Instagram macht dumm, einsam und süchtig!

Frau im Hintergrund und in schwarz-weiß

Soundcheck mit Mia (Kolumne)

Mein düsteres Wort zum Sonntag!

Meine persönliche Meinung zu Instagram und warum ich mit der Plattform abgeschlossen habe. Über Fake-Perfektion, Likes und parasoziale Beziehungen. Nur für Leser auf der Website.

 

  • Warum Likes und Follower heute kaum noch Bedeutung haben
  • Wie Instagram Wahrnehmung, Beziehungen und Selbstbild verändert
  • Weshalb Social Media süchtig macht und echte Nähe verdrängt

Warum Instagram für mich längst kein sozialer Ort mehr ist

Ich bin kein großer Freund von Instagram. Und nein, bevor jetzt jemand hektisch sein Ringlicht anschaltet und mir einen motivierenden Kalenderspruch unter mein Profilbild tippt: Natürlich gibt es dort auch gute Menschen. Wunderbare Menschen. Liebenswerte Menschen. Menschen mit Humor, Verstand und Restwürde.

Also ungefähr sieben.

Spaß beiseite. Natürlich existieren auf Instagram coole Leute. Kreative Menschen. Künstler. Fotograf:innen. Menschen mit echtem Talent. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass sie dort längst nicht mehr die Mehrheit bilden. Die Plattform hat sich verändert. Früher wollte man Dinge sehen. Heute will jeder selbst gesehen werden. Möglichst laut. Möglichst perfekt. Möglichst halbnackt auf einem Balkon in Dubai mit einem Buch, das nie gelesen wurde.

Instagram ist keine soziale Plattform mehr. Es ist ein digitaler Jahrmarkt der Eitelkeiten. Eine gigantische Bühne für Menschen, die sich gegenseitig dabei beobachten, wie sie so tun, als wären sie glücklich. Und das Bittere daran ist: Viele merken nicht einmal mehr, wie absurd das alles geworden ist.

 

Studien über Social Media Nutzung und Intelligenz

Warum intelligente Menschen Social Media oft bewusster nutzen

Und nein, ich denke mir das nicht aus, auch wenn heutzutage jeder Fakt sofort als “toxisch” gilt, sobald er nicht weich genug formuliert wurde.

Es gibt tatsächlich Studien dazu, dass Menschen mit höherer Selbstkontrolle, stärkerem Fokus auf langfristige Ziele oder höherer kognitiver Leistungsfähigkeit soziale Medien oft bewusster und weniger exzessiv nutzen. Nicht jeder intelligente Mensch lebt ohne Smartphone in einer Waldhütte. Aber es gibt Tendenzen. Durchschnittswerte. Muster. Das Gleiche sieht man in vielen anderen Bereichen des Lebens.

Es gibt beispielsweise ebenfalls Untersuchungen dazu, dass Rauchen statistisch häufiger in bildungsärmeren Milieus vorkommt. Bedeutet das, jeder rauchende Mensch sei ungebildet? Natürlich nicht. Bedeutet es, dass jeder Akademiker grüne Smoothies trinkt und Marathon läuft? Ebenfalls nein.

Aber Menschen haben heute panische Angst vor Durchschnittswerten. Vor statistischen Wahrscheinlichkeiten. Vor allem, weil es nicht individuell genug klingt. Dabei funktioniert unsere gesamte Gesellschaft auf genau solchen Beobachtungen.

Es gibt Regeln.
Es gibt Muster.
Es gibt gesellschaftliche Normen.
Und ja, es gibt so etwas wie Durchschnitt.

Das Wort “normal” wurde inzwischen behandelt wie ein Kriegsverbrechen, dabei beschreibt es oft einfach nur das, was häufig vorkommt.

 

Instagram und Selbstdarstellung: Warum Likes bedeutungslos geworden sind

Die Plattform lebt nicht mehr von Inspiration, sondern von Aufmerksamkeit

Instagram war einmal eine App für Fotos. Heute ist es ein digitaler Schönheitssaal mit algorithmischer Gehirnwäsche. Es geht nicht mehr darum, Dinge zu entdecken. Es geht darum, selbst entdeckt zu werden. Menschen posten keine Momente mehr. Sie posten Markenversionen ihrer selbst. Jede Story ist Bewerbungsgespräch. Jeder Beitrag eine PR Kampagne. Jeder Urlaub ein Beweisstück für das eigene Glück.

