GASLIGHTING

Eigenwerbung, Link*

Ich grüße euch:-)

Heute geht es bei mir weiter und zwar erneut auf meiner Seite Feel_me
Diese Seite beschäftigt sich mit der Antistigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen.
Ich hatte euch kürzlich die narzisstische Persönlichkeitsstörung vorgestellt und möchte im weiteren Verlauf gerne auf verschiedene Manipulationstechniken aufmerksam machen, die toxische Menschen anwenden, um andere zu manipulieren, zu kontrollieren oder um sie einfach nur klein zu halten.

Ich hatte mit dem Phänomen Ghosting begonnen, welches zwar keine direkte Manipulationstechnik ist, allerdings als Einstieg geeignet war.
Ich hatte auch das Benching und das Breadcrumbing erläutert und euch bekannt gemacht mit Love Bombing und Fast Forwarding.

Heute geht es um die gemeinste und unmenschlichste Manipulationstechnik und ich möchte gerne mit dieser beginnen.

Heute geht es um GASLIGHTING

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Das Wort Gaslighting ist ein Kompositum aus dem engl. gas und lighting und heißt zu Deutsch Gasbeleuchtung.

Das mag jetzt etwas seltsam klingen, aber die Erklärung folgt gleich:-)

Als Gaslighting wird in der Psychologie die Form von psychischen Missbrauch bezeichnet, mit welcher der toxische Mensch, der Ausführende, den Betroffenen gezielt desorientiert, manipuliert, zutiefst verunsichert und somit zu kontrollieren versucht.
Das Realitätsempfinden und die Selbstwahrnehmung werden schrittweise deformiert und zerstört.

Der Name:
Der Name selbst geht auf das Theaterstück Gaslight zurück. Dieses stammt aus dem Jahre 1938 und wurde vom britischen Dramatiker Patrick Hamilton verfasst.
In diesem Stück wurde die Praxis das erste Mal thematisiert und genauer beschrieben.
Weltweites Interesse kam auf, nachdem das Stück verfilmt wurde.

Titel: Das Haus der Lady Alquist

INHALT:
Eine Frau wird über einen langen Zeitraum von ihrem Ehemann manipuliert. Er redet ihr Dinge ein, spricht ihr ihre Gefühle ab, behauptet Dinge nicht zu sehen, die sie wahrnimmt und die er beeinflusst hat, um sie zu täuschen, wie das Licht einer flackernden Gaslaterne.
Letztlich zweifelt die Frau so sehr an sich selbst und an ihrer eigenen Wahrnehmung, dass sie fast wahnsinnig wird, bevor dann doch die Wahrheit herauskommt.

Hollywood bietet ein Happy End, aber im echten Leben gibt es das nicht immer und die Opfer von Gaslighting können ernsthafte, psychische Schäden erleiden.
An diesem Punkt benutze ich das Wort Opfer, denn diese Manipulationstechnik kann einen immensen und irreparablen Schaden anrichten.

Zudem ist es sehr schwer dieses perfide Spiel zu durchschauen, denn diese Manipulationstechnik wird oft von einem Ausführenden benutzt, der einem sehr nahe steht und sogar zu den engsten Vertrauten gehört.

Sei den 1960er Jahren wird der Begriff auch in der Psychologie verwendet, um Bemühungen zu beschreiben, die Wahrnehmung und Realität eines anderen Menschen zu manipulieren.

Zu den Ausführenden zählen häufig Menschen mit dissozialer, narzisstischer oder psychopathischer Persönlichkeitsstörung. Es sind also Menschen, die eine Cluster B Persönlichkeitsstörung haben. Diese benutzen die Gaslighttaktiken im Umgang mit anderen, um ihren Willen durchzusetzen.

Das Gaslighting findet nicht nur in „Liebesbeziehungen“ statt, sondern funktioniert in allen zwischenmenschlichen Beziehungen.
Auch im Bereich des sexuellen Kindesmissbrauchs wird Gaslighting häufig von Tätern eingesetzt, um die Opfer während der Tat, wie auch um danach ihre Erinnerungen an die Tat gezielt zu manipulieren und/oder ein Abhängigkeitsverhältnis herzustellen.

Nicht jedem Ausführenden sind die Mechanismen und Methoden bei der Ausübung bekannt und bewusst, allerdings spricht man doch von gezielten Anwendungen.
Das Motiv dieser Menschen ist eine Machtausübung über den Betroffenen.

