algorithmus beschäftigen und da wird einem zum Beispiel auch gesagt: “Egal, wie lang der Song ist, mach 1:30 Min., ganz kurz und dann zweimal Chorus und wenn das bei TikTok viral geht, dann hast du es geschafft.”
Klingt nach Fast Food. Leben wir in einer Fast Food-Welt?
Untamed: Wir fühlen uns zumindest durch die Musikindustrie nicht in unserer Kreativität eingeschränkt. Wir schreiben Songs, die wir eben schreiben wollen und halten uns nicht an solche Angaben.
Ground2A: Ist bei uns auch so. Aber da sind wir wieder beim Thema Erfolg. Eine Band, die sagt: “Wir wollen Erfolg haben und durch die Decke gehen”, die wird sich vielleicht danach richten und sich die Frage stellen: “Was ist das musikalische Rezept, das erfolgversprechend ist?” Dann werden sie diesen Weg wahrscheinlich gehen. Aber wir machen alle schon länger Musik und wissen, was uns gefällt und was wir wollen, deswegen ist es für uns nicht entscheidend.
Es heißt ja oft, dass Timing in der Musikbranche alles ist. Wie seht ihr das?
Ground 2A: Absolut, das Timing kann den Unterschied machen. Wenn gerade ein bestimmter Sound oder Stil im Trend liegt und du mit deiner Musik genau in diesen Moment reinpasst, hast du es definitiv einfacher. Das bedeutet nicht, dass du sofort die erfolgreichste Band wirst, aber du kommst schneller einen Schritt weiter.
Untamed: Trends hin oder her – wenn du nicht voll hinter deiner Musik stehst, merken die Leute das. Wir setzen lieber auf Ehrlichkeit und Authentizität, statt auf Trends zu spekulieren.
Wenn wir das alles jetzt Revue passieren lassen, können wir uns wohl auf ein zentrales Erfolgsrezept einigen: Macht das, was euch wirklich am Herzen liegt und was ihr gut könnt. Hört auf eure innere Stimme, bleibt euch selbst treu – und bedenkt, dass Erfolg aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden kann.
Ground 2A: Kann man so zusammenfassen. Wenn man authentisch ist und sich selbst treu bleibt und das macht, worauf man Bock hat, das merken die Leute. Und die beste Werbung ist bis heute Mundpropaganda. Wenn man Leute hat, die einen echt abfeiern, dann tragen die das weiter.
Untamed: Deswegen immer abliefern, eine geile Show machen, dann läuft das. 🙂
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