Lisa Marie Tietz: Lyrik, Malerei und die Kraft der Hoffnung

Lisa Marie Tietz vereint Lyrik und Malerei zu intensiver Kunst. Im Interview spricht sie über Hoffnung, Dunkelheit und kreative Unabhängigkeit.

Interview: Mia Lada-Klein

Lisa Marie Tietz ist Künstlerin. Alles andere wäre Understatement. Autorin? Trifft nicht alles, was sie ist. Malerin? Zu kurz gedacht. Sie ist beides und noch viel mehr: Botschafterin, Hoffnungsträgerin, Grenzgängerin zwischen Dunkelheit und Licht und eine Frau, die das geschriebene Wort genauso ernst nimmt wie ich selbst.

Im Gespräch mit Lisa geht es um ihre Bücher  „Seelenlast“ und „Seelensaat“, um die Abgründe und Aufstiege des Lebens, um Vergangenheit, die man nicht einfach abschüttelt, und um die heilende Kraft des Schreibens. Es geht aber auch um die schnellebige Social-Media-Welt, in der Likes oft mehr zählen als Inhalt und um die Frage, warum Selfpublishing Freiheit bedeutet, ein Verlag aber trotzdem Gold wert sein kann.

Wer Lust hat, in eine Welt voller Lyrik, Poesie, Malerei und ehrlicher Gedanken einzutauchen, sollte sich jetzt zurücklehnen. Denn Lisa Marie Tietz macht eines klar: Kunst ist nicht Deko! Kunst ist Überleben!

Deine Bücher heißen „Seelenlast“ und „Seelensaat“. Wie hängen die beiden Werke für dich zusammen? Sind sie Fortsetzung, Antwort oder Kontrast?

In meinen Büchern vereine ich beide meiner künstlerischen Leidenschaften und bringe meine Poesie mit meinen Zeichnungen in Einklang. Ich habe festgestellt, wie wunderbar sich Wort und Bild ergänzen, zumal ich in meiner traditionellen Kunst auf Papier selten so sehr ausbreche wie in meinen Gedichten. Die Symbiose dieser beiden Kunstformen hilft mir dabei, meinen Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen Substanz zu verleihen, um sie greifbar zu machen und somit leichter verarbeiten zu können. „Seelenlast” erzählt von Schmerzen und Sehnsüchten aus meiner Vergangenheit und wie ich ihre Last mithilfe meiner Kunst nach vielen überlebten Tagen ablegen konnte. „Seelensaat” hingegen thematisiert Gefühlseinbrüche aus der Gegenwart und wie ich in einer mir fremden Finsternis eine funkelnde Saat entdeckt habe, die hoffentlich eines Tages in einem dritten Buch erblühen wird. In diesem möchte ich Wünsche für mich und mein weiteres Leben in Zukunft zu Papier bringen. Ich träume also tatsächlich davon, eine „Seelen“-Trilogie zu schreiben. Meine Bücher kann man daher jeweils als eine Art Zeitspanne betrachten, und da ich diese chronologisch angehe, bezeichne ich „Seelensaat“ auch gerne als Fortsetzung von „Seelenlast“.

Du beschreibst deine Lyrik selbst als düster, aber von einem „zarten Winterlicht“ durchzogen. Was bedeutet Hoffnung in deiner Kunst? Und hat sich dein Verhältnis dazu verändert?