Wie funktioniert Gaslighting:
Die Grundvoraussetzung ist, dass zwischen dem Ausführendem und dem Betroffenen ein Vertrauensverhätnis besteht.
Das Betroffenen traut dem Ausführendem und glaubt so seinen perfiden Lügengeschichten.
Beim Betroffenen wird über einen langen Zeitraum wiederholt, allerdings nicht ständig, dessen Wahrnehmung der Realität in Frage gestellt. Das passiert durch Verleugnung von realen Dingen, Verhaltensweisen, Ereignissen und/oder dem Negieren von Gefühlen.

Beispiel aus dem Alltag 1:
Eine Frau sagt zu ihrem Mann beim Frühstück:
Bringe heute Abend Wein mit, wenn Karsten und Pia kommen!

Der Mann ist irritiert, da er keinerlei Info über das Treffen hat.

Die Frau sagt dann:
Darüber haben wir vorgestern gesprochen. Du kannst dich sicher nicht mehr daran erinnern. Du solltest etwas mehr schlafen. In letzter Zeit schläfst du wirklich nicht viel.

Diese Szene mag erstmal halb so wild sein, aber zwei Wochen später wiederholt sich eine ähnliche Szene und das Spiel nimmt seinen Lauf.
Es sind nicht immer die gleichen Szenen, aber die Folge davon ist, dass der Betroffene an seinem Gedächtnis, an seinen Erinnerungen, an sich selbst zu zweifeln beginnt.

Manche Ausführende neigen sogar dazu Dinge ganz gezielt zu verändern, wie Gegenstände an einen anderen Ort zu legen und so den Betroffenen zusätzlich zu irritieren.

Beispiel aus dem Alltag 2:
Euer Freund hat euch versprochen, dass ihr am Wochenende ins Kino geht. Am Donnerstag fragt ihr ihn ganz gespannt, welchen Film ihr euch anschauen wollt. Seine Antwort darauf:

Nein, das haben wir so nicht besprochen. Ich sagte, dass wir an einem Wochenende ins Kino gehen sollten, aber nicht an diesem. Das hast du falsch verstanden.

Erinnerungen des Betroffenen werden gezielt verfälscht und der Betroffene beginnt an sich zu zweifeln. Da man sich mit dem Ausführenden auch in einem Vertrauensverhältnis befindet, glaubt man diese Dinge, denn warum sollte mein Partner, meine beste Freundin, meine Mutter oder mein Onkel mich belügen? Das ist auch der Grund, wieso die Betroffenen diese Aussagen nicht in Frage stellen und auch nicht von Dritten überprüfen lassen können.

Das Gaslighting kommt eben nicht nur in Partnerschaften vor. Jede Beziehung von zwei Menschen, bei der eine Person seinem Gegenüber unbegründete Vorwürfe an den Kopf schmeißt und/oder ihn gezielt in die Irre führt, sind eine gezielte und emotionale Manipulation.
Für das Gaslighting ist eine Vertrauensebene wichtig, denn nur so können die Ausführenden die Betroffenen steuern. Wir haben hierbei auch häufig Sätze, wie:
-Du glaubst mir doch, oder?
-Würde ich dich anlügen?
-Du weißt doch, dass ich dir immer die Wahrheit sage!?

Es ist ein gemeines, böses Spiel, welches hier gespielt wird. Da es von Menschen kommt, denen wir vertrauen und die uns stets daran erinnern, dass sie ja unsere Vertrauenspersonen sind, fällt es zunächst nicht auf, was hier praktiziert wird.

Letztlich geht es darum, dass der Ausführende Kontrolle möchte. Der Betroffene soll gefügig gemacht werden und steuerbar sein. Er soll eine Marionette am Faden sein und komplett abhängig vom Ausführenden sein, der ab einem gewissen Punkt alle Macht hat, denn der Betroffene ist irgendwann soweit, dass er an sich, seinem Verstand, sogar an seiner Realität zweifelt und dann auch gar nichts mehr sagt und erst recht nicht widerspricht.

Preston Ni, Autor des Buches „How to Successfully Handle Gaslighters and Stop Psychological Bullying“, hat sieben Symptome zusammengefasst, an welchen wir emotionalen Missbrauch erkennen.

