Soundcheck Sessions mit Mia (Interview)
Foto: Paddy Kroetz Pressebild
Paddy Kroetz über Kinderfernsehen, Stottern, Social Media und seinen Weg vom Nickelodeon-Star zum Twitch-Streamer.
Interview: Mia Lada-Klein
Paddy Kroetz ist für viele bis heute untrennbar mit Nickelodeon verbunden. 1997 startete er dort als Kindermoderator und wurde schnell zu einer festen Größe im Alltag einer ganzen Generation. Heute sind viele seiner damaligen Zuschauer längst erwachsen, haben eigene Kinder und erkennen ihn trotzdem sofort wieder. Vielleicht liegt es daran, dass Paddy sich kaum verändert hat. Er wirkt noch immer genauso frisch, jugendlich und präsent wie damals, als er nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera gearbeitet hat.
Über mehr als zwei Jahrzehnte war er im Kinder- und Jugendfernsehen aktiv. Das ist nicht nur eine beeindruckende Zeitspanne, sondern auch deshalb bemerkenswert, weil Paddy nie ein Geheimnis daraus gemacht hat, dass er stottert. Ein Thema, das ihn seit der Kindheit begleitet und seinen Berufsweg stark geprägt hat. Statt es zu verstecken, hat er es offen thematisiert und damit vielen Mut gemacht, die mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen.
Heute ist Paddy als Streamer auf Twitch, Video-Creator und weiterhin als Moderator aktiv. Die Plattformen haben sich geändert, seine Haltung nicht. In unserem Gespräch wollte ich wissen, wie seine Anfänge damals wirklich aussahen, wie er die Medienwelt von heute erlebt und was eigentlich aus dem „Big Brother“ so vieler Kinder geworden ist. Spoiler: Er ist immer noch genauso ehrlich, reflektiert und angenehm unangepasst wie früher, nur mit etwas mehr Geschichten im Gepäck.
Kindheit, Projektion und emotionale Nähe
Du warst für viele Kinder eine feste Konstante im Alltag. Gerade im Bereich Kindersendungen galtst du als eine Art Aushängeschild. War dir damals bewusst, welche Rolle du für viele gespielt hast? So eine Art Big Brother für Kids.
Paddy Kroetz: Ja, solche Geschichten höre ich bis heute immer wieder. Erwachsene kommen auf mich zu und erzählen, dass meine Sendungen für sie eine Art Zufluchtsort waren. Manche berichten von Streit zu Hause oder davon, dass sie viel allein waren und der Fernseher dann eine Ablenkung war. Das berührt mich jedes Mal sehr.
Das klingt nach einer starken emotionalen Verbindung. Wie erlebst du diese Begegnungen heute?
Paddy Kroetz: Es ist oft unglaublich intensiv. Manche fangen an zu weinen, weil sie plötzlich wieder in ihre Kindheit zurückkatapultiert werden. Diese Emotionen sind extrem stark und ich kann das sehr gut nachempfinden, weil ich selbst ähnliche Gefühle mit meiner eigenen Kindheit verbinde. Wenn ich Menschen treffe, die ich als Kind bewundert habe, geht es mir genauso. Dadurch entsteht automatisch ein Gespräch auf Augenhöhe.
Warum sind diese Gefühle deiner Meinung nach so präsent? Selbst Menschen, die keine leichte Kindheit hatten, verbinden mit Kindheit ja oft trotzdem ein Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit. Keine Verantwortung, keine Zeitrechnung, keine Verpflichtungen. Ich glaube, diese positiven Aspekte bleiben stärker haften als die negativen.
Paddy Kroetz: Ja, absolut. Das ist vermutlich ein evolutionärer Mechanismus. Unser Gehirn sortiert negative Erinnerungen eher aus, um uns zu schützen. So funktioniert unser Gedächtnis nun mal sehr selektiv, auch wenn ich das eigentlich schade finde.
Du hast ja auch einen sehr bewussten Umgang mit Erinnerungen entwickelt. Warum?
Paddy Kroetz: Weil ich dieses Vergessen nicht akzeptieren wollte. Deshalb schreibe ich seit Ende 1999 Tagebuch. Das ist mein persönlicher Kampf gegen das Vergessen, eine ausgelagerte Erinnerung sozusagen. Wenn ich heute alte Einträge lese, merke ich, wie viel ich komplett vergessen habe. Menschen, Situationen, ganze Tage. Das ist erschreckend und traurig zugleich.
