Chicago Lane: Hintergründe, Social Media und Songwriting

Chicago Lane, bestehend aus David Island (Gesang), Marlon Farrell (Gitarre), Nic Adrian (Bass) und Paul Pioch (Schlagzeug), veröffentlichten am 17. Mai ihre EP „Parental Advisory“ und traten 2024 beim Paddy Rock Openair auf. In unserem Interview geben wir Einblicke in die Entstehung ihres Bandnamens, ihre kreativen Social-Media-Strategien und ihren Ansatz beim Songwriting.

 

Geht doch mal der Reihe nach durch, welche Instrumente ihr spielt. Nic, du spielst?

Nic: Ich bin der Bassist, also für die tiefen Töne zuständig. Zusammen mit Paul bilde ich die Rhythmusgruppe.

Marlon, du spielst Gitarre, und Dave ist der Sänger, richtig?

Marlon: Genau.

Ihr habt euch quasi kurz vor Corona gegründet. Wie lief das dann ab, als ihr euch gerade gefunden hattet und dann plötzlich das große Stoppschild durch die Pandemie kam?

Wir haben am 20. Februar noch ein Fotoshooting gemacht, da entstand unser erstes Bandfoto. Zwei, drei Wochen später kam dann der Lockdown. Anfangs ging es mehr oder weniger in Eigenarbeit weiter. Jeder hat zu Hause so viel wie möglich gemacht, ob Songwriting oder anderes. Wir haben dann auch über Teams und andere Plattformen kommuniziert, die in der Zeit groß geworden sind. Relativ schnell haben wir dann auch eine GbR gegründet, damit wir uns geschäftlich im Proberaum treffen konnten. Das war nämlich erlaubt. Also konnten wir uns bald wiedersehen, wenn auch mit Maske und unter den geltenden Regeln. Das war so die Anfangszeit, und wir haben das Beste draus gemacht.

Wie habt ihr das erlebt?

Wir haben uns von Anfang an vorgenommen, uns nicht unterkriegen zu lassen. Im Nachhinein sehen wir es sogar als Vorteil. Jede neu formierte Band braucht eine Findungsphase, und wir konnten diese hinter verschlossenen Türen durchlaufen, anstatt auf der Bühne. So hatten wir genug Zeit, uns zu finden, bevor wir nach draußen getreten sind. Diesen Luxus haben andere Bands oft nicht, weil sonst alles so schnell geht. Alles, was wir also bisher veröffentlicht haben, sind Sachen, hinter denen wir auch voll und ganz stehen.

Ihr habt gerade Proben erwähnt, und ihr kommt aus Hannover. Seid ihr also immer noch eine Band, die sich regelmäßig zum Proben trifft?

Definitiv. Um unser aktuelles Live-Set vorzubereiten, gerade im Hinblick auf die Release-Party, die im Mai stattgefunden hat, haben wir uns tatsächlich seit Januar fast jedes Wochenende getroffen und ohne Ende Content produziert. Wir haben das Set rauf und runter geprobt und überlegt, ob wir noch etwas ändern können. Da sind wir schon ein bisschen stolz, dass wir diese Disziplin auch als Anfänger an den Tag legen konnten. Es ist natürlich immer viel Arbeit, aber für uns ist die Probe sozusagen die heilige Messe jeden Sonntag. Aktuell haben wir gerade mal drei Wochen Pause, die gönnen wir uns jetzt, aber dann geht es wieder richtig los. Was uns als Band auch so stark macht, ist, dass man sich aufeinander verlassen kann. Jeder ist zuverlässig und hält die Zeiten ein. Es ist nicht so, dass einer ständig zu spät kommt oder so. Das ist wirklich wichtig, wenn man vorankommen will. Man muss sich auf die anderen verlassen können, und das ist bei uns einfach mega cool.

Kommen wir mal zum Songwriting. Wer schreibt bei euch die Songs, und wie läuft das ab? Kommt jemand mit einem Riff oder einem Vers in den Proberaum?

Marlon: Die Reihenfolge kann unterschiedlich sein. Manchmal fängt es mit einem Gitarrenriff von mir an oder mit etwas, das Paul beisteuert. Paul hat gerne die Methode des a cappella Jams, bei der er eine Melodie oder Line ins Handy summt. Dann starten wir mit diesem Ausgangspunkt und bauen weiter darauf auf. Zuerst arbeiten wir oft an der Gitarre, dann kommt der Bass dazu, gefolgt vom Gesang oder Schlagzeug – je nachdem, wie es gerade passt. Ein Beispiel ist der Song „Lick It“, bei dem eine prägnante Bassline den Anfang bildet. Meistens geht es dann in Daves Home-Studio, wo die Idee weiterentwickelt, umgebaut und finalisiert wird. Das hat sich als sehr effektiv erwiesen. Während der Corona-Zeit haben wir so gearbeitet, indem wir einzelne Tonspuren hin und her geschickt haben, was sich als gute Arbeitsmethode etabliert hat. Auch heute nutzen wir diese Technik, weil wir immer noch teilweise räumlich getrennt arbeiten.

