Noel Husser, bekannt als Mitglied der Band Leaving Caroline, ist nicht nur in der Band aktiv, sondern verfolgt auch seine eigenen Projekte. Am 5. April veröffentlicht er seine EP “Beyond” In unserem Interview gewährt uns Noel einen Einblick in seine musikalische Welt. Von der Entstehung seiner Songs bis hin zu seinen künstlerischen Einflüssen und Zukunftsvisionen. Taucht ein in die faszinierende Reise eines aufstrebenden Musikers, der bereit ist, die Grenzen seiner Kreativität zu überschreiten und seine einzigartige künstlerische Vision mit der Welt zu teilen.
Noel, könntest du uns mehr über dein Solo-Projekt erzählen und wie es sich von deiner Arbeit mit Leaving Caroline unterscheidet?
Als sich 2014 meine letzte Band aufgelöst hat, habe ich mich auf meine musikalische Ausbildung konzentriert. In Verbindung mit einer Prüfung schrieb ich einen Klavierpart, der später zum Hauptthema von „Tell Me Who I Am“ wurde. Nach ein paar Gigs mit einer 6-köpfigen Besetzung musste leider auch dieses Live-Projekt eingestellt werden. Aber ich wollte unbedingt weiter Musik machen, auch ohne Band. Das Komponieren und Arrangieren in Eigenregie bringt natürlich viele Vorteile. Man ist sein eigener Herr und jede Note kann genau so platziert werden, wie man es vor Augen hat. Bei Leaving Caroline schreiben wir alle Songs zusammen in der Probe. Jeder bringt sich ein und am Ende kommt dann ein Song raus, der uns allen gefällt.
Der 2. Februar markierte den Release deiner neuen Single, gefolgt von der kompletten EP am 5. April. Gibt es spezielle Themen, die die EP durchziehen und was können die Zuhörer von diesem neuen Werk erwarten?
Es gibt meist ein Thema, was sich nicht nur durch „Beyond“ sondern durch alle meine Werke durchzieht: Selbstfindung. Ich habe mich schon als Kind und Jugendlicher gefragt, wo gehöre ich hin, wer bin ICH? Was macht ein ICH aus? Und was soll aus diesem ICH werden? In meiner neuen EP beleuchte ich das Ganze aus einer düsteren Ecke. Was für dunkle und skurrile Gedanken sich in einem auftun können, wenn man sich in Selbstzweifel verliert. Ich setze mich selbst viel mit mir und meiner Gefühlswelt auseinander und bin an sich ein optimistischer und sonniger Mensch. Das kann man auch hören! Zwischen den düsteren Klängen schimmert immer wieder Hoffnung durch. Die Zuhörer können sich auf eine emotionale Reise einstellen, mit einer gesunden Mischung aus Metal-Brett, Orchester-Arrangements und geschmackvollen Gitarrensoli.
Es heißt, dass “Beyond” dunkler, progressiver und epischer ist als deine vorherigen Veröffentlichungen. Was hat diese Entwicklung in deinem Sound inspiriert und wie hast du es geschafft, eine intensivere musikalische Atmosphäre zu schaffen?
Ich hatte schon immer ein großes Interesse an Horror-Games. Als ich vor 3 Jahren mit dem Schreiben für „Beyond“ angefangen habe, hatte ich einige Games gespielt, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Sowohl die Rockoper „Tell Me Who I Am“ als auch mein Gothic Album „A Little Dream“, so unterschiedlich sie sein mögen, spiegeln gut meinen Musikgeschmack wider. Mit „Beyond“ und den zu dem Zeitpunkt erlebten Horror-Games wollte ich versuchen, alles unter einen Hut zu bringen und zu einem stimmigen Werk auszuarbeiten. Die Dunkelheit und den Grusel der Games, die Melancholie aus dem Gothic Rock, die Epicness von einer Rockoper und unzählbare Stunden Musik hören haben zu „Beyond“ geführt. Ich versuche mit meiner Musik eine Geschichte zu erzählen, was vor allem beim Musikvideo für den Titelsong in Zusammenarbeit mit meinem Kumpel und Illustrator Alper besonders gut geklappt hat.
Die Eröffnungsstücke sind “Conscious” und “Build The Character”. Die ersten Tracks geben ja oft einen Einblick in das, was die EP zu bieten hat. Könntest du näher auf die Themen oder Botschaften dieser Songs eingehen und wie sie den Ton für den Rest der EP setzen?