Die Hoffnung ist nicht nur in meiner Kunst sehr bedeutsam, sondern allem voran in meinem Leben selbst, weshalb sie sich auch immerzu durch mein künstlerisches Schaffen zieht, ganz gleich ob in Form von Wort oder Bild. Ich bin mit Situationen und Zuständen vertraut, in welchen einem nichts anderes bleibt als die Hoffnung – und ich weiß auch, wie leicht es ist, sie zu verlieren. Insbesondere dann, wenn selbst das kleinste aller Lichter erlischt. Das Licht ist auch die Metapher, die für mich mit Hoffnung einhergeht. Es kann viele Formen einnehmen: Ein warmes Gefühl, ein tröstender Traum, eine schöne Erinnerung … oder ein Blümchen erblühen lassen. Tatsächlich hat sich mein Verhältnis über die Jahre dazu spürbar verändert, denn beim Schreiben meines zweiten Büchleins „Seelensaat“ habe ich Hoffnung für mich neu interpretiert. In „Seelenlast“ habe ich beschrieben, dass dieses Leuchten, das mich immerzu durch meine Dunkelheit führte, stets sichtbar war, wenngleich auch oftmals verschwindend klein. Es war mir ein Kompass, eine Richtung und ein Ziel. Mit diesem Buch habe ich Menschen den Mut zusprechen wollen, niemals aufzugeben … ganz gleich, wie finster es um einen stehen mag. Denn in keinem Zustand leuchtet ein Licht heller als in vollkommener Dunkelheit. Kurz nach der Veröffentlichung habe ich genau das verloren, von dem ich dachte, dass es mich am Leben erhielt: Liebe. Und plötzlich stand ich vor genau dem Wunsch, den ich meiner Leserschaft austreiben möchte. Ich wollte aufgeben. Lange plagten mich Zweifel, dass ich meinen Leserinnen und Lesern ein Versprechen gegeben habe, welches ich nicht halten konnte. Ich habe eine Stärke zugesichert, die mich letztendlich doch nicht auf den Beinen halten konnte, denn ich fiel tiefer als jemals zuvor. Kein Leuchten in Sicht. Nur erdrückende Finsternis.

Erst später verstand ich: Ich habe das rettende Licht bisher immerzu außerhalb von mir gesucht. In meiner Verzweiflung blickte ich erstmals in mich selbst hinein und vernahm ein zartes Schimmern. Dieser Moment der Erkenntnis löste Tränen in mir aus, da dies offenbar der erste Schritt in Richtung Selbstliebe war. Und ich war erleichtert! Denn dies war der Moment, der mir zeigte: Es gibt sie immer. Die Hoffnung erlischt nie. Sie ist in einem selbst. Man selbst ist der Kompass, die Richtung und das Ziel. Aufgeben ist also nicht nur ein Tabu, sondern ausgeschlossen. Denn solange es ein Morgen gibt, lohnt es sich, die Hoffnung festzuhalten. Eine wichtige Einsicht, die sich mir zwischen der Veröffentlichung beider Bücher offenbarte.

Was war zuerst da, das Bild oder das Gedicht? Wie fließen deine Zeichnungen und Texte zusammen?

Tendenziell schreibe ich zuerst das Gedicht, bevor meine Zeilen mit einer Zeichnung ergänzt werden. Das ist aber nicht immer der Fall. Ich habe schon öfters eine Schreibblockade damit überwunden, meine Idee zunächst zu Papier zu bringen. Es lässt sich daher nicht pauschalisieren, was zuerst fertiggestellt wird. Es ist auch vorgekommen, dass ich an Wort und Bild parallel gearbeitet habe. Trotzdem sind in der Regel die Gedichte zuerst geschrieben, denn ich erinnere mich an eine Phase kurz vor der Veröffentlichung von „Seelenlast“, in der ich noch einige meiner schriftlichen Werke zu illustrieren hatte und viel am Stück gezeichnet habe. Bei „Seelensaat“ gab es sogar den Fall, dass ich zu einer Zeichnung ein Gedicht geschrieben habe, von der ich dachte, sie würde niemals im Buch auftauchen. Es ist und bleibt offenbar immer eine Überraschung, selbst für mich! In meinen Worten breche ich deutlich mehr aus als in meinen Werken auf Papier. Beim Schreiben mache ich keinen Halt vor der nackten und kalten Wahrheit, weshalb ich mich stellenweise auch an einer brutalen Wortwahl bediene. Meine Verse sollen sich spürbar unter die Haut drücken und Herzen erreichen. Wenn meine Leserinnen und Leser dies zulassen, werden sie eine erdrückende Traurigkeit wahrnehmen, die oftmals auch mit Schmerzen einhergeht. Deshalb steht im Kontrast zum harten Wort das zarte Bild, denn in meinen Zeichnungen bewahre ich immer eine Art melancholische Schönheit, zeige dabei aber auch auf, wie zerbrechlich sie ist. Trotzdem soll meine Leserschaft zumindest für den Moment des Betrachtens ein wenig zur Ruhe kommen. Die Zeichnungen sollen die Hoffnung spenden, die man beim Lesen nicht immer sofort deutlich erkennen kann.

Themen, die bleiben

Welche Themen lassen dich nicht los? Gibt es etwas, das du schreibend immer wieder umkreist, vielleicht ohne es ganz aufzulösen?

