Soundcheck Sessions mit Mia (Interview)
Interview: Mia Lada-Klein
Manuel Hinmüller ist Moderator, Entertainer, Kleindarsteller, Radiomoderator, Synchronsprecher und Podcaster. Klingt nach einem wilden Sammelsurium, folgt aber einem klaren Prinzip. Alles dreht sich um Entertainment. Der Weg dorthin war allerdings kein glatt polierter Laufsteg, sondern geprägt von Umwegen, schlaflosen Nächten, Disziplin und sehr viel Arbeit statt leerer Durchhalteparolen.
Im Interview erzählt Manuel Hinmüller von seinem Weg aus der Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker hinein in Studios, auf Bühnen und ans Mikrofon. Es geht auch um Social Media und die Frage, ob Sichtbarkeit heute einfacher oder komplizierter geworden ist. Außerdem spricht er über den Stellenwert von Radio in einer schnelllebigen Medienwelt, über Veränderungen im Medium, seine persönliche Vorbereitung und über Dinge, die bei einer guten Moderation für ihn absolut tabu sind.
Manuel Hinmüller: Wie fing sein Karriereweg an?
Manu, man kennt dich heute als Moderator, Entertainer, Kleindarsteller, Radiomoderator und Podcaster. Der Titel Autor steht auch immer wieder im Raum. Wie nah bist du diesem Punkt wirklich?
Manuel Hinmüller: Ganz ehrlich: Autor steht noch auf der To-do-Liste. Das ist ein Projekt, das ich mir fest für das nächste Jahr vorgenommen habe. Geschrieben wird also schon lange, nur veröffentlicht eben noch nicht.
Der Wunsch, auf die Bühne zu gehen oder vor der Kamera zu stehen, war bei dir aber schon sehr früh da, oder?
Manuel Hinmüller: Ja, absolut. Für mich war eigentlich immer klar, dass ich etwas mit Bühne, Mikrofon oder Kamera machen will. Sobald irgendwo eine Bühne war, hatte ich Spaß daran. Meine Eltern haben früher immer gesagt, ich wäre der nächste Dieter Thomas Heck, weil ich so schnell geredet habe. Damals konnte ich mit dem Namen noch gar nichts anfangen, aber es zeigt ganz gut, dass dieses Bedürfnis, aufzutreten und zu sprechen, schon sehr früh da war.
Trotzdem bist du diesen Weg nicht sofort gegangen. Warum?
Manuel Hinmüller: Nach der zehnten Klasse stand natürlich die Berufsentscheidung an und mein Wunsch war klar: Moderator oder Schauspieler. Gleichzeitig war ich damals jemand, der es allen recht machen wollte. Wenn neun Leute gesagt haben, du hast Talent und eine Person hat gezweifelt, habe ich mich auf diese eine Stimme konzentriert. Ich war einfach noch nicht so weit, diesen Weg wirklich selbstbewusst zu gehen. Rückblickend bin ich sogar froh darüber.
Stattdessen hast du eine Ausbildung im Maschinenbau gemacht. Wie hat sich das angefühlt?
Manuel Hinmüller: Ich habe eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker gemacht und sie auch durchgezogen. Aber dieser Wunsch nach Bühne und Medien war immer da. Es gab Nächte, in denen ich wach lag und mir vorgestellt habe, wie es wäre, wenn am nächsten Tag ein Studio oder eine Bühne auf mich wartet. Spätestens zur Zwischenprüfung habe ich gemerkt: Hinter der Maschine gehe ich ein. Mir ist sprichwörtlich die Decke auf den Kopf gefallen.
Was war der Wendepunkt?
Manuel Hinmüller: Ich habe gemerkt, dass ich nur noch funktioniere. Für alle anderen, aber nicht mehr für mich. Irgendwann habe ich die Reißleine gezogen, meinen Rucksack gepackt und bin allein mit dem Flixbus nach Barcelona gefahren. Viele haben das belächelt oder als peinlich bezeichnet. Aber es gab genauso Menschen, die gesagt haben: Das ist mutig, zieh dein Ding durch. Diese Stimmen haben viel mit mir gemacht.
