Foto: Ina Bohnsack Fotografie
Schnuppe haben am 21. März 2025 ihr Debüt „Drin was draufsteht“ rausgehauen. Das ist ehrlicher NDW-Noisy-Pop aus Köln, direkt aus dem Alltag gegriffen.
Interview von Mia Lada-Klein
Schnuppe machen keine Faxen und schon gar keine falschen Versprechungen. Was draufsteht, ist auch drin. Passenderweise heißt ihr Debütalbum „Drin was draufsteht“. Diana, Kat und Mel aus Köln liefern eine All-Female-NDW-Noisy-Pop-Experience, die genau so ehrlich klingt, wie sie selbst auftreten.
Sie sind Newcomerinnen, die gerade erst loslegen und trotzdem schon für den PopNRW-Preis nominiert sind. Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass andere fünf Jahre strampeln, um nur annähernd so weit zu kommen. Der Preis würdigt die spannendsten Acts aus Nordrhein-Westfalen und Schnuppe sind mittendrin. Im Interview plaudern Kat und Diana über Songs, das Debütalbum und ihre ersten Schritte im Showbiz, mit einer guten Portion Offenheit und Humor.
Nun ist euer Debüt draußen, aber erzählt doch mal von vorne: Wo wart ihr vorher, seit wann gibt es euch, und warum erscheint erst jetzt das erste Album?
Katharina: Wir haben uns 2021 mitten in der Pandemie gegründet. Vorher war ich mit vielen anderen Dingen im Leben beschäftigt und hatte längere Zeit keine aktive Band mehr. Während der Pandemie kam bei mir dieser Moment des Innehaltens, man hat überlegt, wo man eigentlich steht und was einem fehlt. Mir wurde klar, dass ich wieder Musik machen möchte. Also habe ich bei Facebook einen Aufruf gestartet, wer Lust hätte, mit mir ein Projekt zu starten. Musik hat mich schließlich immer begleitet, ich habe in meiner Studienzeit auch kleinere Bandprojekte gehabt, die es aber kaum aus dem Proberaum herausgeschafft haben. Das war dann für mich die Initialzündung, endlich wieder aktiv zu werden.
Diana: Ich bin erst später dazugestoßen, 2023. Ich habe Katharina über unser gemeinsames Engagement bei einem Festival kennengelernt. Sie hatte in der Gruppe dort gefragt, ob jemand Schlagzeug spielen möchte. Ich habe mich gemeldet und so bin ich zu Schnuppe gekommen. Für mich ging das dann alles ziemlich schnell: Proben, Songs, Aufnahmen und jetzt ist schon unser Debütalbum draußen.
Viele Bands träumen jahrelang davon, ein Label zu finden, und ihr seid sofort bei Rookie Records untergekommen. Wie kam es dazu?
Katharina: Das war tatsächlich ein glücklicher Zufall. Ich kannte Jürgen schon lose aus der Kölner Szene, bevor er mit Rookie nach Hamburg gegangen ist. Wir sind uns öfter auf Konzerten begegnet, und irgendwann hat mein Mann ihm einen unserer ersten Songs geschickt. Daraufhin hat Jürgen uns bei Instagram über Monate hinweg sehr aufmerksam verfolgt. Er hat fast alles geliked, und irgendwann haben wir uns auf einem Festival wiedergetroffen. Da war er sofort interessiert und hat mich mit Fragen gelöchert. Ich habe ihm dann gesagt: Wenn du Lust hast, uns zu unterstützen, lass uns reden. Und so ist das entstanden.
Euer Album heißt Drin was draufsteht. Zehn Songs. Katharina, du schreibst die Texte?
Katharina: Größtenteils ja, aber es ist Teamarbeit. Ich bringe oft die ersten Entwürfe mit, aber wir überarbeiten vieles gemeinsam.
Diana: Genau, und ich mische mich auch ein, streiche gerne mal Wörter oder kürze Texte. Das habe ich mir aus meiner Zeit beim Bonner Generalanzeiger angewöhnt, wo ich als Praktikantin gelernt habe, unnötige Worte konsequent rauszunehmen.
Sehr wichtig! Manchmal merkt man erst, wie viel stärker ein Text wird, wenn man ihn verschlankt. Erzählt doch ein bisschen von den Songs. Welche Themen beschäftigen euch, und habt ihr persönliche Favoriten?