Themen, die mich nicht loslassen, sind wenig überraschend die Hoffnung, die ich vor allem in meinem letzten Werk der Trilogie spürbar hell erstrahlen lassen möchte. Ich weiß jedoch aus eigener Erfahrung, dass das Sprichwort „die Zeit heilt alle Wunden“ nur in den wenigsten Fällen zutrifft. Deshalb wird auch mein drittes Buch zweifelsohne von Dunkelheit durchzogen werden und von Schmerzen erzählen. Mir ist es wichtig, in meinen Werken aufzuzeigen, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn die eigene Seele neben ihren Narben auch offene Wunden trägt, denn manche schließen sich nie. In unserer Gesellschaft wird häufig das Bild vermittelt, man müsse krampfhaft versuchen, Traumata zu heilen, doch anstatt gegen sie zu arbeiten, ist es weitaus heilsamer, sie zu akzeptieren und sie mit dem anzunehmen, was sie einem geben. Ich durfte selbst erfahren, wie viel Schönheit sich aus Schmerz ziehen lässt. Nicht nur in Form von Kunst, sondern allem voran im Teilen mit den Mitmenschen. Das Gefühl zu vermitteln, mit einem Empfinden nicht allein zu sein, haben bereits viele dankbar als Geschenk angenommen. Mir ist die Dunkelheit über die Jahre auch eine Art Heimat geworden. Manchmal kehre ich freiwillig zurück, um mich im Schmerz zu suhlen und mich meiner Traurigkeit hinzugeben. Manche Geister legt man nie ab, und das muss man auch nicht. Stattdessen kann man Wege finden, sich mit ihnen anzufreunden.

Du sprichst auch davon, dass dein Publikum klein ist. Was gibt dir dennoch die Kraft, weiterzuschreiben und zu veröffentlichen?

Tatsächlich ertappe ich mich immer wieder in Phasen von Frust und Zweifel, obwohl ich dieses Projekt „für mich“ angegangen bin. Es ist mein Traum, den ich zu Papier bringen möchte. Ich mache die Kunst für mich und sehe in ihr ein Ventil, Gefühle zu verarbeiten. Aber es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass sich über die Zeit nicht der Wunsch manifestiert hätte, diesen Traum mit anderen zu teilen. Denn das hat er. Wenn ich sehe, dass ich diesen Monat wiederkehrend kein Büchlein auf Reisen schicken durfte, holen mich zuerst die negativen Gedanken ein. Ich versuche aber, schnell dagegen zu arbeiten, zumal ich bezüglich des Verkaufs keinen Druck empfinden muss, da ich eine feste Einkommensquelle mit meinem Hauptberuf als Biologielaborantin habe. Außerdem blicke ich auf das zurück, was ich mit meinen Werken schon erreichen durfte: Ich durfte einige zauberhafte Seelen kennenlernen, die Trost und Zuversicht in meinen Büchern gefunden haben. Die unzählig vielen tiefsinnigen und intimen Gespräche voll von Vertrauen und Offenheit haben mich sehr bereichert und mich in dem bestätigt, das ich tue. Hierin findet der Wunsch, meine Kunst verstärkt mit anderen zu teilen, auch seinen Ursprung. Wenn ich die Bücher in fremde Hände gebe, wird es oft mit dem Gefühl beantwortet, mit diesem Projekt etwas richtig gemacht zu haben. Aus einigen dieser Begegnungen sind wundervolle Freundschaften entstanden, aus denen ich immerzu Kraft und Mut schöpfen kann, um an meiner Kunst festzuhalten. All das, was ich hier und heute mit meinen Werken erleben durfte, lässt mich voller Zuversicht auf das blicken, was noch kommen mag. Denn obwohl sich die Bücher in meiner Wohnung noch zu Hunderten stapeln, war es das trotzdem wert, selbst wenn sich an dem Zustand nichts mehr ändern lässt. Selbst in diesem Fall würde ich auch das dritte Buch schreiben, denn mindestens eine Seele werde ich damit retten, auch wenn es nur meine eigene ist. Alle, die daran teilhaben wollen, betrachte ich Geschenk, das ich dankbar annehme und gerne empfange, heute genauso sehr wie in zwanzig Jahren. Und wer weiß, ob sich in Zwischenzeit eine Tür für mich öffnen wird … schließlich kommt es nicht in Frage, die Hoffnung aufzugeben.

Was macht für dich ein gelungenes Gedicht aus? Und woran merkst du, dass ein Text fertig ist?