Und der Maßstab dafür?

Likes.
Follower.
Views.

Die moderne Form mittelalterlicher Ablassbriefe.

Das Lustige daran ist: Ich verteile selbst Likes. Wahrscheinlich zu viele. Und am Ende des Tages weiß ich oft nicht einmal mehr, was ich überhaupt gesehen habe. Ich folge Menschen, an deren Namen ich mich nicht erinnern kann. Menschen folgen mir und ich weiß nicht einmal warum. Und genau darin liegt die Absurdität. Likes bedeuten nichts mehr, weil sie inflationär geworden sind. Sie sind digitales Konfetti. Kurz sichtbar, bedeutungslos und am nächsten Morgen bereits im algorithmischen Abfluss verschwunden.

Instagram Filter und Fake Schönheit zerstören die Wahrnehmung

Warum Influencer in echt oft völlig anders aussehen

Durch meinen Beruf als Journalistin kenne ich einige Influencer:innen persönlich.

Und nein, man würde viele davon auf der Straße nicht erkennen.

Die Gesichter sehen anders aus.
Die Körper sehen anders aus.
Die Haut sieht anders aus.

Das gilt für Männer genauso wie für Frauen.

Instagram ist inzwischen ein gigantisches Wachsfigurenkabinett voller geglätteter Gesichter, künstlicher Körperformen und digital optimierter Existenzsimulationen. Menschen bearbeiten sich inzwischen so stark, dass sie aussehen wie ihre eigene KI generierte Version.

Und irgendwann passiert etwas Gefährliches:

Das Gehirn gewöhnt sich daran.

Der Mensch beginnt, das künstlich Perfekte für normal zu halten und das Normale plötzlich für mangelhaft.

 

Männer, Instagram und die zerstörte Wahrnehmung von Frauen

Warum permanente Reizüberflutung Beziehungen verändert

Kommen wir zu den Männern.

Ja, Männer reagieren auf visuelle Reize. Das ist keine revolutionäre Erkenntnis. Aber wenn Männer täglich hunderte perfekt inszenierte Frauenkörper konsumieren, dann verändert das ihre Wahrnehmung.

Irgendwann wirkt die echte Frau langweilig.
Zu normal.
Zu menschlich.

Das Gehirn stumpft ab.

Es ist ähnlich wie bei übermäßigem Konsum von Erwachsenenfilmen. Irgendwann verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Überreizung. Das Normale reicht nicht mehr aus, weil das Gehirn permanent auf künstliche Extreme trainiert wurde.

Und dann wundern sich Menschen über Einsamkeit.

Das sogenannte Phänomen der männlichen Einsamkeit ist mit Sicherheit nicht ausschließlich durch Frauen entstanden. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn manche Männer weniger Zeit damit verbringen würden, halbnackte Fremde zu liken wie ein gelangweilter Pavian mit WLAN Zugang.

Und ja, ich date keine Männer mit Instagram.

Ob aktiv oder nicht spielt keine Rolle.

Für mich sind Männer mit Instagram ungefähr so attraktiv wie ein Kühlschrankhandbuch. Da passiert nichts. Null Anziehung. Null Interesse.

Das kann ich nicht steuern.

Ich bin ohnehin ein sapiosexueller Mensch. Mich interessieren Intelligenz, Tiefe, Humor, Charakter. Ein Sixpack beeindruckt mich ungefähr so sehr wie ein sauber gefaltetes Handtuch.

Warum macht Instagram süchtig?

Instagram Sucht und der Algorithmus: Warum Menschen nicht mehr aufhören können

Wie Social Media das Gehirn manipuliert

Das eigentlich Faszinierende ist aber die Heuchelei.

Ich führe viele Interviews und höre ständig denselben Satz:

“Instagram ist mir eigentlich total egal.”

Und fünf Minuten später beobachtet man dieselben Menschen dabei, wie sie panisch ihre Story aktualisieren, sich über neue Follower freuen und innerlich zusammenbrechen, wenn die Reichweite sinkt.

Was sagt das aus?