„Conscious“ und „Build The Character“ sind die zwei prog-igeren Songs und spiegeln auch im Songwriting eine Art Reise wider. Der Opener „Conscious“ beginnt in einem recht düsteren Mindspace. Man ist völlig erschöpft von ständigen Bewertungen der Außenwelt, dass man in Selbstzweifeln versinkt. Die zweifelnden Stimmen beginnen lauter zu werden, doch bevor man sich der „selfknotted hook“ hingibt, erkennt man, dass der eigene Wert nicht durch andere festgelegt werden kann und es wird einem bewusst, was man alles erreicht hat. Nach dieser Erkenntnis in „Conscious“ geht es in „Build The Character“ um den Weg zum eigenen Charakter. Trotz der „judging eyes“ und der vielen Einflüsse im eigenen Umfeld sollte man für sich selbst entscheiden können, wer man sein möchte und was einen selbst ausmacht. Im Grunde geht es in der kompletten EP in irgendeiner Weise immer um Themen und Gedanken, die einen nachts wachhalten können. Dass das eigene Character-Building nicht so leicht ist, spiegelt sich auch im Songwriting wider, da der Aufbau rhapsodisch ist. Die hoffnungsvolle Zukunftsstimmung wird untermalt vom zweiten Refrain, welcher einen Ganzton höher erklingt als beim ersten Mal.
Könntest du uns mehr über die Inspiration hinter dem Titeltrack “Beyond” erzählen? Welche Stimmung beabsichtigst du mit diesem Track zu vermitteln?
Die Uridee von “Beyond” ist mittlerweile 11 Jahre alt. Das Gitarrenintro und die Lead-Melodie im Refrain stammen aus einem Doom Metal Prototypen, den ich damals für ein anderes Projekt angedacht hatte, aus welchem aber nichts wurde. Die Lyrics und die Thematik sind stark vom Videospiel Beyond Two Souls inspiriert. Zwei Wesen, die an einen Körper gebunden sind und die eine Seele, welche den Körper kontrolliert, eine Art Superkraft dadurch erlangt. Als ich 2021 die alten Melodien mal wieder rausgekramt habe, hatte ich schnell neue Ideen, wie ich die Melodien von damals in ein neues Gewand packen konnte. Ein zweites Videospiel kam zu meinen Inspirationen dazu; The Medium. Das Spiel an sich war leider nicht prickelnd, allerdings war ich sehr angetan vom Wirken eines Mediums. So kam eines zum Anderen. Es geht um einen Menschen, welcher mit einer zusätzlichen Seele verbunden ist und als Medium in die Zwischenwelt „Beyond“ reisen kann. Dort trifft er/sie auf umherirrende und verzweifelte Seelen und hilft ihnen in die wohlverdiente Erlösung. Die Stimmung des Songs würde ich als mysteriös und an manchen Stellen auch gruselig beschreiben. Im Teil nach dem Gitarrensolo kann man die Stimmen aus dem Beyond hören. Wer die Ohren spitzt, kann verstehen, was sie sagen!
Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Soilwork-Frontmann Björn “Speed” Strid für den beeindruckenden Gastauftritt im Abschlusstrack “Evolve” und welche besonderen Elemente hat er in den Song eingebracht?
Björn Strid ist schon seit vielen Jahren ein großes musikalisches Vorbild für mich und einer der ersten Metal Sänger, die es mir voll und ganz angetan haben. Als er 2017 über Facebook bekannt gab, er würde seine Stimme für Gastauftritte zur Verfügung stellen, war ich Feuer und Flamme! Mein Gesangsidol auf meinem Song? Daher habe ich ihn damals als Protagonisten Asayel für meine 29 minütigen Rockoper „Tell Me Who I Am“ angeworben. Ich bin bis heute super stolz darauf, ihn auf meinem Song singen zu hören. Als die neue EP Beyond wieder in ebenso epische Gefilde abdriftete, war für mich klar, dass Björn ein Comeback auf einem meiner Songs braucht. Und wer die Kurzgeschichte von „Tell Me Who I Am“ gelesen hat und sich mit dem Werk auseinandergesetzt hat, weiß die ein oder andere Parallele zu ziehen. 😉 Der Schlussrefrain von „Evolve“ ist das Letzte, was man auf der EP hören kann und dieser sollte einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das konnte nur eines heißen: Die perfekte Stelle für Björn Strid!
Wie siehst du “Beyond” in Bezug auf deinen musikalischen Werdegang und die Entwicklung deiner Solokarriere?
Ich denke „Beyond“ ist ein Ausrufezeichen meiner musikalischen Weiterentwicklung. Ich habe im Entstehungsprozess von „Beyond“ viel Neues dazugelernt und möchte dies auch weiterhin. Ich hab noch so vieles vor, die nächsten Gedanken für zukünftige Projekte werden schon gesponnen. Stetige Weiterentwicklung ist für mich super wichtig und ich versuche mit jeder neuen Veröffentlichung meine Grenzen zu testen und auch zu übertreten. Ganz nach dem Motto; Go Big or Go Home.
Weitere Informationen zu Noel Husser findet ihr in den sozialen Netzwerken.
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Ein Gedanke zu „Noel Husser im Fokus: Hinter den Kulissen seines Solo-Projekts “Beyond”“