Und diese Reise hat dir Klarheit gebracht?
Manuel Hinmüller: Definitiv. Auf der Rückfahrt, allein im Bus, hatte ich Zeit zum Nachdenken. Mir wurde klar: Es wird immer Menschen geben, die feiern, was du machst, und genauso welche, die nichts damit anfangen können. Und das ist okay. Für mich kristallisierte sich heraus, dass Moderation besser zu mir passt als Schauspiel, weil mir das Reden vor Menschen einfach mehr liegt.
Wie bist du dann konkret in die Medienbranche eingestiegen?
Manuel Hinmüller: Ich habe meine Ausbildung beendet, aber parallel angefangen, kleine Projekte umzusetzen. Unter anderem habe ich einen Blog gestartet und bin durch Bayern gereist, um zu schreiben und reinzuschnuppern. Ich hatte keinerlei Kontakte zu Radio, Fernsehen oder Journalismus, alles war Neuland. Danach bin ich zur Deutschen Pop in München gegangen, um Sprecher und Synchronsprecher zu lernen.
Das klingt nach einem großen Risiko.
Manuel Hinmüller: War es auch. Ich habe meinen Job im Maschinenbau gekündigt und nebenbei in einem Freizeitpark gearbeitet, damit ich mir die Schule leisten konnte und dienstags frei hatte. Ich war Anfang 20 und musste trotzdem meinen Lebensunterhalt sichern. Parallel habe ich eben die Synchronsprecher-Ausbildung gemacht, die ja auch Geld gekostet hat und mich aber schon bei Radiosendern beworben.
Dein Einstieg ins Radio war also eher Learning by Doing?
Manuel Hinmüller: Total. Beim ersten Lokalsender gab es kein klassisches Volontariat, keine Ausbilder. Ich musste mir alles selbst beibringen. Ich bin nach Sendungen noch quer durch Deutschland zu Seminaren gefahren, habe Nächte durchgeübt, meine eigenen Sendungen analysiert, Bücher gelesen, Videos geschaut. Manchmal bin ich um vier Uhr morgens ins Bett und um sieben wieder aufgestanden, um weiterzumachen.
Was hat dich in dieser Phase angetrieben?
Manuel Hinmüller: Leidenschaft und Ehrgeiz. Es war oft hart und ich bin an meine Grenzen gekommen, aber es war mir wichtig, Fuß zu fassen. Irgendwann kamen weitere Sender, Zeitung, Regionalfernsehen und später auch die Veranstaltungsmoderation dazu.
Wann kam der Schritt in die Selbstständigkeit?
Manuel Hinmüller: Als die Aufträge immer mehr wurden und sich alles nicht mehr sinnvoll kombinieren ließ. Wenn du tagsüber in der Redaktion sitzt und nachts moderierst oder Texte vorbereitest, hältst du das nicht ewig durch. Die Selbstständigkeit war der logische Schritt.
Bereust du diesen Weg heute?
Manuel Hinmüller: Kein bisschen. Es gab viele Hürden und schlaflose Nächte, aber wenn ich auf die letzten sechs Jahre zurückblicke, war es das absolut wert. Ich stehe heute genau da, wo ich mir gewünscht habe zu stehen. Ich bin noch nicht am Ende meiner Reise, aber ein großes Ziel habe ich erreicht.
Manuel Hinmüller über Anspruch, Vorbereitung und Verantwortung vor Publikum
In deiner Geschichte fällt ein Punkt besonders auf. Viele sprechen davon, an sich zu glauben. Bei dir klingt das aber deutlich bodenständiger: an sich glauben ja, aber auch ordentlich ackern.
Manuel Hinmüller: Ja, weil dieses „Glaub an dich selbst“ oft missverstanden wird. Natürlich ist das die Grundvoraussetzung. Aber nur an sich zu glauben reicht nicht. Du kannst dir selbst einreden, wie gut du bist. Entscheidend ist, ob du bereit bist, dafür alles zu investieren.
