Rezension: „Nadelkunstsammler“ von Jürgen Will

Ostfriesland, Mord und zwei Kommissare, die sich erst zoffen und dann zusammenraufen. Klingt nach Standard, ist aber durchaus lesenswert.

Ein Krimidebüt mit Lokalkolorit

Am 19. März 2024 hat Jürgen Will sein Krimidebüt Nadelkunstsammler veröffentlicht und sich damit quasi in die große Riege der Ostfriesland-Autoren eingereiht. Auf dem Cover prangt selbstbewusst „Ostfrieslandkrimi“, und man weiß sofort: Hier geht es nicht um hochglanzpolierte Thriller à la Hollywood, sondern um solide deutsche Krimikost, mit allem, was dazugehört: beschauliche Landschaften, schrullige Charaktere und natürlich Morde, die den Ort erschüttern.

Zwei Kommissare, zwei Welten

Im Zentrum stehen die Kommissare Jergens und Alberts. Beide Männer sind im mittleren Alter, beide haben schon einiges erlebt und beide landen im verschlafenen Öldenettel. Eigentlich wollen sie dort genau das, was viele wollen: Ruhe. Doch wie das in Krimis eben so ist, schlägt die Realität ihnen ein blutiges Schnippchen. Gleich drei Mordfälle warten auf ihre Aufklärung. Und statt Harmonie gibt’s zwischen den neuen Kollegen erst mal ordentlich Reibung.


Das Schöne daran: Jürgen Will hat ein Händchen für Figuren. Ohne langatmige Beschreibungen entstehen beim Lesen sofort Bilder im Kopf. Man kennt solche Typen, man glaubt ihnen ihre Eigenheiten.

Spannung ja, aber ohne Kopfschmerzen

Nadelkunstsammler ist kein Hirnverknotungswerk. Will schreibt klar, in gut verdaulichen Häppchen, sodass man locker auch nach Feierabend ein paar Kapitel weglesen kann. Kein Vergleich zu einem Chris Carter, der seine Leser in die Abgründe der Psyche zerrt, aber Carter schreibt eben Thriller, nicht Krimis. Will serviert bodenständige Spannung, die zwar nicht vor Komplexität überläuft, dafür aber durch Authentizität punktet.

Emotionen im Buch

Einen Kritikpunkt gibt’s dennoch: Manche Szenen hätten mehr Tiefgang vertragen. Besonders eine Passage mit der Mutter eines Opfers bleibt merkwürdig blutleer. Zu rational, zu distanziert. Natürlich trauert jeder anders, aber hier hätte ein Funken mehr Emotionalität die Glaubwürdigkeit gestärkt. Auch bei einigen Dialogen stolpert man kurz, weil sie nicht ganz rund wirken.

Realistisch bis ins Finale, zumindest fast

Trotzdem bleibt der Roman nah an der Realität. Die Morde wirken weder abgehoben noch völlig konstruiert. Man hat als Leser das Gefühl: Ja, so könnte es wirklich passieren. Das macht das Buch angenehm bodenständig. Allerdings: Mit knapp 250 Seiten ist die Geschichte ziemlich schnell durch, und das Ende hinterlässt einen leichten Cliffhanger, da ein Täter noch auf freiem Fuß bleibt. 

Fazit: Solider Auftakt mit etwas Luft nach oben

Wer Krimis mag, die sich flüssig lesen lassen und mit sympathisch-kantigen Charakteren aufwarten, ist hier goldrichtig. Nadelkunstsammler wird nicht die Nerven zerfetzen wie ein Thriller, aber er liefert genau das, was er verspricht: spannende Unterhaltung mit Lokalkolorit. Und mal ehrlich: Wer bei Teil eins nicht direkt den ganz großen Tiefgang erwartet, bekommt eine Reihe serviert, denn das war erst der erste Teil.

Lesenswert? Definitiv. Vor allem für alle, die Lust auf ein neues Ermittler-Duo haben, das noch einiges an Entwicklung verspricht.

Mehr zum Buch und zum Autor Jürgen Will gibt es im Netz.

Frankfurter Buchmesse 2024 – Der Rundgang eines kleinen Autors

  • Herausgeber ‏: ‎ Schreibstark-Verlag
  • Erscheinungstermin ‏: ‎ 19. März 2024
  • Auflage ‏: ‎ 1.
  • Sprache ‏: ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏: ‎ 252 Seiten
  • ISBN-10 ‏: ‎ 3969470471
  • ISBN-13 ‏: ‎ 978-3969470473

 


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