Gerade in Zeiten von KI und digitalen Helfern wirkt Tagebuchschreiben fast altmodisch. Warum ist es dir trotzdem wichtig?
Paddy Kroetz: Weil es etwas zutiefst Persönliches ist. Eine KI weiß nicht, was du erlebt hast oder was ein Moment für dich bedeutet hat. Das Tagebuch ist meine individuelle Erinnerung. Ich schreibe am Computer, in Word, weil ich sehr schnell tippe. Das spart enorm viel Zeit.
Das schnelle Schreiben musstest du dir aber erst hart erarbeiten, oder? Sag jetzt nicht “Nein”, sonst fühle ich mich voll schlecht als Texter. Ich bin nämlich gefühlt immer noch sehr lahm darin.
Paddy Kroetz: Ja, definitiv musste ich das lernen. In der Schule hatten wir Schreibmaschinenunterricht und das war brutal. Die Finger taten am Anfang unglaublich weh, einfache Übungen, langsames Tippen, alles war ungewohnt. Aber ich mache das seit 1994 und heute ist es ein riesiger Vorteil. Schnell schreiben zu können, ist einfach enorm wertvoll.
Haltung, Handwerk und der Weg ins Fernsehen
Kommen wir noch einmal zurück zu deinen Anfängen. Wie bist du überhaupt Moderator geworden und wie findet man seinen Weg ins Kinderfernsehen?
Paddy Kroetz: Mein Einstieg ist ehrlich gesagt ziemlich ungewöhnlich. Meine Eltern haben schon früh gemerkt, dass ich stark gestottert habe. Ich war als Kind in Sprachtherapie und habe die letzte sogar noch 2004 gemacht, also auf dem Höhepunkt meiner Kinderfernsehkarriere. Das gehört einfach zu mir und hat meinen Weg stark geprägt.
Wann kam dann der Moment, an dem sich alles verändert hat?
Paddy Kroetz: Als ich 15 war, hat mir mein Opa eine Videokamera geschenkt. Wir waren finanziell nicht gut aufgestellt, Urlaube gab es keine. Mein Opa hat sich diese Kamera über Monate beim Versandhaus abgestottert. Das passt in dem Zusammenhang fast ironisch gut. Für mich war das ein riesiges Geschenk.
Was hast du mit der Kamera gemacht?
Paddy Kroetz: Ich habe einfach angefangen. Ich habe mir ein Mikrofon besorgt und Leute auf der Straße in Frankfurt interviewt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich vor der Kamera deutlich weniger gestottert habe als im echten Leben. Das war wie eine zusätzliche Sprachtherapie. Ab da hatte ich ziemlich schnell im Kopf, dass ich Moderator werden will.
Hattest du Vorbilder?
Paddy Kroetz: Ja, einige. Ich mochte den frühen Stefan Raab, aber auch Formate wie „Super!!!“ auf SAT.1 oder das damals neue VIVA. Besonders beeindruckt hat mich Ray Cokes von MTV. Er hatte Humor, war sympathisch und wirkte nahbar. Das fand ich extrem wichtig.
Wie ging es dann konkret weiter Richtung Fernsehen?
Paddy Kroetz: Ich habe mit meiner Kamera Sketche gedreht, bin mit dem Zug herumgefahren und habe versucht, Prominente zu interviewen. Alle paar Monate habe ich eine neue Ausgabe meiner selbstgemachten Unterhaltungsshow produziert. Die war ziemlich schräg, manche fanden sie regelrecht schizophren. Diese VHS-Kassetten habe ich an alle Fernsehsender geschickt mit dem Motto: Das bin ich, das ist mein Zeug, könnt ihr mich gebrauchen?
Und dann kam der Durchbruch?
Paddy Kroetz: Irgendwann wurde ich zu Castings beim damals neuen Kindersender Nickelodeon eingeladen. Ich habe dort sogar Moderatoren interviewt und ihnen meine neue Show geschickt. Dann kam die Frage, ob ich mir vorstellen könne, auch für Kinder zu moderieren. Das habe ich ausprobiert und offenbar hat es gepasst.
Wann war dein offizieller Start?