Also ist „machen“ wichtiger als „glauben“?
Manuel Hinmüller: An sich glauben ist der Anfang. Der Rest ist Einsatz. Verzicht. Disziplin. Ich habe Freitagabende abgesagt, Partys sausen lassen und meinen Freunden gesagt: Tut mir leid, ich muss heute üben, weil ich am Montag am Mikrofon etwas ausprobieren will. Das war mir wichtiger. Zum Glück haben meine Freunde das verstanden und mich auf diesem Weg unterstützt.
Trotzdem gehört auch noch mehr dazu als nur harte Arbeit. Vielleicht auch Glück?
Manuel Hinmüller: Ja, definitiv. Ein bisschen Glück braucht man immer. Das darf man nicht verschweigen. Aber Glück allein bringt dich nicht weiter, wenn du nicht vorbereitet bist. Chancen kommen, aber du musst sie auch erkennen und nutzen. Und manchmal gehört es auch dazu, richtig auf die Nase zu fallen.
Rückschläge gab es also genug?
Manuel Hinmüller: Sehr viele. Am Anfang habe ich Veranstalter angeschrieben und entweder kam gar keine Antwort oder direkt eine Absage. Zu jung, zu wenig Erfahrung. Und ich habe mir oft gedacht: Wie soll ich Erfahrung sammeln, wenn mir niemand eine Chance gibt? Das war hart. Gerade die ersten Absagen haben mich ziemlich runtergezogen.
Wie hast du gelernt, damit umzugehen?
Manuel Hinmüller: Irgendwann habe ich verstanden, dass eine Absage nicht automatisch etwas mit mir als Person zu tun hat. Oft passt man einfach nicht ins Anforderungsprofil. Wenn jemand für eine politische Podiumsdiskussion einen erfahrenen Moderator sucht, bin ich vielleicht nicht die richtige Wahl. Dafür gibt es andere Formate, bei denen ein junger, dynamischer Typ gefragt ist. Und da passe ich dann wieder perfekt rein.
Bekommst du heute auch noch Absagen, oder läuft bei dir alles so perfekt, wie viele es auf Social Media darstellen?
Manuel Hinmüller: Klar. Das gehört dazu. Heute liegen die Gründe woanders. Manchmal wohne ich zu weit weg, manchmal sucht man einfach einen anderen Typ Moderator oder Darsteller. Das kann ich mittlerweile gut akzeptieren. Dafür freue ich mich umso mehr über die Zusagen, bei denen ich weiß: Hier kann ich meine Stärken ausspielen.
Etwas, das bei dir auffällt, ist auch dein Anspruch. Das weiß ich, weil wir ja auch schon zusammen gearbeitet haben. Du wolltest nie einfach „irgendwas“ machen.
Manuel Hinmüller: Das stimmt. Mir war es immer wichtig, professionell zu arbeiten und neutral zu bleiben. Influencer-Formate zum Beispiel, habe ich oft bewundert, gerade was Reichweite angeht. Aber für mich persönlich war das nie der richtige Weg.
Warum nicht?
Manuel Hinmüller: Weil bei mir sofort der Journalist im Kopf anspringt. Wenn jemand vor der Kamera sagt: „Butter kostet jetzt drei Euro, was ist da los?“, dann reicht mir das nicht. Dann brauche ich Fakten, Quellen, Gespräche mit echten Experten. Dann frage ich beim Bauernverband nach, beim Verbraucherservice, recherchiere Hintergründe. Aus einem 30-Sekunden-Video würde bei mir schnell eine halbtägige Recherche werden, nur um am Ende eine Minute sauber vor der Kamera zu stehen.
Das klingt nach einem inneren Konflikt mit Social Media.
