Montagslyriker Runde 6:Olgas Märchenstunde Teil 2 (EXTRA)

Ich grüße euch am heutigen Dienstag und hier geht es weiter mit den Montagslyrikern:-)

Mein werter Kollege Matthias Breimann und ich durften euch gestern eine junge und ambitionierte Autorin vorstellen, die ihr schon aus der 5. Runde der Montagslyriker kennt:

Olga Polikevic

Die verschwiegene Direkte

In dieser Runde bereichert sie uns allerdings mit einem ganz besonderen Special, denn sie liest uns drei Tage aus ihrem Märchenbuch vor.

Den ersten Teil Teil 1 ihrer Geschichte durftet ihr gestern hören und heute geht es weiter mit dem zweiten Teil der Geschichte:

Olga Polikevic: Das Märchen über ein Puppenmädchen

Teil2:
Und unsere kleine Heldin, verließ ohne Bedauern den Zauberspielzeugladen mit ihrer neuen Besitzerin. Sie lag in ihrer Verpackung und überlegte für welches Mädchen sie wohl gekauft wurde. In der Verpackung war es sehr dunkel, es gab nicht mal einen kleinen Schlitz, um zu sehen wohin sie gebracht wurde. Doch dann endlich öffnete dieselbe Frau die Verpackung, holte vorsichtig die Puppe heraus, küsste und drückte sie wieder sanft an sich.
„Jetzt wirst bei mir leben. Ich werde dich Lucille nennen. Dieser Name bedeutet ‚kleines Licht‘. Du wirst mir von diesem Tag an Licht und Freude bringen. Magst du diesen Name?”, fragte sie am Ende die Puppe.
Puppe wollte ihr antworten, dass sie diesen Namen sehr mochte. Ein Name, wie bei einem echten Mädchen. Nur leider konnte sie ihre Lippen, Arme, Beine oder ihre schönen Augen nicht bewegen.
„Ich werde dir neue Sachen nähen. Du wirst viele schöne Kleider haben. Und schlafen wirst du in deinem eigenen Bett.”
Vorsichtig setzte die Frau Lucille in einen Sessel und die kleine Schöne fing an sich umzuschauen. Sie bewunderte die Schönheit und das Reichtum aller Sachen, die sie umgaben.
Diese Frau hat viel Geld und sie hat mich nicht für irgendein Mädchen, sondern für sich selbst gekauft. Nur wozu braucht eine erwachsene Frau eine Puppe?
Lucille wusste keine Antwort auf diese Frage, war aber glücklich ab jetzt so eine gutmütige Besitzerin und so ein herrliches neues zuhause zu haben.
Tage vergingen schnell. Der Puppe ging es bei ihrer neuen ‚Mama‘ gut. So hat sie für sich angefangen ihre neue gutmütige Besitzerin zu nennen. Und ihre ‚Mama‘ fing an Lucille sehr lieb zu haben, nähte für sie schöne Kleider, las ihr Märchen, sang Lieder vor und verbrachte viel Zeit mit ihr.
Das Püppchen erfuhr, dass ihre ‚Mama‘ eine Tochter hatte und dass dieses Mädchen vor vielen Jahren am Weihnachtsmarkt spurlos verschwand. Nach dem Mädchen wurde lange erfolglos gesucht. Lucille hörte, dass dieses Mädchen auch Lucille hieß und sie – Puppe diesem Mädchen sehr ähnlich sah.
Manchmal sah und hörte Lucille, wie ihre ‚Mama‘ weinte, sie tat ihr sehr leid. Sie hätte sie gern getröstet, ihr gesagt, sie liebt sie, konnte es aber nicht.
Seitdem ihre ‚Mama‘ sie gekauft und aus dem Spielzeugzauberladen weggebracht hat, wurde Lucille nachts nicht mehr lebendig. Sie blieb eine gewöhnliche Puppe, obwohl sie alles hören, sehen und fühlen konnte. Sie sorgte sich sehr um ihre ‚Mama‘ und hat sie sehr lieb gewonnen. Ihr Traumwunsch ein richtiges, lebendiges Mädchen zu werden, wurde mit jedem Tag immer stärker.

 

Fortsetzung folgt….

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