Jenseits von Hunter – Steve Strater zündet den Alleingang

Foto: TW Klein

Steve Strater startet solo durch! Im Interview spricht der Hunter-Frontmann über Neuanfang, kreative Freiheit, KI-Musik und echten Rock.

Geführt und verfasst von Mia Lada-Klein 

Steve Strater kennt man als charismatischen Frontmann der Rockband Hunter – aber jetzt macht er auch allein Krach. Rockig bleibt’s, nur eben auf Solo-Trip. Am 13. Juni hat er seine erste eigene Single „Around” rausgehauen. Höchste Zeit also, mal beim Chef persönlich zu klingeln: Warum jetzt solo? Wo will er eigentlich hin? Und wie steht’s wirklich um den guten alten Rock – totgesagt oder wieder auf Touren?

Foto: TW Klein

Steve, beim letzten Mal haben wir über deine Band Hunter gesprochen. Heute wollen wir ganz auf dich schauen. Du gehst musikalisch neue Wege und bist jetzt auch solo unterwegs. Wie ist dieser Schritt zustande gekommen?

Ich hatte diese Songidee und hatte die damals, als wir das Hunter-Album geschrieben haben. Und da habe ich immer mal so gedacht: Ach ja, das könnte man schön verarbeiten und hab es auch Hunter vorgestellt, als wir dieses Album vor 2 Jahren geschrieben haben. Aber es ist irgendwie untergegangen. Und dann hatte ich das noch so über. Dann habe ich mit der Plattenfirma gesprochen, gesagt, hör zu, könnte ich mal so eine eigene Single rausbringen? Die waren total begeistert. Ich muss gestehen, ich habe mich dann selbst sehr unter Druck gesetzt, weil ich schon alles drumherum klargemacht habe. Dann musste ich halt irgendwann liefern. So ist es relativ schnell entstanden.

Ich finde den Song super. Ich mag den Song. Es ist einfach wirklich Rock. Das ist das, was ich heute sehr vermisse. Echte Rockmusik. Ich danke dir dafür. Das Gitarrensolo ist auch richtig nice. Ich hatte das Bild im Kopf, wie jemand da auf dem Berg mit Gitarre steht, mit den Haaren im Wind. Kannst du thematisch zum Song was sagen? Es geht ja ein bisschen um Neuanfang, Zerstörung, Staub, alles fliegt durch die Luft.

Ja, in der heutigen Zeit könnten wir auch politisch anknüpfen. Es könnte politisch gemeint sein, aber es ist allgemein. Ich muss ein bisschen ausholen. Wenn du eine Idee zum Song hast: also, wenn ich singe, habe ich immer etwas in meinem Kopf, eine Art fertige Version. Man hört das ja als Musiker schon. Ich habe die Worte oder den richtigen Sound noch nicht, aber bei der ersten Idee weiß ich ungefähr, wohin die Reise geht. Dann formuliere ich manchmal schon mit dem Mund erste Zeilen, auch eher in Fantasiesprache. Auf dem ersten Schnipsel habe ich schon etwas um das Thema herum gesungen. Die Welt dreht sich um, alles steht auf dem Kopf. Ganz aktuell eben. Manchmal fällt es schwer, sich davon dann zu lösen. Und so ist eben diese Idee mit dem Neuanfang entstanden und dann eben auch geblieben. 

Ja, das kenne ich. Songwriting ist ja Schreiben, aber natürlich anders als Artikel schreiben. Ich kenne das Gefühl aber, das du beschreibst. Man hat eine grobe Idee, aber sie ist noch nicht da, nicht greifbar. Ich kann mich gut darin wiederfinden. Du hast in unserem Vorgespräch auch gesagt, du hast noch andere Songs. Ist das also keine einmalige Sache? Kommt vielleicht ein Album?

Man braucht eine Vision für so ein Projekt. Ich habe viele Ideen und Songschnipsel, aber eine klare Vision ist wichtig. Erst wollte ich eine Single machen, einfach ausprobieren und gucken, wie die Reaktionen sind. Aber schon vor der Veröffentlichung fragten die Leute, was danach kommt. Die Euphorie hat mich motiviert, weiterzumachen. Ich arbeite schon an neuen Songs, habe auch gute Ideen. Meine Verwandten aus Kanada haben mir neulich zum Beispiel was geschickt und ich dachte: „“Daraus mache ich einen Song“. Solche Ideen habe ich augenblicklich. 

Da würde mich jetzt interessieren: Wie steht die Band dazu? Denken die vielleicht: „Super, wir brauchen einen neuen Sänger“?

Eigentlich hatte ich das so erwartet. Aber die Reaktionen waren komplett anders. Ich habe die Band auch mit eingebunden, der Gitarrist hat mitgespielt, und ich habe gefragt, ob ich das machen kann. Es geht da nicht gegeneinander, wir bewerben uns gegenseitig. Die Sympathie ist da, und wir schauen, wohin die Reise geht. 

Als Solokünstler hat man ja deutlich mehr kreative Freiheit. Man trifft alle Entscheidungen allein und kann sich musikalisch richtig austoben. In einer Band ist das ja oft ein gemeinsamer Prozess. Geht es dir da ähnlich oder ist das eher nur mein persönliches Bild davon?

Ja, das ist so. Weißt du, wenn ich jetzt meinen Namen draufschreibe, dann kann ich machen, was ich will. Genauso sehe ich das auch.

Im Song hast du auch Mundharmonika eingebaut, oder?

Ja, genau. Das wäre so ein Punkt. Das ist so eine kleine Farbnuance, die ich eingebaut habe. Bei meinem Projekt Hunter würde das nicht vorkommen.

Warum gerade Mundharmonika? Das ist nicht so ein Standardinstrument bei dir, oder?