Hier die Liste von Preston Ni:

Verbreitung von Unwahrheiten
„Gaslighter“ versuchen ihr „Opfer“ oft in negative Geschichten zu verstricken, indem sie in ihrer Gegenwart nur negative (und oft unwahre) Dinge über ihr Gegenüber zur Sprache bringen. So gerät die andere Person in Erklärungsnot und es wird der Anschein erweckt, dass sie verrückt ist und sich rechtfertigen muss.

Wiederholte Anschuldigungen
„Gaslighter“ wiederholen ihre Lügen gegenüber ihren „Opfern“ so oft, bis ihr Gegenüber diese selber glaubt und sich selbst in Frage stellt. Dazu zählt auch das Andichten von negativen Eigenschaften, die die Person eigentlich gar nicht besitzt.

Schnelle Eskalation
„Gaslighter“ sind sich ihrer Schuld durchaus bewusst, leugnen ihr Fehlverhalten aber konsequent, sodass die Situation oft aus der Provokation heraus eskaliert. Dabei stellen sie sie andere Person häufig als nicht zurechnungsfähig dar. Beispiel: Sie erwischt ihm beim Schreiben mit einer Anderen. Sie beschuldigt ihn. Er sagt, es sei nichts passiert, sie bilde sich alles nur ein und sei offensichtlich verrückt.

Dauerhafte Gehirnwäsche
„Gaslighter“ manipulieren ihre „Opfer“ oft über einen langen Zeitraum. Ihre manipulative Art ist dabei oft bis ins letzte Detail ausgeklügelt.

Äbhängigkeit vom Partner
„Gaslighter“ besitzen nicht nur die Fähigkeit, ihr Gegenüber emotional zu erniedrigen, sondern auch, ihm Nähe, Geborgenheit und Sicherheit zu schenken. Sie haben also die Macht, zu entscheiden, was sie ihr „Opfer“ in welchem Moment fühlen lassen wollen.

Falsche Hoffnungen
„Gaslighter“ machen ihren Opfern oft falsche Hoffnungen, um ihnen das Gefühl zu geben, dass alles wieder gut wird und sie an sie glauben. Damit ihre emotionale Manipulation nicht nur negativ und dadurch unglaubhaft wirkt, werfen sie immer wieder wohlwollende Floskeln ein wie „Ach, das wird schon wieder mit dir“ oder „Ich bin doch da und helfe dir“.

Dominanz und Kontrolle
„Gaslighter“ haben ihr Gegenüber durch ihre emotionale Manipulation komplett im Griff. Sie brauchen das Gefühl, den Anderen zu dominieren und kontrollieren. Dabei versuchen sie stets, ihr „Opfer“ auf einem gleichbleibenden Level der Unsicherheit, Zweifel und Ängste zu halten.


 

Sollten euch diese Punkte bekannt vorkommen und solltet ihr euch hier wiederfinden, dann entfernt euch schnell von solchen Menschen. Ihr bringt euch wirklich in Lebensgefahr.

Ich spreche jetzt wirklich vom Schaden, der hier entstehen kann, also benutze ich das Wort Opfer, denn Betroffene sind hierbei tatsächlich die Opfer eines emotionalen Gewaltverbrechens:
Opfer erleiden häufig psychische Erkrankungen, verfallen in eine Depression oder entwickeln eine dissoziative Störung.

Die Opfer von Gaslighting erleiden komplexe, schwergradige (chronische, floride oder progrediente) psychische Erkrankungen. Sie verfallen in eine tiefe Depression, Angst-, Panik- oder wahnhafte Zustände und können zudem auch eine Posttraumatische Belastungsstörung oder Dissoziative Störung entwickeln und/oder ihre gesamte Persönlichkeit verändert sich (z. B. zu einer selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsstörung) wegen der vom Täter wiederholt genährten Selbstzweifel.

In der Therapie brauchen die Opfer von Gaslighting lange, um zu verstehen, dass nicht sie schuld an diesen Situationen waren. Oft kann es sehr viel Zeit und therapeutische Unterstützung erfordern, bis sich das Opfer wieder psychisch stabilisiert und sein früheres Selbstvertrauen wiedergewonnen hat.

Kathryn Portnow: Dialoge des Zweifels: Die Psychologie des Selbstzweifelns und emotionales Gaslichtern bei erwachsenen Frauen und Männern
Robin Stern: The gaslight effect: how to spot and survive the hidden manipulations other people use to control your life
Preston Ni: How to Successfully Handle Gaslighters and Stop Psychological Bullying

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