Rembert Stiewe: Hinter den Kulissen des Orange Blossom Special Festivals

Festivalveranstalter Rembert Stiewe in blauem Hemd, schaut nach oben, Hintergrund schwarz

Soundckeck Sessions mit Mia (Interview)

Rembert Stiewe spricht über das Orange Blossom Special, sinkende Ticketverkäufe, Frauenquoten und die Krise der Branche. Ein Blick hinter die Kulissen eines besonderen Festivals.

Interview: Mia Lada-Klein

Bild: Lucja Romanowska

Rembert Stiewe lebt in seinem Geburtsort Beverungen in Ostwestfalen und scheint dort so ziemlich alles gleichzeitig zu machen, was mit Musik, Kultur und Organisation zu tun hat. Bereits 1982 war er Mitbegründer von Glitterhouse Records, einem Indie-Label, das 2015 völlig zurecht als „Best Label“ bei den VIA! VUT Indie Awards ausgezeichnet wurde.

Seit 1997 veranstaltet er außerdem das Open Air Festival Orange Blossom Special, kurz OBS. Jedes Jahr versammeln sich dort nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler sowie rund 4.500 Besucherinnen und Besucher im Garten der Firma Glitterhouse. Ja, wirklich im Garten. Andere haben Gartenzwerge, er hat ein Festival.

2022 wurde das OBS gleich doppelt ausgezeichnet, unter anderem als „Kulturelles Aushängeschild der Region“ beim Westfalen Weser Kulturpreis und mit dem HELGA Award für die wohl gemütlichste Arbeitsatmosphäre. Ein Festival, bei dem sich offenbar nicht nur das Publikum, sondern auch die Beteiligten wohlfühlen.

Neben seiner Arbeit für das OBS ist Rembert Stiewe auch noch freiberuflich aktiv im Booking-Team der Fernsehreihe „Rockpalast Crossroads.

Das Orange Blossom Special findet in diesem Jahr vom 22. bis zum 24. Mai statt und Tickets gibt es wie immer dort, wo man sie erwartet, nämlich online HIER.

Im Interview spricht Rembert über die Welt der Festivals, das OBS, Ticketverkäufe, die Frauenquote und die Arbeit im Labelbetrieb. Und er verrät ganz nebenbei auch, was ihn an der heutigen Musikbranche so richtig auf die Nerven geht.

Festivalbühne des Orange Blossom Festivals und Menschen vor der BühneBild: Denis Schinner

Rembert Stiewe über Vielfalt, Verantwortung und sinkende Ticketverkäufe 

Rembert, du darfst erstmal sagen, wer du überhaupt bist und was du überhaupt machst.

Rembert: Gut, dass du das sagst, ganz kurz vorstellen. Ich habe nämlich so ein bisschen den Hang zur ausschweifenden Rede. Also ich bin Rembert Stiewe, 62 Jahre alt. Ich habe in den frühen 80ern zusammen mit einem Freund hier in Ostwestfalen ein Tonträgerlabel gegründet, Glitterhouse Records, ein Indie-Label. Im Grunde habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Irgendwann waren wir in einem großen Gebäude mit Garten und da kam die Idee: Wir machen ein Festival. So ist 1997 das Orange Blossom Special entstanden. Das veranstalte ich seitdem in verschiedenen Konstellationen, mittlerweile auch in eigener Verantwortung über eine GmbH. Ich mache im Prinzip alles selbst, also Booking, Organisation, Marketing, alles zusammen. Da kommen jedes Jahr rund 4000 Leute hin, aus ganz Deutschland.

Was steht dabei musikalisch im Vordergrund?

Rembert: Musikalisch ist das sehr breit: Post-Punk, Indie, Singer-Songwriter, Rock, Indie-Pop. Wir haben drei Bühnen, plus eine Lesebühne und zusätzlich Walking Acts über das Gelände. Es ist bewusst eher klein, eher nah, eher persönlich. Man hat auch mal gesagt, es ist ein Boutique-Festival, bevor es den Begriff überhaupt gab. Und das trifft es eigentlich gut. Uns geht es sehr stark darum, wie wir kuratieren und wie wir mit den Menschen umgehen. Die Idee ist eigentlich ganz simpel: Alle sollen sich hier fühlen, als wären sie privat zu Gast bei uns zu Hause. Egal ob Publikum, Künstlerinnen oder Crew.