Entweder sie lügen.
Oder sie merken nicht mehr, wie tief sie bereits im System stecken.

Aza Raskin, einer der Entwickler endloser Scrollmechanismen, warnte später selbst öffentlich vor den Auswirkungen solcher Systeme. Das Gehirn bekommt kein natürliches Stoppsignal mehr. Früher war eine Zeitung irgendwann zu Ende. Heute endet nichts mehr.

Der Feed hört nie auf.
Der Reiz hört nie auf.
Die Suche nach Aufmerksamkeit hört nie auf.

Und genau deshalb öffnen Menschen die App ständig erneut, obwohl sie dort meistens nichts finden außer weiterer Leere.

 

Warum ich selbst kaum noch Instagram nutze

Mein Leben wurde besser, als ich aufgehört habe zu posten

Ich selbst habe schon lange nichts mehr gepostet. Das übernimmt inzwischen mein Assistent. Ich sage nur noch, welche Bilder online gehen und wann.

Und wisst ihr was?

Niemand merkt es.

Das allein sagt eigentlich schon alles über diese Plattform aus.

Seitdem ich emotional Abstand davon habe, geht es mir deutlich besser. Denn ich halte diese permanente Selbstinszenierung kaum noch aus. Dieses künstliche Dauerlächeln. Dieses zwanghafte “Schaut her, wie erfolgreich, schön und glücklich ich bin”. Instagram fühlt sich oft an wie ein Klassentreffen von Menschen, die sich gegenseitig beweisen wollen, dass sie keinesfalls innerlich zerfallen.

Warum Instagram nicht mehr die wichtigste Plattform im Internet ist

Warum Follower heute kaum noch etwas bedeuten

Instagram ist nicht mehr der Place to be

Viele haben es nur noch nicht verstanden. 100.000 Follower sind heute nicht mehr das, was sie einmal waren. Reichweite ist inflationär geworden. Aufmerksamkeit ebenfalls. Und das Lustigste ist:  Man kann Likes inzwischen sogar verbergen. Allein das müsste Menschen eigentlich zu denken geben. Wenn Likes wirklich relevant wären, hätte die Plattform diese Funktion niemals eingeführt. Aber Instagram selbst weiß längst, dass Likes bedeutungslos geworden sind. Das Tragikomische ist nur: Viele Menschen haben das noch nicht begriffen. Sie präsentieren stolz Zahlen, die ein Großteil der Nutzer:innen möglicherweise gar nicht mehr sieht. Menschen denken oft erstaunlich wenig über die Systeme nach, in denen sie sich bewegen.

 

Parasoziale Beziehungen auf Instagram erklärt

Warum man Menschen auf Instagram nicht wirklich kennt

Und dann gibt es noch diese seltsamen parasozialen Beziehungen. Viele glauben tatsächlich, sie würden Menschen auf Instagram kennen.

Tun sie nicht.

Eine parasoziale Beziehung beschreibt das Gefühl emotionaler Nähe zu einer Person, die einen selbst überhaupt nicht kennt. Das passiert häufig bei Influencer:innen, Streamer:innen oder Prominenten, aber auch bei ganz normalen Leuten. Menschen sehen täglich Inhalte und entwickeln dadurch das Gefühl von Vertrautheit.

Aber diese Nähe ist einseitig.

Ich habe selbst einige Online-Kontakte, die ich wirklich schätze. Wirklich nette Menschen. Aber seien wir ehrlich: Sie kennen mich nicht.

Sie kennen Ausschnitte.
Sie kennen Bilder.
Texte.
Stimmungen.

Aber sie kennen nicht mein echtes Leben.

Viele wissen nicht einmal, wo ich arbeite oder mit wem ich zusammen bin. Und manchmal merkt man in Gesprächen sehr deutlich, wie stark Menschen ihre eigene Vorstellung auf andere projizieren. Das ist keine echte Freundschaft. Es ist digitale Nähe mit Sicherheitsabstand.

 

Fazit: Instagram macht viele Menschen trauriger als sie zugeben wollen

Warum Ehrlichkeit wichtiger ist als Likes

Vielleicht solltet ihr euch einfach einmal ehrlich fragen:

Warum seid ihr eigentlich dort?

Was bringt euch Instagram wirklich?
Inspiration?
Kontakt?
Ablenkung?
Bestätigung?

