Son Little kehrt mit CITYFOLK zurück und liefert ein ruhiges, souliges Album mit starker Stimme, warmem Sound und Songs zum Abschalten. (Review)
Text: Mia Lada-Klein
Son Little ist zurück. Und wie das bei Künstlern ist, die sich nicht um Trends scheren, sondern lieber ihr eigenes musikalisches Wohnzimmer einrichten, kommt auch CITYFOLK, sein viertes Album und erstes Lebenszeichen seit 2022, nicht hereingestürmt, sondern schlendert entspannt durch die Tür, als hätte es alle Zeit der Welt. Hier wird nichts erzwungen, alles wächst langsam, sorgfältig und mit einer beneidenswerten Coolness.
Son Little und der Urlaub im Kopf statt Stadionpose
Der Opener Rabbit setzt den Startschuss. Entfernte Manu Chao Assoziationen schweben durch den Raum, und ja, das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint. Ein Hauch Elektronik, ein Groove mit Ohrwurmpotenzial und dieses schwer zu definierende Gefühl von Freiheit, das nach warmem Abendlicht und spontanen Reiseplänen klingt. Musik, die nach Sonnenuntergang riecht eben.
Whip The Wind führt diese Stimmung konsequent weiter und kippt dabei charmant Richtung Reggae. Plötzlich sitzt man gedanklich mit einem Cocktail am Pool, obwohl man eigentlich nur auf dem Sofa sitzt und vergessen hat, den Müll rauszubringen. Ein leichter Bob Marley Vibe schleicht sich ein und der Song gleitet entspannt zwischen Reggae und sanftem R and B dahin.
Son Little: Diese Stimme sollte gesetzlich geschützt werden
Man muss auch tatsächlich über Son Littles Stimme sprechen. Nein, man muss eigentlich eine kleine Lobeshymne veranstalten. Vielleicht liegt es daran, dass man zu viele mittelmäßige Sänger hört, aber hier singt jemand, der tatsächlich singen kann. Und zwar außergewöhnlich gut. Warm, weich, kontrolliert und gleichzeitig lässig genug, um nie übertrieben oder zu geschniegelt zu wirken.
Let’s Get Involved zeigt das besonders deutlich. Eine akustische Gitarre eröffnet vorsichtig, dann setzt der Gesang ein, begleitet von dezenten Synthies und einem sanften Backgroundchor. Ein Kuschelsong im besten Sinne, ohne peinliche Romantik. Selbst wenn die Songs alle recht reduziert bleiben, trägt diese Stimme das gesamte Album mühelos auf ihren Schultern.
Treppenstufen in die Entschleunigung
Interessant ist, wie sich CITYFOLK entwickelt. Vom vergleichsweise flotten Rabbit bewegt sich das Album Schritt für Schritt in ruhigere Gefilde. Wie Treppenstufen, die tiefer in Son Littles musikalischen Kosmos führen. It’s Yr World erinnert an klassische Singer Songwriter Traditionen, mit Klavier, Folk Einschlag und einem leichten Blues Drive, der entfernt an Jay Buchanans aktuelles “Weapons Of Beauty” denken lässt.
The Valley beginnt zunächst knarzig und soulig rockig, entscheidet sich dann aber doch wieder für die Ballade. Überhaupt liebt Son Little kleine Überraschungen. Plötzlich tauchen Synthies auf, verschwinden wieder, Instrumente blitzen kurz auf wie Gedanken, die man fast vergessen hätte. Wilde Ausbrüche bleiben jedoch aus. Wer nach eskalierenden Gitarrenmomenten sucht, wird hier nicht fündig. Die anfängliche Erwartung, das Album könnte irgendwann explodieren, löst sich stattdessen in entspannter Gelassenheit auf. Das mag kurz irritieren, ist aber letztlich konsequent. Wer tanzen will, kann immer noch die neue Platte “Kiss All The Time. Disco, Occasionally” Harry Styles hören, die kürzlich erschienen ist. CITYFOLK möchte gefühlt lieber entschleunigen als antreiben.
Kleine Überraschungen statt großer Gesten
Paper Children beginnt mit verzerrter Stimme und sorgt damit für einen echten Überraschungsmomente. Das kommt zunächst unerwartet. Doch auch hier findet der Song schnell zurück in Son Littles vertraute Klangwelt und entwickelt sich zu meinem persönlichen Highlight mit subtilen Manu Chao Vibes. Ein klarer Repeat Kandidat.
Das Album zieht seinen ruhigen Stil bis zum letzten Song Breath konsequent durch. Hier gibt es dann zusätzlich noch Meeresrauschen, Schellenkranz und eine sanft elektronische Note. Und so verabschiedet sich Son Little von seinen Hörern nicht mit einem Knall, sondern mit einem leisen Ausatmen.
Fazit: Son Little bleibt ein Geheimtipp, was eigentlich ein Skandal ist. Ja, CITYFOLK ist kein Album für schnelle Dopaminkicks, sondern eher eines, das man sich ins Regal stellt wie guten Wein oder ein Lieblingsbuch. Musik zum Abtauchen, zum Runterkommen und zum gelegentlichen Staunen über kleine Details, die sich erst beim zweiten oder dritten Hören zeigen. Frech ist eigentlich nur, wie mühelos gut diese Platte klingt. (8/10)
Son Little veröffentlichte CITYFOLK am 20. März 2026.
Mehr zum Künstler Son Little findet ihr in den Socials.
Mehr Review findet ihr auf der Website.
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Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.
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