Schöne Philosophie, da kann ich direkt reingrätschen. Thema Frauenquote auf Festivals, das wird ja immer wieder diskutiert. Braucht es solche Vorgaben oder sollte sich das organisch entwickeln?

Rembert: Ich weiß, das klingt vielleicht erstmal überraschend, aber bei uns braucht es keine Quote, weil es sich ziemlich organisch entwickelt. Wir haben keine feste Quote, aber wenn man es an Zahlen misst, liegen wir seit Jahren ungefähr bei 45 bis 55 Prozent FLINTA nach Keychange-Kriterien. Das heißt nicht, dass jede Band so besetzt ist, aber dass FLINTA-Personen sichtbar und zentral auf der Bühne stehen. Ich glaube trotzdem, dass diese Diskussion wichtig ist. Eine Quote kann helfen, auch wenn man sie nicht gesetzlich erzwingen sollte. Sie zwingt Veranstaltende aber dazu, überhaupt nachzudenken. Viele würden sich sonst mit dem Thema gar nicht beschäftigen. Und genau da entsteht die Diskussion, die nötig ist. 

Es gibt aber Menschen, die dann sagen: Wenn es gut wäre, wäre es schon bekannt.

Rembert: Natürlich gibt es auch diese typischen Reaktionen im Netz, diese Kommentare nach dem Motto „wenn sie gut genug wären, würden sie sich schon durchsetzen“. Das ist Unsinn, weil es ja auch um Strukturen geht, nicht nur um Talent. Es ist im Grunde ein gesellschaftlicher Auftrag, die Realität auch auf Bühnen abzubilden. Und das betrifft nicht nur die Bühne, sondern auch die Organisation dahinter. Bei uns ist die Crew zum Beispiel ebenfalls ziemlich ausgeglichen, das hat sich über die Jahre so entwickelt. Wobei wir gemerkt haben, dass in Leitungspositionen trotzdem eher Männer sitzen. Das ist ein Punkt, an dem wir arbeiten müssen. Wir haben jetzt zum Beispiel in der Produktionsleitung eine zusätzliche Frau mit drin, neben mehreren Männern. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Und generell versuchen wir, Aufgaben nicht nach Geschlecht zu verteilen, sondern nach Interesse und Fähigkeit.

Ich drücke das jetzt mal frevelhaft aus, Rembert, darf ich das? Mir fehlen auch die zwölf Zentimeter zwischen den Beinen, damit ich zwanzig Prozent mehr Gehalt kriege. Steinzeit ist also noch irgendwie da.

Rembert: Ja, das ist leider tatsächlich so. Ich sehe dieses Dilemma ja auch im Freundes- und Bekanntenkreis, im Freundinnenkreis. Das zieht sich durch die ganze Gesellschaft, leider immer noch. Und wir als Veranstaltende haben da schon eine gewisse Verantwortung, weil wir viele Menschen erreichen.

Wie sieht es denn mit Ticketverkäufen aus? Das ist ja auch bei Festivals immer wieder ein Thema, dass weniger Tickets verkauft werden, dass die Leute weniger kommen. 

Rembert: Klar, die Menschen haben weniger Geld. Ohne Frage. Das ist ein gesellschaftliches Problem. Alles wird teurer, aus zig Gründen. Zum Beispiel auch wegen der globalen Lage, der ganzen Konflikte, die ja indirekt überall mit reinspielen. Man überlegt sich einfach stärker: Gehe ich auf ein Festival oder zahle ich erstmal meinen Wocheneinkauf?

Wie sieht es bei euch aus? Merkt ihr da auch Einbußen?

Rembert: Absolut. Wir merken wirklich Einbußen im Vorverkauf. Bis vor Corona war es so, dass wir eigentlich immer ausverkauft waren. Und zwar aus dem Stand. Wir mussten kaum Werbung machen. Der Vorverkauf lief einfach. Wir haben im November gestartet, da standen vielleicht ein, zwei Bands fest. Zwei Wochen später war alles ausverkauft. Das war Standard. Nach Corona waren wir dann nicht mehr ausverkauft. Daran haben wir uns irgendwann gewöhnt, auch weil unsere Kalkulation nicht auf 100 Prozent ausgelegt ist, sondern eher auf 90. Aber dieses Jahr ist noch mal eine andere Qualität dazugekommen. Ein klarer Nachfragerückgang.

