Frech, flüssig, friesisch: Zweitakterhass überzeugt mit Humor, Tempo und Charakter. Ein starker zweiter Krimi von Jürgen Will.
Vom Debüt zum Drive
Nach seinem Debüt Nadelkunstsammler hat Jürgen Will mit Zweitakterhass im Juli 2024 den zweiten Fall für das Ermittlerduo Jan-Wilbur Jergens und Roman Alberts geliefert und zwar mit deutlich mehr Routine unter der Haube. Die beiden Kommissare, vom letzten Fall noch leicht traumatisiert, hoffen auf eine Verschnaufpause. Doch natürlich bleibt das Wunschdenken: Eine ehemalige Finanzbeamtin ist tot und der Täter ist noch auf freiem Fuß. Der Krimimotor muss also wiederröhren. Der Cliffhanger aus Band eins, der zunächst ein klein wenig genervt hat, ergibt plötzlich Sinn und man erwischt sich dabei, Will für diesen erzählerischen Langzeitzünder fast ein bisschen zu applaudieren.
Neue Gesichter, alte Stärken
Femke Claaßen, die in Teil eins noch eine wichtige Rolle spielte, fehlt diesmal, aber keine Sorge, Ersatz ist da: Die junge Kommissarin Vanessa van Aken bringt frischen Wind ins Ermittlerteam. Und während die neue Mordserie das Kaff ordentlich aufmischt, bleibt Wills Stil erfreulich konstant. Seine Sprache ist leicht, klar und frei von überflüssigem Ballast. Kein Geschwurbel, kein Pseudophilosophie-Gefasel, einfach ein Krimi, der Spaß macht. Dazu kommen kleine humorvolle Spitzen, die das Ganze angenehm würzen.
Mehr Fahrt, mehr Feingefühl
Was Zweitakterhass wirklich stark macht, ist die Entwicklung der Figuren. Jergens und Alberts wachsen langsam, glaubwürdig, beinahe zärtlich zueinander hin. Kein Kitsch, kein Krimi-Klischee, sondern echte, leise Annäherung. Will zeigt hier ein gutes Gespür für Dynamik, sowohl im Plot als auch im Zwischenmenschlichen. Stilistisch ist Band zwei eine deutliche Steigerung: flüssiger, sicherer, mit klarerem Taktgefühl.
Das Ergebnis: Ein unterhaltsamer, schnörkelloser Ostfriesenkrimi mit Charakter, Humor und dem gewissen Will-Faktor. Wer Nadelkunstsammler mochte, wird diesen Nachfolger sicher ebenfalls ins Herz schließen und sich schon jetzt auf Teil drei freuen.
Fazit: Zweitakterhass ist keine schwere Krimikost, aber fein gewürzt und angenehm leicht verdaulich.
Mehr zum Buch und zum Autor Jürgen Will gibt es im Netz.
Produktinformationen:
- Herausgeber: Schreibstark-Verlag
- Erscheinungstermin : 14. Juli 2024
- Sprache: Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe: 256 Seiten
- ISBN-10: 3969470560
- ISBN-13: 978-3969470565
- Artikelgewicht: 300 g
- Abmessungen: 13.97 x 1.47 x 21.59 cm
Rezension: „Nadelkunstsammler“ von Jürgen Will
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