Solo statt Team

Soundcheck mit Mia

Wenn Künstler nur ihr Ego feiern, bleibt Loyalität auf der Strecke. Ein paar Gedanken über Promoter, Ignoranz und Solo-Projekte.

Text: Mia Lada-Klein

  • Musiker lieben ihr Ego oft mehr als Teamwork
  • Solo-Projekte statt Dankbarkeit für Support
  • Promoter investieren Zeit, Geld und Energie

Ach, die wundersame Welt der Musikbranche. Da investierst du Herz, Hirn, Schweiß und ein paar Tausend Euro, öffnest Türen, die sonst nur VIPs kennen, und plötzlich… passiert das Unfassbare: Dein Künstler, der Sänger deiner Band, schaut dich mit diesen großen Augen an und sagt: „Hey, ich hab da noch ein Projekt. Ganz alleine.“

Moment! Allein? Nebenbei? Ohne auch nur ein winziges „Danke“ oder ein Follower-Häkchen zurückzugeben? Du folgst nicht mal deiner eigenen Band? Der Band, die dir überhaupt erst die Bühne für deine TikTok-Tanzvideos gebaut hat? Und dann ignoriert er plötzlich alle, als wäre jeder ein unbequemer Plastik-Weihnachtsmann eines ausverkauften Outlets. Bravo, Standing Ovation für diesen Ego-Trip!

Willkommen in der Realität, liebe Leute. Willkommen im wahren Showbiz und das fernab von Instagram-Reels und Hochglanzmagazinen, wo jeder denkt, Künstler seien ständig erleuchtet und gleichzeitig verletzlich wie ein Regenbogen im Frühling.

Die Illusion von Dankbarkeit

Als Promoterin lernst du schnell: Dankbarkeit ist ein seltenes Tier. Manchmal sitzt sie still in der Ecke, manchmal fliegt sie einfach davon, wenn du es am wenigsten erwartest. Du öffnest Türen, schreibst Pressetexte, arrangierst Interviews, bringst die Band in Magazine und auf Festivals und dann passiert Folgendes: Dein Künstler entdeckt ein anderes Spielzeug namens „Solo-Projekt“.

Und hier kommt die bittere Pointe: Diese Art von Verhalten ist so häufig, dass man fast schon ein Buch darüber schreiben könnte: „Wie man Menschen fördert, die dich im Regen stehen lassen.“ Spoiler: Es endet selten mit einem Regenbogen.

Das Pop-Syndrom

Es gibt ein Muster. Musiker, besonders Sänger, lieben es, ihre eigene Vision für wichtiger zu halten als alles andere. Die Band? Nebensache. Die Menschen, die sie unterstützt haben? Noch weniger relevant. Solange das Ego glitzert und die Klickzahlen stimmen, kann der Rest warten, oder besser: ignoriert werden.

Manchmal fühlt es sich an, als würden Künstler einen unsichtbaren Vertrag unterschreiben: „Ich darf alles, was ich will, solange ich kreativ wirke.“ Dass dieser Vertrag niemandem nützt außer ihnen selbst, ist offensichtlich. Aber das verstehen sie erst, wenn sie plötzlich allein in einem leeren Club stehen und merken, dass selbst die besten Kontakte nicht mehr klingeln.

Die bittere Lektion

Was ich gelernt habe: Es ist nicht nur enttäuschend, es ist eine Lektion. Ich habe Geld investiert, Zeit investiert, Energie investiert und was habe ich bekommen? Ignoranz. Undankbarkeit. Die waren wohl im Ausverkauf.

Aber wisst ihr was? Das ist kein Drama. Das ist Realität. In dieser Branche überleben nur die, die ihre eigenen Grenzen kennen, die sich selbst nicht ausbeuten lassen und die den Unterschied zwischen echtem Talent und überschätztem Ego erkennen.

Die Satire des Lebens

Ironischerweise steckt darin ein bisschen Comedy. Man könnte eine Sitcom draus machen: „Die Promoterin, die dachte, sie arbeitet für eine Band, die eigentlich nur für sich selbst arbeitet.“

Szene 1: Du buchst ein Magazininterview.
Szene 2: Der Sänger kündigt ein Solo-Projekt an.
Szene 3: Du verlässt das Büro.

Und schwupps, bist du vom Radar verschwunden. Warum auch nur ein Like oder ein „Hey, alles gut?“ zurückgeben? Vielleicht wartet man ja darauf, dass das Gegenüber noch mehr hypt und hinterherkriecht. Klar könnte auch ich das tun, denn schließlich habe ich ja noch nicht genug getan und noch kein halbes Monatsgehalt einer mittelständischen Firma in die Band gesteckt. Da fehlt eindeutig noch die finale Opfergabe am Altar des Sänger-Egos!

Ja, das Leben ist manchmal absurd. Aber das ist die Pointe: Wer nur auf sein Ego achtet, merkt oft etwas zu spät, dass Loyalität und echte Arbeit nicht käuflich sind. Ich wünsche viel Kraft bei dieser zukünftigen Erkenntnis.

Fazit für alle da draußen

Liebe Künstler, denkt daran: Menschen, die euch aufbauen, verdienen Respekt. Menschen, die euch Türen öffnen, verdienen Dankbarkeit. Menschen, die investiert haben, verdienen zumindest keine Ignoranz. Ignoranz ist keine kreative Freiheit. Sie ist schlichtweg… unreif.

Und für alle Promoterinnen und Promoter da draußen: Lernt daraus, zieht die Linie, sagt „Nein“ und geht weiter. Denn die Welt ist groß, Bands gibt es viele und manche Künstler sind einfach… nicht für Zusammenarbeit gemacht.

UND: Vorsicht, liebe Leser und Zuschauer: Hinter jedem Glitzer auf der Bühne kann ein egoistisches Monster lauern. Und manchmal ist das alles hübsch verpackt, in ein Metal-, Rock- oder Pop-Projekt.

@miasraum

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Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.


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