Paddy Kroetz: Am 1. Juli 1997 habe ich bei Nickelodeon angefangen. Zunächst nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera. Parallel habe ich ein Volontariat gemacht, eine im Medienbereich anerkannte Ausbildung. Ab da war klar: Das ist kein Hobby mehr. Das ist mein Beruf, mein Weg.
Du bist also nicht über Umwege Moderator geworden, sondern wusstest ziemlich früh, was du willst. Trotzdem stelle ich mir Kinder als Publikum extrem anspruchsvoll vor. Hast du dir das wirklich zugetraut?
Paddy Kroetz: Ja, absolut. Kinder sind gnadenlos ehrlich. Wenn du sie nicht sofort abholst, bist du verloren. Erwachsene bleiben sitzen, Kinder schalten einfach ab. Aber genau das hat mich gereizt. Ich glaube, das hat auch viel mit meiner Persönlichkeit zu tun.
Inwiefern?
Paddy Kroetz: Ich bin nie wirklich erwachsen geworden. Das hat Nachteile, klar und manche verurteilen das auch. Aber ich komme damit gut klar. Ich war immer wie die Kinder, nie der Erwachsene, der von oben herab spricht. Ich war einer von ihnen.
Das war also ein bewusster Ansatz?
Paddy Kroetz: Ja. Es gibt verschiedene Typen von Kindermoderatoren. Die Oberlehrerhaften, dann die großen Brüder oder Schwestern, zu denen man aufschaut. Und dann die, die auf Augenhöhe sind. Ich habe immer versucht, genau das zu sein. Wenn ich mit Kindern gesprochen habe, bin ich in die Knie gegangen, um auf derselben Höhe zu sein. Auch visuell. Das signalisiert Respekt und Gleichwertigkeit.
Hat diese Haltung funktioniert?
Paddy Kroetz: Offensichtlich ja. Sonst hätte ich das nicht über 21 Jahre gemacht. Gerade der direkte Kontakt war immer stark. Natürlich wird es schwieriger, wenn Kinder älter werden. Mit elf, zwölf, dreizehn fängt die Pubertät an, da testen sie Grenzen. Mein Lieblingsalter war immer so zwischen vier und neun. Da war die Offenheit noch total da.
Wenn du auf heute blickst: Die Medienwelt hat sich stark verändert. Influencer moderieren plötzlich Fernsehsendungen. Wie stehst du dazu?
Paddy Kroetz: Pauschal verurteilen will ich das nicht. Wenn jemand Talent hat und moderieren kann, ist das völlig in Ordnung. Knossi zum Beispiel macht das gut. Mein Problem entsteht, wenn es nur noch um Reichweite geht und nicht mehr um Qualität. Wenn Leute vor der Kamera stehen, die kaum einen geraden Satz sprechen können, dann frage ich mich schon, warum man das macht. (lacht)
Also eher eine Qualitätsfrage als eine Generationenfrage?
Paddy Kroetz: Genau. Unter Influencern gibt es sehr talentierte Menschen. Aber wenn der Anspruch sinkt und nur noch Follower zählen, finde ich das schade und ehrlich gesagt auch billig.
Als du angefangen hast, gab es Social Media noch nicht in dieser Form. Fluch oder Segen?
Paddy Kroetz: Beides. Heute ist es einfacher, sich eine Followerschaft aufzubauen und man bekommt sofort Feedback. Damals wurde mir erst viel später bewusst, welchen Einfluss ich eigentlich hatte. Social Media beschleunigt eben alles.
Du selbst wirkst aber eher distanziert gegenüber sozialen Netzwerken.
Paddy Kroetz: Ich bin kein großer Fan. Ich scrolle kaum durch Feeds und schaue selten, was andere machen. Ich nutze Social Media, weil man heute nicht mehr daran vorbeikommt, aber es macht mir nur teilweise Spaß. Das Feedback ist natürlich schön. Wenn Leute schreiben, ich hätte ihre Kindheit geprägt oder mich als Legende bezeichnen, ist das überwältigend, auch wenn ich das selbst so nie sehen würde.
Trotzdem lebst du sehr bewusst und zurückhaltend.
Paddy Kroetz: Ja. Ich lebe sehr spartanisch. Kleine Wohnung, zentral in Köln, geringe Miete. Ich hatte als Kind auch nur ein Zimmer, vielleicht passt das alles zusammen. Ich hatte nie diesen Drang nach dem klassischen Lebensentwurf mit Haus, Familie, bürgerlichem Alltag.
