UNTAMED- „My Scars“ (Review)

verfasst von Sebastian Radu Groß

Kennt ihr das? Man hört eine Band und ist direkt fasziniert, obwohl die Zutaten eigentlich nichts Neues sind. Allerdings ist es gerade das Herzblut, die knackigen Riffs und die Ohrwurmrefrains, die großen Spaß machen. Wenn dann noch emotionale Texte und Live Gigs mit der Durchschlagskraft einer Abrissbirne hinzukommen, klingt das nach einer sehr guten Band. Dieses Jahr haben mich UNTAMED völlig unvorbereitet erwischt, als ich ihr Debütalbum auf den Tisch bekam. Nun legen sie fleißig mit einigen Singles nach und beweisen ein besonderes Gespür für Melodien und Emotionen, die jeder von uns nur allzu gut kennt.

Mit ihrer neuen Single „My Scars“ schraubt man den Härtegrad eine Stufe höher und beweist, dass man einerseits wandelbar sein kann, sich aber gleichzeitig nicht all zu weit von seinen Merkmalen entfernen muss, um authentisch zu sein. Der Song stampft mit wuchtigen Sabbath Riffs durch die Boxen, ehe Domis Vocals erfrischend dreckig den Song durchpflügen. „My Scars“ ist definitiv kein Gute – Laune Song zum Träumen, sondern streckt den Mittelfinger gegen alles, was uns zu zerstören droht. Wir kennen alle zerstörten Beziehungen und toxische Menschen, die uns zu schaffen machen. Auch wenn man hier eigentlich „nur“ eine Enttäuschung und daraus erwachsende Wut vertont hat, die man in einer Liebesbeziehung deutlich kennt, kann man so schön mehr rein interpretieren. Textlich und musikalisch ist es ein Befreiungsschlag gegen (zu lange) unterdrückte Emotionen, sichergeglaubte Erwartungshaltungen oder Schubladendenken, sowie gescheiterte Beziehungen.

UNTAMED geben sich hier erwachsener, härter und gleichzeitig weiterhin charismatisch, ohne den Ohrwurmcharakter aus den Augen zu lassen. Weiterentwicklung ist selten bequem, ebenso wenig wie eine Abrechnung mit alten Zeiten, die zerstören und gleichzeitig formen. Der Schmerz will herausgeschrien werden und spätestens beim Refrain von „My Scars“ dürften die Jungs sehr viel Unterstützung bei dieser Live- Granate bekommen. Fies auf Platte, live definitiv ein weiterer Abriss der Rocking Raw Rebellen.

Expect the unexpected, man weiß nie, was UNTAMED als nächstes anstellen. Genau das ist es, was für mich eine gute Band ausmacht und immer mein Interesse frisch hält, wenn neue Songs meine Synapsen durchfluten. Musik ist so vielschichtig, wie unsere Emotionen, und deshalb haben sich die Jungs in sehr kurzer Zeit in mein Herz gespielt.

Kleiner Tipp noch, um „My Scars“ optimal zu genießen: stellt den Lautstärkeregler auf 11 (Spinal Tap lassen grüßen) und freut euch auf diesen wuchtigen Nackenbrecher, der euch auch nach mehren Durchläufen mit einem Dauergrinsen zurücklassen wird.

Weitere Artikel zur Band Unatmed findet ihr auf der Website.

Untamed 2023: Eine Rock’n’Roll Odyssee von der ersten Single bis zum neuesten Album (Interview)

5 Minuten mit UNTAMED

Soundcheck: UNTAMED 

 

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