Soundcheck: BOÖTES VOID

Die Band Boötes Void aus Würzburg verkörpert die Essenz des Black Metal in ihrer Musik auf eindrucksvolle Weise. In unserem Interview nehmen sie uns mit auf eine intensive Reise durch ihre einzigartige Sichtweise innerhalb dieses Genres. Dabei werfen wir ein Licht auf die symbolische Bedeutung ihrer Masken und erkunden ihre tiefgründige künstlerische Vision.

Durch eine tiefere Kenntnis ihrer Inspirationsquellen und Antriebe eröffnet sich uns ein faszinierender Einblick in die kreative Welt von Boötes Void.

 

Die Verwendung von Masken auf der Bühne ist faszinierend. Könnt ihr uns mehr darüber erzählen, welches Konzept oder welche Bedeutung dahinter steckt?

Gute Einstiegsfrage. Konzept? Grundlegend muss man dazu eigentlich etwas weiter in der Bandgeschichte ausholen. Das Projekt Boötes Void war ursprünglich mit einem anderen Konzept geplant, bei dem es aber auch um Kostümierung auf der Bühne hätte gehen sollen. Um es nicht zu weit auszubreiten, daraus wurde (zum Glück im Nachhinein, obwohl es interessant war) endgültig nichts. Da man sich entschied, mit anderen Musikern und anders weiterzumachen, hat es sich am Ende daraus ergeben. Die Idee für Bühnenoutfits stand ja schon und da die ersten beiden Scheiben sehr naturverbunden und okkult sind, ist dies im Prinzip die optische Umsetzung dazu. Angefangen haben wir aber auch deutlich vor dem, wo wir heute stehen. Mein Ziegenschädel stand von Anfang an, um den okkulten Aspekt zu repräsentieren, weil es einfach so eine gute Idee war. Der Rest der Band hatte zu Beginn nur einen schwarzen Morphsuit zu den einheitlichen Gewandungen an. Da dies jedoch nie zufriedenstellend war und unser Lead Gitarrist einfach der vielleicht kreativste Mensch, den ich kenne ist, wurde hier stetig daran weitergearbeitet. Bis heute verändern oder verbessern sich die Masken auch nach wie vor. Hier geht es natürlich auch viel um eine leichte Praxisumsetzung, aber auch über die überarbeitete optische Gestaltung. Der Stil ist aber im Prinzip immer gleich geblieben. Aktuell basteln Gitarrist und Drummer auch schon wieder an deren Masken rum und es bleibt spannend, wohin die Reise geht. Auch ich bekomme aktuell von einem guten Freund ein neues Outfit geschneidert, was die Live Rituale nur noch besser zur Geltung bringen wird.

 

 

 

Black Metal ist bekannt für seine Vielseitigkeit. Wie würdet ihr euren speziellen Stil oder Ansatz innerhalb des Black Metals beschreiben?

Black Metal hat sich sehr verändert und weiterentwickelt. Unser spezieller Stil? Das ist eine gute Frage, aber wir würden es wahrscheinlich einfach auf atmosphärischen Black Metal festlegen. In diesen Zeiten, wo jeder versucht, durch eine möglichst neue oder aufwendige Definition des Stils aus der Masse zu stechen, ist eher nicht unser Ding. Ich mein gut, die Zeiten in denen sich jede moderne Black Metal Band noch ein “Post” oder “Avantgarde “ in die Beschreibung nimmt, sind zum Glück vorbei, aber ich denke daran hat man ganz gut gesehen, wie inhaltslos und unwichtig das ist. Einen Stil sollten eigentlich auch eher die Zuhörer und Fans definieren, als wir als Band selbst. Natürlich machen wir Black Metal und gehören auch zur Szene, aber man muss auch nicht alles tot definieren.

 

Wie erlebt ihr die aktuelle Black Metal-Szene und wie denkt ihr, dass sich eure Musik in dieses Gefüge einfügt?

Wie schon in der Frage zuvor angeschnitten, ist es ja kein Geheimnis, dass Black Metal sich seit seiner Entstehung sehr verändert und entwickelt hat. Aber das ist auch gut so. Ich glaube, es gibt kaum ein Metal Genre, das so viele Subgenres geöffnet hat wie Black Metal. Und das macht ihn einfach sehr facettenreich. Ich meine, ich glaube nicht, dass es irgendwen gibt, der auch alle diese Subgenres toll findet und abfeiert, aber diese Vielfalt hat sicher in der musikalischen Entwicklung und Entstehung neuer Bands viele neue Möglichkeiten sich auszuleben. Und darum geht es ja in der Kunst und Musik. Dass man seine Emotionen akustisch umsetzen kann. Und gerade Black Metal ist für mich auf jeden Fall die emotionsreichste Musik, die je erfunden wurde und was mich auch daran fasziniert. Natürlich gibt es in der Szene immer wieder Meinungen, die das Gegenteil behaupten und sagen, dass dies alles unnötig sei und niemand es braucht. Doch ich betrachte solche Ansichten als oberflächlich und eher als Gewohnheiten der Hörer.