Ich bin mit einem Gedicht zufrieden, wenn ich nicht einmal mehr den Hauch vom Funken eines blassen Zweifels wahrnehme. Das klingt nun sehr perfektionistisch, aber wenn ich mein Werk beim Lesen nicht hundertprozentig fühle, irgendwo gedanklich stolpere oder mich krampfhaft mit einem Wort anfreunden müsste, um den Reim zu vollenden, kann es nur falsch sein. Ich muss mich vollständig mit dem Werk identifizieren können. Das Schreiben ist bei mir daher ein langwieriger Prozess, der nicht selten in Chaos zerfließt. Die letzte Strophe wird plötzlich die erste, einige werden neu geschrieben oder komplett gelöscht. Ich erinnere mich daran, eines meiner Gedichte erst nach drei Jahren als vollendet betrachtet zu haben, weil mich ein einziges Wort im Redefluss störte, das womöglich niemandem aufgefallen wäre. Aber sobald es mir auffällt, gibt es Überarbeitungsbedarf. Wenn ich den Zustand von Zufriedenheit erlangt habe, gelten meine Gedichte aber erst dann als gelungen, wenn sie von meinem wertgeschätzten Mentor abgesegnet worden sind. Er liest meine Worte immerzu gegen und kommuniziert offen und direkt, an welchen Stellen er noch das Potenzial sieht, mehr aus mir herauszuholen. Ob ich diese Impulse annehme oder nicht, bleibt mir überlassen. In den meisten Fällen tue ich es und fühle mich anschließend besser, begeistert von dem, was mit seiner Hilfe nun deutlich wirksamer klingt. Wenn es aber an Herz und Seele reißen würde, etwas zu ändern, bleibe ich bei meiner ursprünglichen Form und kann es trotzdem als gelungen betrachten, da ich die Gedanken meines Mentors zum Werk kenne. Dies ist auch der Punkt, einen Text „fertig“ zu nennen. Er ruht dann bis kurz vor der Veröffentlichung, und nur in seltenen Fällen nehme ich noch verschwindend kleine Änderungen vor.

Kunst im Netz: Zwischen Sichtbarkeit und Selbstanspruch

Viele Künstlerinnen erleben, dass visuelle Kunst online mehr Aufmerksamkeit bekommt als Texte. Wie gehst du mit dieser Dynamik um?

Das spüre ich selbst am eigenen Leib. Ich habe schon vieles versucht, unter anderem Wort und Bild auch in Social Media mehr miteinander in Einklang zu bringen oder auch einen Account eröffnet, der sich nur aufs Schreiben konzentriert. Beides hat für mich nicht gut funktioniert, denn ich habe eine große Schwäche: Meine Quantität. Was Lyrik betrifft, haben heutzutage diejenigen bessere Chancen, die kurze und knappe Verse veröffentlichen, mit denen sich das Publikum identifizieren kann. So können regelmäßig Beiträge gepostet werden. Das ist allerdings nicht mein Stil. Meine Gedichte sind deutlich länger, bestehen aus mindestens vier Strophen und sind oftmals in ihrer Aussage recht komplex. Das müssen sie auch sein, denn sonst wäre man mit meinen Büchern sehr schnell durch. Die Werke sind recht dünn und mehr ein Kunstwerk als ein Buch. Mein Wunsch ist es, dass man sich Zeit nimmt für das, was man betrachtet, aufnimmt und verstehen möchte. Zeit ist allerdings etwas, das in Social Media ausgestorben ist. Man will auf der einen Hand möglichst konsequenten Input, auf der anderen Hand die Beiträge aber auch bestmöglich schnell „abhaken“. Da habe ich sowohl in Wort als auch in Bild Schwierigkeiten. Denn auch beim fotorealistischen Zeichnen benötige ich sehr viel Zeit, zumal es nur eine Leidenschaft ist und nicht mein Beruf. Trotzdem sind es unterm Strich meine Werke auf Papier, die mich auf Social Media wachsen lassen. Das schlägt sich allerdings nicht auf meine Buchverkäufe nieder. Oftmals setzt mich diese Dynamik sehr unter Druck … Präsenz zeigen, leisten müssen, am Ball bleiben – stets begleitet von der Angst, an Sichtbarkeit zu verlieren. Denn, ja, der Wunsch, meine Bücher mit der Welt zu teilen, ist vorhanden, und wenn ich mir diesen erfüllen möchte, muss ich mich an die Oberfläche drücken. Das fällt mir jedoch zunehmend schwerer, weshalb ich mir immer in Erinnerung rufen muss, dass ich Zeit habe. Die Menschen, die ich erreichen möchte, werden eines Tages kommen. Außerdem darf ich unter diesem Stress nicht vergessen, dass ich mir hiermit einen Traum erfüllt habe. Er hat es nicht verdient, vom Frust, der mit Social Media einhergeht, beschmutzt zu werden. Ich bin dankbar für jede Chance, die mir gegeben wird, und genieße so zum Beispiel die Beantwortung dieser Fragen spürbar.