Manuel Hinmüller: Ja, ein bisschen. Ich wollte nie einfach nur vor die Kamera treten und sagen: „Hey Leute, ich bin Moderator.“ Wenn, dann wollte ich den Menschen etwas mitgeben. Deshalb habe ich Social Media auch immer eher genutzt und tue es heute auch so, um Einblicke zu geben, wenn ich auf Veranstaltungen bin, ein bisschen Promo zu machen, aber nicht für flache Inhalte.
Heute denkst du aber trotzdem über eigene Formate nach?
Manuel Hinmüller: Ja, immer wieder. Mittlerweile habe ich auch das Wissen dafür. Aber dann kommt oft der Alltag dazwischen, neue Projekte, neue Aufträge. Die Gedanken sind da, aber sie müssen sich mit dem Anspruch vereinbaren lassen, den ich an mich selbst habe.
Deine Aufträge entstehen also eher im Hintergrund als über Reichweite via Social Media?
Manuel Hinmüller: Genau. Die Kontakte, die Empfehlungen, das Netzwerk. Social Media ist für mich eher Begleitung, nicht der Motor.
Du nutzt Social Media, zeigst dich dort, aber es wirkt nicht so, als würdest du die Plattform zur direkten Verbindung mit Leuten nutzen.
Manuel Hinmüller: Genau, weniger tatsächlich. Klar, es gab Jobs, die über Social Media entstanden sind. Zum Beispiel habe ich mal einen Partyschlager veröffentlicht, Promo-Videos hochgeladen und daraufhin haben mich Leute engagiert. Solche Sachen passieren, aber das ist eher die Ausnahme. Die meisten Anfragen laufen über den Hintergrund: Moderatorenpools, persönliche Kontakte oder Empfehlungen von Leuten, die mich bei einer Veranstaltung gesehen haben.
Also passiert die meiste Arbeit quasi hinter den Kulissen?
Manuel Hinmüller: Absolut. Social Media ist für mich eher ein kleiner Teil. Ich poste von Veranstaltungen oder wenn ich unterwegs bin, das erzeugt eine andere Reichweite und spricht eine andere Zielgruppe an. Auf Facebook bekomme ich zum Beispiel deutlich mehr Kommentare von Menschen, die mich persönlich kennen, also Fans, die wirklich interessiert sind, wann sie mich wiedersehen können. Instagram ist eher so ein Durchscroll-Medium: Die Leute liken, kommentieren vielleicht, aber oft bleibt es dabei.
Wenn du jetzt den vollen Durchbruch hast, hast du da keine Angst, dass plötzlich Leute aus der Vergangenheit auftauchen, die sich irgendwie an dich hängen?
Manuel Hinmüller: Klar, solche Leute gibt es. Alte Bekannte, die plötzlich wieder Kontakt aufnehmen, weil sie gerade meine Nummer entdeckt haben oder so. Aber ich habe das Glück, Familie und gute Freunde zu haben, die mich auf dem Boden der Tatsachen halten. Auch meine Partnerin unterstützt mich. Diese Menschen sind für mich die Basis, auf die ich mich verlassen kann. Die anderen, die plötzlich auftauchen, haben meist klare Absichten, die ich schnell erkenne.
Du trennst auch klar zwischen Beruf und Privatleben?
Manuel Hinmüller: Ja. Es ist mir wichtig, dass beides getrennt bleibt. Ich teile in Social Media nur eher, was beruflich relevant ist, also Veranstaltungen, Arbeit, Events. Privates ist noch geschützt. Ich möchte alles klar strukturieren, damit es nicht falsch interpretiert wird. Ich zeige den Leuten, was ich gerade mache, wo ich zu sehen bin. Ich hole sie nicht wie ein Influencer in meine Küche oder mein Privatleben, sondern lasse sie teilhaben an meiner Arbeit. Das ist meine Art, Social Media zu nutzen.
Du bist auch Radiomoderator. Viele fragen sich heute: Ist Radio überhaupt noch relevant?
Manuel Hinmüller: Tot ist Radio definitiv nicht. Es gibt noch sehr viele Sender. Wichtig ist, dass sie mit der Zeit gehen, also Podcasts, kurze und knackige Inhalte, die die Hörer schnell informieren. Lange Formate funktionieren oft nicht mehr gut, weil die Leute lieber kurze Infos bekommen, ähnlich wie auf Social Media.