Das klingt nach einer sehr klaren Haltung zum Leben.
Paddy Kroetz: Ich sollte eigentlich gar nicht hier sein. Ich war maximal ungeplant und ich habe diese Geschichte erst sehr spät erfahren. Das hat rückblickend vieles erklärt. Wenn man das weiß, denkt man anders über sein Leben. Ich bin halt zufällig hier und mache es mir schön, lebe unkonform, nicht nach dem Mainstream.
Und du hast dir erlaubt, nur Dinge zu tun, die dir wirklich Freude machen.
Paddy Kroetz: Ja. Nach der Schule habe ich nichts mehr gemacht, was mir keinen Spaß gemacht hat. Das ist ein großes Geschenk und ein Privileg, das nicht viele Menschen haben.
Glück, Brüche und Leben abseits des Mainstreams
Wenn du auf deinen Lebens- und Karriereweg zurückblickst: Gibt es Dinge, von denen du sagst, die würdest du heute anders machen?
Paddy Kroetz: Ja, definitiv. Gerade in der Moderation war ich oft zu ehrlich. Ich habe mir dadurch auch Chancen verbaut, weil ich mit Menschen aneckte, die am längeren Hebel saßen. Selbst dann, wenn sie sich falsch verhalten haben. Ich habe Dinge offen angesprochen, auch wenn sie Kindern gegenüber nicht in Ordnung waren. Das hat mir nicht immer gutgetan.
Würdest du heute diplomatischer vorgehen?
Paddy Kroetz: Vielleicht in Details. Aber grundsätzlich würde ich mich nicht verbiegen wollen. Wenn ich Dinge geschluckt oder schön geredet hätte, wäre ich ein Heuchler geworden. Im Großen und Ganzen war mein Weg gut so. Natürlich würde ich private Entscheidungen heute teilweise anders treffen, aber beruflich hatte ich enormes Glück.
Du sprichst von Glück. Glaubst du, dass sich das auch erschöpfen kann?
Paddy Kroetz: Manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, meinen Glückstopf schon ziemlich beansprucht zu haben. Ich habe so viele absurde, fast mysteriöse Situationen erlebt, bei denen ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Dinge, die man kaum glauben kann.
Eine dieser Geschichten hängt mit einer Rocklegende zusammen.
Paddy Kroetz: Ja. Ich habe Lemmy Kilmister 2009 in Los Angeles kennengelernt. Später hat er mich zu einem Konzert eingeladen, inklusive Backstage-Pass. 2014 habe ich ihn noch einmal getroffen. Und 2015 war ich ausgerechnet an dem Tag, an dem er gestorben ist, in seiner Stammbar.
Das klingt surreal.
Paddy Kroetz: Total. Ich saß in der Rainbow Bar, seinem zweiten Zuhause. Dort hatten wir vorher oft gesessen, geredet, gelacht. Und ich werde nie vergessen, wie mir Lemmy persönlich eine Jackie Cola ausgegeben hat. Das war der beste Drink meines Lebens. (lacht)
Diese Geschichte ist sogar dokumentiert worden, oder?
Paddy Kroetz: Ja, unfreiwillig. (lacht) Die Bild war damals vor Ort und hat ein Video gedreht. Die Reporterin kannte sich in der Szene überhaupt nicht aus, also haben mein Freund Sam und ich ihr gezeigt, wen sie interviewen sollte. Das wurde dann eines der ersten Videos in Deutschland zu Lemmys Tod. Und ich bin da mittendrin, zwischen Rockstars und anderen Gestalten dieser Szene. Komplett absurd.
Du erzählst das mit großer Dankbarkeit.
Paddy Kroetz: Absolut. Ich bin unglaublich froh und stolz, dass ich solche Dinge erleben durfte. Das ist nur eine von unzähligen Geschichten. Manchmal frage ich mich tatsächlich, wie lange das noch so weitergeht. Ob ich immer wieder solche außergewöhnlichen Momente erleben werde.
Du wirkst nach außen sehr offen und fröhlich. Trotzdem hast du selbst gesagt, dass nicht immer alles leicht war. Ist das für dich eine Art ausgleichende Gerechtigkeit?