Nein, nicht wirklich. Interessanterweise ist die Mundharmonika ähnlich wie eine verzerrte Gitarre von den Frequenzen her, deswegen passt das ganz gut rein. Solche Sachen, auch Loops oder andere ungewöhnliche Sounds, würde ich gern mehr einbauen. Bei Hunter ist das Korsett enger, da würde ich es wahrscheinlich nicht machen.

Klingt, als wärst du da auch ein bisschen geschäftlich unterwegs?

Ja, vielleicht ein bisschen. Mir ist aber vor allem wichtig, dass es den Leuten auch gefällt, nicht zu abgedreht wird oder zu sehr in einer Nische bleibt. Wenn ein Song etwas Bestimmtes braucht, dann soll er das auch bekommen, egal, woher es kommt.

Denkst du auch an Features? Zum Beispiel mit einem Punk-Sänger oder einer Punkband? Das wäre ja immer noch Rock, aber mit einem punkigen Einschlag. Oder sogar Black Metal? Noise Rock, Shoegaze oder so. Hättest du da Lust drauf? 

Ja, das würde ich gerne machen. Auf jeden Fall. Ich habe zum Beispiel bei einem Song eine Sängerin im Background, die ich bei einem anderen Projekt kennengelernt habe. Da hat’s einfach sofort gepasst, wir sind beide Rock’n’Roller von der Grundidee her.

War das ein Duett?

Nein, kein Duett, aber sie hat Chöre eingesungen. Witzig ist, dass sie mir dann gesagt hat, manche Töne wären zu hoch für sie. Da gibt’s so ein ganz hohes A am Schluss – das schaffen nur wenige.

Wow, das klingt anspruchsvoll.

Ja, aber wenn es geht, dann macht man das mit. Die Sängerin bringt nochmal eine besondere Farbe rein, und ich hätte vielleicht auch ein Duett mit ihr gemacht, aber bisher haben wir diese Idee noch nicht weiterverfolgt.

Du hast viele Musikerbekanntschaften – würdest du gern mehr Kollaborationen machen?

Ja, total. Manchmal braucht es jemanden, der die Idee gibt und alles zusammenhält, aber gemeinsam ist man einfach mehr. Gerade in einer Welt, in der viele nur Ellenbogen ausfahren.

Ja, das wäre schön, wenn mehr Menschen das so sehen würden. Du hast ja auch gesagt, politisch ist es momentan auch irgendwie schwierig. Können wir uns trotzdem noch auf Musik verlassen? Ich komme nämlich jetzt mal zum Thema KI. Was hältst du von KI-generierter Musik?

Ich war selbst in einem Projekt, wo gute Musiker damit gearbeitet haben. Ein Typ hat für seinen Schlagzeugunterricht Songs mit KI gemacht. Die KI hat dann auf drei Begriffe hin einen Song inklusive Gesang generiert. Das war unglaublich.

Krass! Wie findest du das?

Man kann sich damit vielleicht Ideen holen. Man will es ja nicht komplett verteufeln, aber man weiß nicht genau, wo die KI die Sachen herhat. Vielleicht wird da auch geklaut, und die Urheberrechte sind nicht klar. Man kann das als Inspiration nehmen, aber nicht einfach übernehmen. Da wäre ich sehr skeptisch. Ich wollte mal ein Foto generieren lassen von der KI. Das Ergebnis hat mich aber so verändert dargestellt, dass ich mich selbst nicht mehr erkannt habe. Die Technik entwickelt sich sicher weiter, aber ich bleibe da vorsichtig.

Von der KI zurück zur Musik. Rock ist tot! Das hört man ja immer wieder. Und auch Gene Simmons hat das schon gesagt, obwohl er immer noch in seinem Glitzeranzug auf der Bühne steht. Wie siehst du das?

Ich sehe das definitiv anders. Wenn man sich anschaut, wie es früher war: Als AC/DC Ende der 70er aufkamen, war Disco der große Trend. Rock war da eigentlich auch schon gegen den Strom. Punk kam Mitte der 70er, auch wieder eine Gegenströmung. Das zeigt doch, Rock war schon immer etwas, das gegen den Mainstream stand. Das hat sich bis heute nicht verändert, aber es war letztlich nie anders. 

Die aktuelle Zeit scheint ja von Plattformen wie TikTok geprägt zu sein. Wie stehst du dazu?

Ja, da wird immer gesagt, man müsse TikTok-Videos machen, sich da zeigen und alles Mögliche. Aber ehrlich gesagt, braucht die Welt das wirklich? Ich will lieber Qualität liefern und mache das, was mir gefällt, unabhängig von Trends oder irgendwelchen Vorgaben. Ich will Musik machen, die für mich gut ist, und keinen TikTok-Hype haben.

Du bist ja auch Berufsmusiker und hast viel Erfahrung. Wie ist die Situation gerade für Bands und Konzerte?

Es ist gerade eine schwierige Zeit. Die Konzertbranche kämpft, selbst bekannte Künstler sagen Shows ab oder schaffen es nicht, genug Publikum zu holen. Es ist keine leichte Zeit für die Konzertbranche. 

Gibt es trotzdem Druck, sich an neue Vermarktungsmethoden anzupassen?

Klar, da heißt es, wenn du nicht mitmachst, hast du keinen Erfolg. Aber für mich ist das alles vorbei. Ich mache das jetzt ohne Kompromisse. Du hast das in deiner Rezension ja gut beschrieben, diese Haltung, einfach zu sagen: „Scheiß drauf, ich mach das jetzt so, wie ich es für richtig halte.“ Mit Humor und dem Wissen, was ich kann.

Inside HUNTER: Steve Strater Unplugged

Weitere Informationen zu Steve Strater findet ihr in den Socials.

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