Also Radio ist eher ein Nebenbei-Medium geworden?
Manuel Hinmüller: Genau. Niemand hängt mehr bewusst stundenlang am Radio. Es begleitet den Alltag, liefert Musik und kurze Infos beim Aufstehen, auf dem Weg zur Arbeit oder zum Abschalten am Feierabend. Es ist stark verändert, aber immer noch relevant. Viele Sender kombinieren auch klassische Moderation mit Streaming-Angeboten, also Schlager, Pop, verschiedene Kanäle und das wird sehr gut angenommen.
Denkst du, dass es heute einfacher oder schwerer ist, in der Entertainmentbranche aufzufallen? Wir leben ja in einer Zeit, in der man sich theoretisch überall präsentieren kann und das gilt für Bands, Künstler, Fotografen, Moderatoren…
Manuel Hinmüller: Reichweite zu bekommen, ist heutzutage sicher leichter, klar. Aber es ist schwer, das genau einzuschätzen, weil ich keinen Vergleich zu Zeiten ohne Social Media habe. Was ich sehe, ist, dass viele Leute über Plattformen auch mit fragwürdigem Content schnell bekannt werden können. Man postet etwas, geht viral, egal ob es geplant ist oder nicht.
Also leichter, aber nicht unbedingt stressfreier?
Manuel Hinmüller: Das Problem ist, dass jeder Beitrag direkt von allen kommentiert werden kann. Früher war Kritik oft persönlich, von jemandem, der nach einer Veranstaltung zu dir kam. Heute kann jeder Hasskommentar sofort unter ein Video. Das ist besonders für Newcomer sehr belastend. Viele hören deshalb auf, weil sie das psychisch nicht verkraften.
Braucht man da nicht einfach ein dickes Fell?
Manuel Hinmüller: Wer in dieser Branche durchstarten will, muss lernen, Kritik zu relativieren. Wenn du jeden Hate-Kommentar ernst nimmst, kommst du nicht weit. Ich erinnere mich noch an meine ersten negativen Kommentare, sowas wie „Halt’s Maul, du dummer Sack“ und das hat mich damals beschäftigt. Aber man lernt, damit umzugehen. Je mehr Reichweite du bekommst, desto mehr Kritik gibt es. Es ist unvermeidlich.
Wie gehst du heute mit solchen Kommentaren konkret um?
Manuel Hinmüller: Beim ersten Hate-Kommentar ist es normal, dass es einen ein paar Tage beschäftigt. Wichtig ist, mit vertrauten Menschen darüber zu sprechen, also Familie, Freunde, Partner. Die können dich aufbauen und dir beim Einordnen helfen. Danach muss man lernen, sich auf die eigene Community zu konzentrieren. Es wird immer Leute geben, die dich nicht mögen, die neidisch sind oder einfach einen anderen Geschmack haben.
Also lässt du dich nicht von der Negativität aufhalten?
Manuel Hinmüller: Wenn jemand meine Arbeit nicht mag, ist das okay. Ich konzentriere mich auf die Leute, denen ich gefalle. Die haben ihre Gründe, warum sie dabei sind und das ist wichtiger als jeder einzelne negative Kommentar. Hate-Kommentare im Netz sind heute einfach normal. Wer sich davon lähmen lässt, wird schnell steckenbleiben.
Manuel Hinmüller zwischen Kritik, Haltung und Bühnenverantwortung
Kann Kritik nicht auch konstruktiv sein? Nicht jede Rückmeldung ist Hass oder Beleidigung. Manchmal kann es sinnvoll sein, sich zu überlegen: „Okay, war der Afro für die Beerdigungsrede wirklich passend?“ Wer sind eigentlich deine größten Kritiker und auf wen hörst du besonders?