Wie erlebt man, davon abgesehen, die Szene dementsprechend aktuell? Im Wandel würde ich sagen. Sachen die noch vor 10 Jahren kritisiert wurden, sind inzwischen salonfähig und völlig akzeptiert, sodass es auch niemand mehr infrage stellt. Was auf lange Sicht, auch das Beste ist. Natürlich ist das Thema Politik im Black Metal gegenwärtig und hat in der Szene sicherlich stark an Bedeutung gewonnen. Doch meiner Meinung nach ist dies eher eine Reaktion einzelner Mitglieder der Szene als eine direkte Folge der ursprünglichen Ideologie. Aber ich will auch gar nicht zu sehr auf das Problem der Politisierung im Black Metal eingehen, da wir als Band schon viel zu oft damit konfrontiert wurden und es einfach leid sind, immer wieder dieselben Darstellungen zur Thematik aufsagen müssen. ES NERVT EINFACH NUR!!! Und ich denke auch, dass dies eher aufgrund der politischen Lage Europas eine Zeiterscheinung bleiben wird, die mal stärker, mal schwächer ist. Doch davon abgesehen und damit kommen wir auch zum zweiten Teil deiner Frage, ist Black Metal dann schon noch in den alten Entstehungsgedanken vertreten. Selbstzerstörung, Misanthropie, Tod, Depression und alle schweren und negativen Emotionen beleben einfach die Idee des Black Metals. Dies ist in der Menschheit aber auch ein zeitloses Thema und stellt für mich damit den Kern des Genres dar. Und hier fügen wir uns dann auch ein. All diese Thematiken und noch einige mehr, wie Naturmächte und Unerklärliches/Okkultes führen, egal in welcher musikalischen Ausführung zum selben Nenner, den aber jeder nur für sich selbst ausmachen kann, bei der Materie. Und wenn man dies dann alles auch noch sehr atmosphärisch wie bei uns aufarbeitet, kann man darin auch voll aufgehen oder Leute aufgehen sehen. Dies wäre unsere Einfügung in den Stil und die Szene, aber vielleicht sind wir auch gar nicht eingefügt, sondern wie viele andere einfach nur Teil davon, der sie am Leben hält.

 

Welche tiefgehenden Einflüsse aus Kunst, Literatur oder anderen Bereichen fließen in eure kreative Arbeit ein?

Schwierige Frage. Ich glaube nicht, dass sich das so einfach einstufen lässt, aber mit unserem letzten Album hatte sich das Songwriting ehe noch einmal verändert und damit kamen einfach noch mehr Einflüsse dazu. Es sind auch einfach viele private Einflüsse aus dem Leben jedes einzelnen Musikers zu gewissen Themen oder Ideen. Aber da sich bei uns eigentlich jeder austoben kann, können auch Songs entstehen, die einfach sehr persönlich sind und aus Erlebnissen, Geschehnissen oder Emotionen eines Bandmitglieds entstehen. So haben wir z.B. mit Singularity schon gemeinsam einen Rahmen festgelegt, welches Konzept hinter der Scheibe stehen soll, aber es hat sich jeder einfach auch separat Gedanken dazu gemacht und frei aus Bauch herausgefeuert. Hier ist es dann eben auch nicht festgelegt, ob jemand von seinen eigenen Erfahrungen und Gefühlen, die er in der Natur spürt, so berichtet, wie es ihm vorkommt, oder ob es um andere Themen geht. Am Ende entscheiden dann im Prinzip aber trotzdem alle, was davon genommen wird, oder man setzt sich zusammen, dass man es gemeinsam passender umschreiben kann oder findet sonst eine Möglichkeit. Es ist aber nicht so, dass wir speziell und gezielt nach Einflüssen suchen, da ja alles aus “Uns” kommen soll. Für die Kunst der optischen Darstellung, egal ob Bühne, Artwork oder Shirtdesign, lässt sich jeder einfach inspirieren und wenn dann wer eine Idee hat oder etwas entdeckt, sehen wir gemeinsam, wie wir es für die Musik zusammentragen und umsetzen können. Bezüglich literarischer Einflüsse kann ich nur sagen, dass jeder individuell von verschiedenen Quellen beeinflusst wird. Aber gezielt muss man hier natürlich das Beispiel von Friedrich Nietzsche bringen, welcher auf “Singulatrity” stark mit eingeflossen ist. Obwohl Nietzsche im Black Metal häufig als Mainstream-Favorit gilt und oft zitiert wird, hat sich diese Verbindung eher ergeben. Es hat einfach gepasst und so kam es dazu. Ansonsten sind es eben die genannten Einflüsse und natürlich (und das kann kein Musiker abstreiten) die Musik, die man hört. Egal ob ganz bewusst oder durch einen random Zufall. Wenn die Muse einen küsst, ist der Bereich, aus dem sie kam, eher nebensächlich, dann ist nur die Umsetzung entscheidend.