Paddy Kroetz: Vielleicht. Gerade im Moment habe ich aber tatsächlich sehr zu kämpfen. Das gehört aber auch zu diesem Lebensweg dazu. Wenn man sich für ein freies, unkonventionelles Leben entscheidet, gibt es eben auch Phasen, die richtig schwer sind.
Du hast vorhin schon Social Media angesprochen. Wie erlebst du das heute, gerade mit Blick auf junge Menschen?
Paddy Kroetz: Sehr kritisch. Dieses permanente Vorspielen eines perfekten Lebens finde ich anstrengend. Vor allem für Kinder und Jugendliche ist das gefährlich. Wenn man mit zwölf oder dreizehn ständig sieht, wie toll angeblich alle anderen leben, entsteht schnell der Eindruck, das sei der Standard. Und wenn das eigene Leben dem nicht entspricht, kann das massiv auf die Psyche gehen. Da fehlt mir oft Ehrlichkeit.
Du versuchst, es selbst anders zu machen.
Paddy Kroetz: Ja. In meinen Livestreams sage ich auch offen, wenn es mir nicht gut geht. Natürlich ist das ein schmaler Grat. Ich will niemanden runterziehen oder nur jammern. Unterhaltung ist wichtig. Aber es sollte auch Platz für Realtalk geben. Das Leben ist nicht dauerhaft geil und das darf man auch sagen.
Das kann ich gut nachvollziehen. Social Media triggert mich selbst sehr schnell.
Paddy Kroetz: Das höre ich oft. Und ich glaube wirklich, dass es ein Glück ist, nicht mit Social Media aufgewachsen zu sein. Gerade wenn man selbst gesundheitliche oder psychische Themen hatte, kann das sonst extrem gefährlich werden.
Lass uns zum Abschluss noch über zwei Dinge sprechen: erstens über negative Erfahrungen. Bist du viel Ablehnung oder Vorurteilen begegnet als Kindermoderator?
Paddy Kroetz: Erstaunlich wenig. Wirklich sehr wenig. Das Ende meiner Kinderfernsehzeit war zwar abrupt und bis heute schmerzhaft. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich diesen Job bis ins hohe Alter gemacht. Aber im direkten Umgang mit Menschen habe ich kaum Negativität erlebt.
Woran lag das deiner Meinung nach?
Paddy Kroetz: Kindermoderatoren waren nie wirklich Mainstream. Wir haben außerhalb dieser Bubble kaum stattgefunden. Keine Yellow Press, keine großen Zeitungsartikel. Das hatte Vorteile. Ich konnte völlig unbehelligt mein Leben leben. Auf der anderen Seite hat mir genau das später geschadet, weil mir der Übergang in eine Nachkarriere dadurch deutlich schwerer fiel.
Du bereust also, Social Media nicht früher genutzt zu haben?
Paddy Kroetz: Ja, ein Stück weit. Damals ging es mir gut, ich hatte keine Notwendigkeit, mir etwas aufzubauen. Rückblickend war das ein Luxus, aber auch kurzsichtig. Heute merke ich, dass mir das fehlt. Jetzt versuche ich, mir wieder etwas Sichtbarkeit zu erarbeiten, um weiterhin von dem leben zu können, was ich liebe: Moderation, Livestreams, Videos.
Wo kann man dich aktuell erleben?
Paddy Kroetz: Am regelmäßigsten im Livestream auf Twitch. Ich bin dort etwa viermal pro Woche ab 21 Uhr live. Der Account heißt @Paddy_Kroetz, mit nur einem T. Außerdem gibt es meinen Kanal auf YouTube, der gerade pausiert, aber dort sind über 400 Videos online, auch zu der Lemmy-Story.
Du sprichst auch sehr offen über dein Stottern. Wie gehst du damit heute um?
Paddy Kroetz: Das ist extrem tagesformabhängig. Es gibt Tage, da läuft alles gut, und andere, da bekomme ich kaum einen Satz raus. Heute war ein ganz okayer Tag, darüber bin ich froh. Schlechte Tage nerven mich selbst am meisten. Das gehört leider dazu.
Aber insgesamt war das Gespräch doch sehr rund.
Paddy Kroetz: Ja, auf jeden Fall. Es lief gut. Und das ist am Ende das Wichtigste.
Paddy, ich danke dir für den Talk, deine Zeit und deine Einblicke.
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Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.
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