Diana: Ich mochte von Anfang an „Don’t babe me“ sehr gerne, wegen des treibenden Rhythmus, aber auch wegen dem Text. Es wirkt auf den ersten Blick fast absurd, ist aber eigentlich sehr realistisch. Der Song basiert auf Erlebnissen aus dem Arbeitsalltag, unangebrachte Situationen, die Katharina und ich gesammelt haben. Wir saßen damals im Proberaum auf dem Boden und haben Erinnerungen durchforstet, und daraus wurde der Song. Wenn ich ihn heute höre, klingt er fast weit weg, aber es ist eigentlich nur die Beschreibung unseres Alltags.
Katharina: Genau. Viele unserer Songs sind aus dem Leben gegriffen. Sie erzählen keine ausgedachten Geschichten, sondern spiegeln Situationen wider, die wir selbst erlebt haben oder die uns im Alltag begegnen. Ich glaube, das macht sie auch so nahbar.
Kannst du, Katharina, mal ein konkretes Beispiel nennen, wie ein Songtext bei euch entsteht?
Katharina: Ja, zum Beispiel die erste Zeile von „Aspirin“: „Mein Wecker klingelt“. Ich hatte damals die Angewohnheit, meinen Wecker immer auf Viertel nach acht zu stellen, und irgendwann ist mir aufgefallen, dass diese kleine alltägliche Beobachtung wie eine Redewendung wirkt. Daraus hat sich dann ein Flow von Alltagsumschreibungen entwickelt, die ein bisschen schräg klingen.
Diana: Oder bei „Betriebsausflug“, das entstand wieder aus dem Proberaum. Melanie, unsere Gitarristin, musste zu der Zeit gefühlt jede Woche auf Betriebsausflug und das Thema hat sie einfach geprägt. Wir haben dann darüber gesprochen und die Ideen aus unserem Alltag gesammelt, die irgendwie komisch, aber auch sehr echt waren.
Viele Menschen verbinden Betriebsausflüge ja mit Zwang oder Beklemmung. War das bei euch auch so?
Diana: Absolut. Auch wenn es nette Kolleginnen gibt, dieses „auf Knopfdruck Spaß haben“ ist ein seltsames Konzept. Man versteht sich vielleicht gut, aber der Zwang bleibt. Da ist es ein echter Ausgleich, dass man in der Band mit netten Leuten auf einer Ebene zusammenarbeitet.
Katharina: Genau, und oft entstehen dann auch Sätze, die einfach so im Proberaum fallen. Zum Beispiel der Albumtitel Drin was draufsteht, das war ein spontaner Ausspruch. Für mich war das sofort ein Konzept, mit dem ich lange im Kopf herumgespielt habe. Es ist alles sehr organisch gewachsen, Momentaufnahmen aus unserem Alltag, die wir gesammelt haben.
Klingt nach sehr spontanen Prozessen.
Katharina: Ja, die meisten Titel und Texte entstehen tatsächlich mal hier, mal da. Bei „Die Hängengebliebenen“ war zum Beispiel zuerst das Wortkonstrukt da, und dann hat sich über Wochen ein Text entwickelt.
Wie war denn eure Release-Party? Die hattet ihr ja.
Diana: Super schön. Es war ausverkauft, es standen sogar Leute vor der Tür, die Stimmung war total losgelöst. Es war einfach ein richtig toller Abend.
Gab es davor Angst, das Debütalbum zu veröffentlichen, oder überwog die Vorfreude?
Katharina: Ich hatte zwischendurch schon ein bisschen Bammel. Gerade das erste Mal Songs anderen Leuten vorzuspielen, war komisch. Aber nachdem das Vinyl im Presswerk war und wir die Songs auch live gespielt hatten, wurde alles okay. Anfangs hatten wir etwas Sorge, zu unentschlossen in der musikalischen Ausrichtung zu wirken, aber unser Produzent hat uns immer wieder bestätigt, dass ein roter Faden da ist.
Diana: Mir macht es einfach riesigen Spaß, die Songs zu spielen, gerade weil sie so unterschiedlich sind.
Katharina, deine Stimme ist mir beim Hören sofort aufgefallen. Sie ist ehrlich, rotzig und manchmal unperfekt, das passt richtig gut zum Sound.
Katharina: Danke, das freut mich sehr.
Wie geht es jetzt bei euch weiter? Tour, Single-Auskopplungen?
Katharina: Wir spielen jetzt ein paar Konzerte und kleine Festivals. Unser Plan ist, im Herbst eine Tour auf die Beine zu stellen. Es wird alles ein bisschen mit heißer Nadel gestrickt, aber das kriegen wir schon hin.
Schnuppe – Drin was draufsteht – Album Review
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