Oder scrollt ihr längst nur noch aus Gewohnheit?

Die meisten Menschen wissen bereits, dass ihnen diese Plattform oft nicht guttut. Aber sie können nicht aufhören. Genau das ist der Punkt. Vielleicht braucht es irgendwann keinen neuen Filter mehr. Keine neue Story. Keine neue Selbstdarstellung.

Vielleicht braucht es einfach wieder ein echtes Leben.

Und wenn ihr das nächste Mal einen Post von mir auf Instagram seht, wisst ihr immerhin: Wahrscheinlich war ich das gar nicht.

Aber hier, zwischen echten Worten und echten Gedanken, hier bin tatsächlich ich.

Mehr Soundchecks mit Mia findet ihr auf meiner Website.

Warum Instagram nicht mehr die wichtigste Plattform im Internet ist

Warum macht Instagram süchtig?

Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.

Mias WhatsApp Kanal


Entdecke mehr von miasraum

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

4 Gedanken zu „Instagram macht dumm, einsam und süchtig!

  1. Hi,
    wieder wundervoll geschrieben und auch hier stimme ich Dir zu.
    Meine privaten Accounts haben meterhohe Staubschichten angelegt.
    Einzig der Firmenaccount ist aktiv als Showcase und um Anfragen zu beantworten. Tatsächlich kommen ca. 1/5 der Bestellungen direkt über Instagram.
    Aber, diese Jagt nach Followern, Aufmerksamkeit und Suche nachdem was Andere machen habe ich auch abgelegt. Denn, es stresst mehr als es nutzt.
    Es ist eine netter Ergänzung zur Webseite. Es ist schnell ein neues Produkt auf Instagram hoch geladen. Ich freue mich wenn uns jemand registriert. Aber hinterherjagen mag ich niemanden.
    Vermutlich bin ich aber auch in einem Alter bei dem mich die Handynutzung mehr nervt als Spaß macht.
    Das was jeder im Fachbereich postet sieht immer toll aus. Viele Follower (ob sie echt sind oder nicht) sehen immer erst beeindruckend aus. Schaut man sich aber die Interaktion an sieht es schnell eher ernüchternd aus und ich gebe da mittlerweile auch nichts mehr drauf.
    Besser schnappt man sich jemanden aus dem liebsten Kreis und macht was schönes anstatt rum zu scrollen. Schlimmstenfalls hatte man Spaß anstatt sich virtuelle schön geschrubbte Dinge auf einem kleinen Bildschirm anzusehen.

    1. Vielen Dank für deine Worte. Ich stimme dir da zu. Es ist ja auch überhaupt nicht verwerflich, Social Media in den Alltag zu integrieren. Wenn man ein Produkt hat oder beruflich darauf angewiesen ist, gehört es inzwischen ohnehin irgendwie zum Business dazu. Ich glaube nur, dass viele über ihren eigenen Konsum gar nicht wirklich nachdenken. Schon eine Stunde Instagram am Tag ergibt am Ende des Monats mehr als einen kompletten Tag. Einen ganzen Tag, den man damit verbringt, auf einen Bildschirm zu schauen. Darüber sollte man vielleicht hin und wieder bewusst nachdenken. Nicht, um sich alles zu verbieten, sondern um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Lebenszeit darin verschwindet. Vielleicht würde man dann bewusster mit seinem Konsum umgehen und auch mit der eigenen, kostbaren Lebenszeit.

  2. Verstehe komplett, was du meinst. Ich habe Anfang des Jahres einen Insta-Detox gemacht. Eigentlich sollte der einen Monat gehen und nach einem Monat habe ich die App deinstalliert. Es tat mir einfach gut. Und Männer und Insta … ich hab so gelacht, weil ich das auch so sehe. Vielen Dank für deine Texte. Ich lese immer sehr gerne hier.

    1. Liebe Nicole, vielen Dank für deine Worte. Freut mich zu hören, dass du deine Lebenszeit nutzt und dich nicht in der Social-Media-Welt verlierst. Das ist wirklich schön zu hören, dass es solche Menschen tatsächlich noch gibt und es freut mich auch, dass du meine Männer-Meinung teilst. Auch jier gab es ein Lachen. LG Mia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.