Ihr habt echt viele gute Ideen. Kommen die alle von euch selbst? Habt ihr ein Label, ein Management oder einen Bandcoach, oder sind das wirklich eure eigenen Ideen? Wenn man sich eure Reels ansieht und sich mit euch beschäftigt, merkt man, dass ihr viel Herzblut und Leidenschaft reinsteckt. Zum Beispiel habt ihr für „Lick It“ Promo gemacht, indem ihr einfach auf die Straße gegangen seid und Leute angesprochen habt.

Ja, genau. Wir haben einfach die Gitarre umgeschnallt, sind durch die Stadt gezogen und haben Leute angesprochen. Es war eine ziemlich coole Aktion, auch wenn es Überwindung gekostet hat. Man muss da schon ein bisschen aus seiner Komfortzone rausgehen.

Hat es tatsächlich Überwindung gekostet? Ist das eine andere Erfahrung als das Spielen auf der Bühne?

Auf jeden Fall. Die Bühne ist eher eine Komfortzone, weil man dort zu viert ist und auf seine Jungs vertraut. Man weiß, dass es Spaß machen wird. Aber wenn man zu zweit durch die Stadt geht und nicht diesen Schutz hat, das ist schon eine andere Nummer. Es hat wirklich Überwindung gekostet. Aber am Ende war es echt cool. Die Leute waren offen, fanden es lustig und wollten mitmachen. Das hat uns die Perspektive auf solche Aktionen verändert und gezeigt, dass es echt Spaß machen kann.

Gibt es auch kritische Stimmen, die eure Aktionen oder euren Stil nicht so toll finden? Wie geht ihr damit um?

Klar, es gibt immer Kommentare, die kritisch oder sogar negativ sind. Unter jedem Video finden sich solche Stimmen. Wir nehmen das mit Humor, setzen uns zusammen und lachen darüber. Wichtig ist, dass man nicht in Online-Battles verwickelt wird. Wir reagieren in der Regel entspannt und entschärfend auf solche Kommentare. Zum Beispiel, wenn jemand sagt, “Was hat der für ein komisches Outfit an?”, nehmen wir das nicht ernst und machen einfach weiter.

Ihr seid jetzt demnächst beim Paddy Rock Openair 2024. Wie seid ihr da gelandet?

Wir haben als Vorband für Extrabreit gespielt und sind da cool ins Gespräch gekommen. Die fanden unseren Auftritt super und meinten, dass wir gut ins Line-up für das Paddy Rock Openair passen würden. Auch andere große Namen aus der Szene, wie Udo Dirkschneider von Accept, sind dabei. Da haben wir natürlich nicht Nein gesagt.

Ich stelle diese Frage normalerweise nicht, weil sie oft als Standardfrage gilt. Aber da wir uns noch nicht gut kennen und gerade einander näherkommen, möchte ich sie doch stellen: Woher kommt eigentlich der Name Chicago Lane?

Das ist eine interessante Geschichte. Der Name stammt von einer Straße, die beim Messegelände Expo 2000 in Hannover angelegt wurde. Es hieß ursprünglich, dass es einen amerikanischen Pavillon geben würde, aber letztlich wurde der nicht gebaut. Die Straße blieb jedoch bestehen. Marlon ist irgendwann zufällig oder weniger zufällig mit dem Fahrrad dort entlanggefahren und hat eine Bushaltestelle entdeckt, die „Chicago Lane“ hieß. Das fand er ziemlich cool und hat es per WhatsApp in die Runde geschickt. Wir fanden den Namen sofort richtig gut, da das Messegelände nicht weit von unserem Proberaum entfernt ist und „Chicago Lane“ für uns symbolisch für ein „Tor zur Welt“ steht. Zudem passt der Name gut zu unserem amerikanisch beeinflussten Musikstil, der seine Wurzeln im Los Angeles Sunset Strip der 80er Jahre hat, mit Bands wie Van Halen und Mötley Crüe.

 

Weitere Infos zur Band Chicago Lane findet ihr in den Socials.

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