Manuel Hinmüller: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Mir ist vor allem wichtig, dass Kritik begründet ist. Wenn mir jemand einfach nur sagt: „Das war schlecht“, dann kann ich damit wenig anfangen. Aber wenn jemand erklärt, warum etwas nicht passt, zum Beispiel bei einer englischsprachigen Moderation, dann höre ich zu.
Kannst du ein Beispiel geben?
Manuel Hinmüller: Nehmen wir an, ich moderiere auf Englisch und der Veranstalter sagt: „Deine Aussprache war nicht sauber, das war nicht gut.“ Dann reflektiere ich das: War es tatsächlich so? Habe ich etwas vermasselt? In so einem Fall ist die Kritik berechtigt, weil sie konkret ist und mir hilft, mich zu verbessern.
Und wie gehst du mit Kritik um, die weniger konstruktiv ist?
Manuel Hinmüller: Wenn es nur um persönliche Vorlieben geht oder von jemandem kommt, der mich eh nicht mag, gebe ich darauf nichts. Zum Beispiel, wenn jemand sagt: „Dein Song gefällt mir nicht“, obwohl er nie ein Fan war, dann ist das für mich nicht relevant. Ich konzentriere mich auf die Leute, die mich unterstützen oder ernsthaft Feedback geben, das mich weiterbringt.
Du hast am Anfang erwähnt, dass du früher ein bisschen „People Pleaser“ warst. Bist du heute härter im Umgang?
Manuel Hinmüller: Ja, auf jeden Fall. Mittlerweile habe ich ein dickeres Fell. Heute weiß ich, dass es normal ist, dass nicht jeder einen mögen wird. Ich habe in meiner Ausbildung und im Job viel gelernt, Erfahrungen gesammelt und dadurch eine größere Gelassenheit entwickelt. Ich habe gelernt, mir Zeit für mich selbst zu nehmen. Spazierengehen, alleine wegfahren, den Kopf frei bekommen, jeder hat so seine Methoden. Das hilft mir, Abstand zu gewinnen, neue Energie zu tanken und wieder klar zu sehen. Ich versuche, mir nicht alles zu Herzen zu nehmen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Du bist ja als Entertainer in einer anderen Position als jemand, der Interviews führt oder Inhalte für Social Media erstellt. Wie merkst du den Druck vor und vom Publikum?
Manuel Hinmüller: Als Moderator stehe ich vor vielen Menschen gleichzeitig und das Publikum kann sehr unterschiedlich reagieren. Man muss flexibel sein und merken, dass sich das Publikum auch verändert. Generationen, Altersgruppen, Stimmung und alles spielt eine Rolle. Manchmal reagieren Menschen völlig anders, als man erwartet und man muss schnell darauf eingehen können.
Gibt es da überraschende Beobachtungen, die dir aufgefallen sind?
Manuel Hinmüller: Ja, manchmal feiert eine Altersgruppe mehr als die andere, obwohl man es nicht vermutet. Auch kleine Feinheiten, wie ein bestimmter Ausdruck, ein Witz oder eine Formulierung, wirken anders. Das habe ich über die Jahre gelernt, man lernt, die Menschen einzuschätzen und flexibel auf Situationen zu reagieren.
Mal kurz zum Lampenfieber. Wie gehst du damit um, wenn du auf der Bühne stehst?
Manuel Hinmüller: Am Anfang hat man das natürlich immer, aber mittlerweile ist es eher abgedämpft. Wichtig ist vor allem die Vorbereitung. Es gibt da wirklich kein „zu viel“, denn allein schon, dass du vorbereitet bist, gibt dir Sicherheit. Du weißt, was auf dich zukommt, du kennst deine Passagen, du weißt, wie du auf die Reaktionen des Publikums eingehen kannst und das ist extrem wichtig.
Wie passt du deine Moderation an unterschiedliche Veranstaltungen an?