 

Haben politische oder gesellschaftliche Ereignisse Einfluss auf eure musikalische Ausdrucksweise?

Nun gut, dies wurde ja auch schon angeschnitten, aber wir gehen noch einmal gezielt darauf ein. Bei Politik kann man es kurz halten. Die hat in unserer Musik nichts zu suchen. Aller Einfluss, der von ihr kommt, ist der Aspekt der Misanthropie, die daraus resultiert, wenn man Politiker die Welt, durch Korruption, Eigeninteressen, Verantwortungslosigkeit oder sonst etwas zugrunde richten sieht. Dies ist aber nur ein Beispiel dafür und die Auswirkungen auf die Gesellschaft, die daraus resultieren. Wir haben einfach genug von den üblichen politischen Diskussionen und möchten uns musikalisch nicht damit beschäftigen. In der Kunst geht es für uns eher um eine spirituelle Ebene als um weltliche Angelegenheiten. Sicherlich gibt es Einflüsse von beidem, da wir ständig damit konfrontiert werden, aber unsere Musik existiert abseits der Tagesschau.

 

Was erhofft ihr euch, dass eure Hörer allgemein aus eurer Musik mitnehmen und wie hofft ihr, dass sie auf eure allgemeine künstlerische Vision reagieren?

Primitiv gesagt nicht viel. Musik ist frei und entweder sie gefällt jemandem, oder eben nicht. Es gibt kein Ideal, das wir bei einem Zuhörer auslösen müssen. Das gilt sowohl für die Musik, als auch für die Show. Natürlich freuen wir uns, wenn wir gut ankommen beim Hörer und ihm unsere Visionen von allem schmackhaft nahebringen konnten, aber das ist ja auch sehr individuell, da Kunst immer Auslegungssache und im Auge des Betrachters liegt. Wenn wir jemanden mit unserer Musik und unseren Emotionen erreichen können, ist das immer großartig und ein Genuss, dies zu teilen. Aber eben auch hier ist es auch wieder die Auslegung des Hörers. Vielleicht verstehe er die Emotionen ja auch anders, findet es aber trotzdem gut durch seine Auslebung davon, aber dahinter steht keine Hoffnung von uns, dass es zu 100 % so aufgenommen wird, wie wir es beim Schreiben gemeint haben. Wenn dann noch jemand zu uns sagt, dass er von den Texten sehr berührt war, oder ihm die Musik durch eine schwere Zeit geholfen hat, weil er in ihr Bestätigung oder eine neue Stärke entdeckt hat, ist das wohl der höchste Ritterschlag, den man erhalten kann. Das kann man aber nicht erwarten und ich hoffe, dass nicht allzu viele Menschen schlechte Zeiten durchleben müssen. Deshalb hoffen wir aber auch nicht darauf, sondern freuen uns, wenn es ohne diese Hoffnung oder Erwartung von ganz alleine passiert. Deshalb würde ich sagen, wir stehen mit der Musik eher therapeutisch unterstützend da, als dass wir eine Heilung preisen.

 

Abschließend, wie seht ihr die allgemeine Entwicklung eurer Musik und eurer künstlerischen Identität in der Zukunft?

Das weiß nicht einmal der liebe Gott. Die Entwicklung wird immer weitergehen und wir uns immer noch mehr Mühe geben, in dem, was wir tun besser zu werden und die Umsetzung immer näher an die eigenen Ideen zu treiben, dass man noch erfüllter davon ist. Mit dem ersten Album dachten wir eigentlich damals, wir hätten unseren musikalischen Pfad gefunden und würden dort erst einmal bleiben, aber siehe da, kurze Zeit danach, hat sich dann doch schon wieder direkt einiges weiterentwickelt. Mit “Singularity” sind wir an dem Punkt jedoch erst so wirklich angekommen und haben es gesetzt. Mit diesem Fundament werden wir weiterarbeiten, dennoch wird man immer wieder neue Ideen zu hören bekommen. Das Gleiche gilt für die Bühne und alles andere. Wir haben unsere Vision, man muss jedoch immer daran weiterarbeiten, um sie irgendwann möglichst gut zu erreichen und hoffentlich auch möglichst viele Menschen damit zu erreichen. Hier ist es dann einerseits das Streben nach Perfektion, streben nach der Vision, neue Ideen umzusetzen, eine Szene mit am Laufen zu halten und sich selbst in seiner Kreativität auszuleben. Das ist der Funke, der das Feuer am Lodern hält. Die eigene Identität entsteht auch genau daraus und deshalb muss man sich darüber keine Gedanken machen, denn so lange man mit dem, was man schafft, zufrieden ist, wird dies die Identität der Band bleiben. Aber auch hier sehen wir uns inzwischen als vorerst gelevelt an.

 

Lest den Album “Singularity”-Review by Marcus.

 

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