Würdest du sagen, dass deine Gedichte autobiografisch sind? Oder nutzt du persönliche Themen eher als Ausgangspunkt für etwas Größeres?

Die Quelle meiner Inspiration ist zweifelsohne mein Leben selbst, aber ich nutze es tatsächlich für etwas Größeres, denn ich möchte nicht nur für mich sprechen, sondern für alle, denen ähnliche Schicksalsschläge widerfahren sind. Ich wünschte, es wäre anders, aber psychische und physische Gewalt sind leider genauso alltäglich wie der Kaffee am Morgen, nur spricht niemand darüber. Allem voran dann nicht, wenn man selbst betroffen ist. Man trägt es gerne nach draußen, wenn man glücklich ist, schämt sich aber dafür, traurig zu sein und frisst es in sich hinein. Ich möchte denen eine Stimme geben, die sich nicht zu sprechen trauen, zumal ich selbst lange Zeit dazu zählte. Darüber hinaus möchte ich den Menschen, die mit solchen Themen keine Berührungspunkte hatten, dazu einladen, diese Dunkelheit zu betreten, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Kämpfe Betroffene mit Herz und Seele austragen müssen. Darüber hinaus greife ich auch Weltthemen auf, die meines Erachtens zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, wie beispielsweise Umweltverschmutzung, Tierquälerei oder bestimmte Formen von Gewaltverbrechen.

Du zeichnest, dichtest und veröffentlichst selbst. Wie wichtig ist dir kreative Unabhängigkeit dann? 

Kreative Unabhängigkeit ist außerordentlich wichtig für mich und fast schon eine Voraussetzung, um künstlerisch zu funktionieren. Ein Grund, weshalb ich Aufträge nur in seltenen Fällen annehme, und dies auch nur, wenn man mir bei der Gestaltung sehr viel Freiraum gibt. Ich bringe mit jedem Strich und jedem Wort mein Innerstes nach außen und könnte gar nicht anders, als jedem Motiv meine persönliche Note zu verleihen. Mein erstes Buch „Seelenlast“ habe ich tatsächlich noch über einen Verlag veröffentlicht, der sich aber insofern als besonders herausstellt, dass sämtliche Rechte bei mir geblieben sind. Es mithilfe des Verlags auf den Markt gebracht zu haben, hat mir sehr geholfen, da ich auf diesem Gebiet absolut keine Erfahrungen hatte. Hätte ich es als Selfpublisherin veröffentlicht, wäre es längst nicht so schön geworden, wie es heute ist. Ich habe viel über Design und Druck gelernt, sodass ich nun ein hochwertiges Hardcover-Buch mit Lesebändchen in Händen halten darf, das meinen Qualitätsansprüchen gerecht wird, denn aufgrund meiner Zeichnungen wollte ich keinesfalls ein Taschenbuch, geschweige denn ein eBook-Format. Mit nun ausreichender Erfahrung habe ich den Mut gefasst, „Seelensaat“ selbständig zu veröffentlichen, zumal ich die entsprechenden Kontakte hatte und wusste, dass die Bücher identisch aufgebaut werden sollen. Das hat auch alles wunderbar geklappt, sodass ich nun über beide Werke selbstständig verfügen kann. Auch diese Form von Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig, da ich somit die Möglichkeit habe, jedes Büchlein zu signieren und mit einer Widmung zu versehen. Ich weiß, in welche Hände sie gelangen, und die Empfänger können sich immer sicher sein, dass das Päckchen mit Liebe für sie verpackt worden ist. Der persönliche und enge Austausch ist für mich sehr wertvoll … allem voran dann, wenn dabei sogar ein Kontakt entsteht, der bleibt.

Vielen Dank Lisa Marie.

Mehr zu Lisa Marie Tietz findet ihr in den Socials.

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