Manuel Hinmüller: Das ist entscheidend. Bei einem Singalong, also einem Mitsingevent, das ich moderiere, braucht man nicht viel zu reden. Du musst Stimmung machen. Bei einer Firmenfeier hast du verschiedene Altersgruppen und Rollen, also Arbeiter, Büropersonal, Geschäftsführer und musst die Atmosphäre entsprechend anpassen. Da darfst du nicht einfach alles raushauen, sondern musst ein Gespür entwickeln: Wer ist eher verhalten, wer schon richtig gut drauf? Wie holst du die Leute ab? Ein kleines Gespräch vorher kann helfen, die Stimmung einzuschätzen.
Gibt es Beispiele, wie du das praktisch umsetzt?
Manuel Hinmüller: Bei einem Quiz in der Jochen Schweitzer Arena zum Beispiel: Viele Teilnehmer kommen direkt von der Arbeit, sind müde, haben lange Tage hinter sich. Da ist es der falsche Ansatz, sofort als Stimmungskanone aufzutreten. Man muss langsam einsteigen, den Tag aufgreifen, locker Witze machen, die Leute sanft abholen. Wenn du das Publikum nicht erreichst, bist du nur ein Hampelmann auf der Bühne.
Und in fünf Jahren, wo wirst du auf der Bühne stehen oder was wünschst du dir?
Manuel Hinmüller: Zunächst einmal gesund und glücklich zu sein, denn das ist das Wichtigste. Dann hoffe ich, dass ich weitere Ziele erreicht habe. Mein großes Ziel ist es, vor der Kamera zu stehen, größere Bühnen zu moderieren und anderen Leuten Motivation zu geben, ihre eigenen Träume zu verfolgen. Ich will zeigen, dass es möglich ist, auch Rückschläge und Kritik zu überwinden und trotzdem seinen Weg zu gehen.
Heutzutage ist es ja auch extrem wichtig, wie man sich ausdrückt. Wie gehst du damit um, dass alles auf die Goldwaage gelegt wird? Gerade als Moderator bist du in gewisser Weise auch journalistisch tätig. Alles, was du sagst, sollte belegbar sein und du musst dahinterstehen. Es reicht nicht, einfach irgendetwas zu behaupten.
Manuel Hinmüller: Man muss alles, was man sagen möchte, vorher genau durchdenken. Selbst ein kleines Füllwort kann die Bedeutung eines ganzen Satzes verändern. Gerade beim Radio, wo man keine Körpersprache einsetzen kann, ist es besonders wichtig, sich der Worte bewusst zu sein und genau zu überlegen, wie man sie transportiert, also mit Betonung, Tonfall oder einem Lächeln.
Also spielt die Körpersprache eine große Rolle, wenn man live auf der Bühne ist?
Manuel Hinmüller: Absolut. Bei Live-Veranstaltungen kann man vieles durch Gestik, Mimik oder Betonung abfedern. Wenn jemand zum Beispiel sagt, dass er sich unterordnet, hätte eine unterstützende Körpersprache die Aussage vielleicht weniger provokant wirken lassen. Radio ist da deutlich schwieriger, weil du nur die Stimme hast. Deshalb lese ich alle Beiträge vorher, überprüfe Witze oder Aussagen und wenn ich etwas nicht vertreten kann, sage ich es nicht.
Wie gehst du mit Texten um, die von anderen geschrieben wurden?
Manuel Hinmüller: Ich würde niemals etwas vorlesen, hinter dem ich nicht stehe. Ein Witz, der geschmacklos oder unpassend ist, kommt nicht über meine Lippen, nur weil er im Skript steht. Die Leute wissen ja nicht, dass das jemand anderes geschrieben hat, also trage ich auch die Verantwortung. Das ist ein Grundsatz: erst denken, dann reden. Egal ob Radio oder Bühne, die Worte sind dein Instrument. Du musst wissen, wie sie wirken und immer die Verantwortung dafür tragen, was du sagst. Das unterscheidet einen guten Moderator von einem, der nur spricht.
Mehr zu Manuel Hinmüller findet ihr in den Socials.
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LXNUS: Künstleridentität als Prozess jenseits formaler Zuschreibungen
Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.
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