Geht es anderen Veranstaltenden auch so? Tauscht ihr euch da vielleicht auch aus untereinander?

Rembert: Ja, ich spreche da auch mit vielen anderen Veranstaltenden. Gerade in dieser Indie-Rock-, kleineren bis mittleren Festival-Welt merken viele genau das Gleiche. Es gibt viele Gründe dafür, die sind auch alle nachvollziehbar. Energiepreise, Mieten, allgemeine Kostensteigerungen, dazu die globale Unsicherheit. Das ist nicht nur finanziell, sondern auch psychologisch. Im März zum Beispiel hat der Vorverkauf überhaupt nicht angezogen. Und normalerweise ist das der Monat, in dem es bei uns losgeht. Januar, Februar ist immer schwierig. Da kauft niemand Tickets. Weihnachten vorbei, kalt, Karneval, das ist alles tote Zeit. Aber ab März, sobald die ersten Sonnenstrahlen kommen, passiert normalerweise etwas. Dieses Jahr gar nicht. Das bedeutet: Wir werden vermutlich nur mit sehr viel Glück auf eine schwarze Null kommen. Und gleichzeitig sind die Kosten massiv gestiegen. Teilweise um 30 Prozent oder mehr im Vergleich zu 2022. Wir können aber nicht einfach die Ticketpreise um 30 Prozent erhöhen, weil dann noch weniger Leute kommen würden. Das ist ein Dilemma. Aber ich will auch nicht jammern. Ich hätte auch was anderes lernen können.

Labels, Musikmarkt und was sich wirklich verändert hat

Du bist ja auch jemand vom Fach, also Festivalveranstalter und Labelmacher. Da stelle ich dir jetzt mal eine direkte Frage: Brauchen Bands heute überhaupt noch ein Label oder geht das auch komplett ohne?

Rembert: Das ist tatsächlich eine gute Frage und die Antwort ist ein bisschen zweigeteilt: Ja und nein. Bis zu einem gewissen Level brauchst du heute kein klassisches Label mehr. Du musst dich sowieso selbst extrem stark promoten. Das Internet hat vieles einfacher gemacht, auch wenn es nicht nur Vorteile hat. Du bekommst heute viel schneller Informationen, How tos, du kannst Produktionen viel einfacher selbst umsetzen. Früher musstest du zwei Wochen ins teure Studio gehen, um überhaupt brauchbare Aufnahmen zu haben. Heute reichen im Prinzip zwei Mikrofone und ein gutes Setup zu Hause und du bekommst eine Qualität hin, die früher kaum erreichbar war. Aber dann kommt der Punkt Self-Promotion. Und da wird es hart. Will ich wirklich jeden Tag auf allen Kanälen präsent sein, TikTok, Instagram, YouTube, WhatsApp, alles gleichzeitig? Kann ich das überhaupt leisten? Und vor allem, bin ich dann noch ich selbst oder verliere ich mich dabei als Künstler? Ab einem gewissen Punkt brauchst du dann auch zudem wieder Strukturen. Labels, Management, Booking, Tourneepartner. Einfach weil du die Märkte allein gar nicht mehr bedienen kannst. Es geht dann nicht mehr nur um Musik, sondern auch um Organisation, Metadaten, Kampagnen, Reichweite. Und Spotify wartet nicht auf dich als unbekannten Act. Ich würde also nicht sagen, Labels sind überflüssig. Aber sie haben sich verändert. Sie sind weniger Künstlerheimat im alten Sinne, eher eine Art Gatekeeper geworden, der sortiert und filtert. Und genau das kann auch hilfreich sein, wenn es gut gemacht ist.

Und wenn du ganz ehrlich bist, welche Entwicklung in der Musikbranche nervt dich aktuell am meisten? Social Media, Streaming oder dass gefühlt ständig neue Genres und Bands aus dem Boden schießen?

Rembert: Wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist das wahrscheinlich die komplette Umstellung auf dieses digitale Denken in Einsen und Nullen gewesen. Das klingt jetzt ein bisschen wie „früher war alles besser“, aber analog hatte tatsächlich eine andere Qualität. Mit der Digitalisierung kam erst Piraterie, dann die totale Verfügbarkeit. Und irgendwann wurde Musik als Wert an sich immer mehr entwertet. Heute ist alles jederzeit abrufbar, überall, sofort. Und dadurch verliert Musik auch ein Stück Bedeutung. Was mich am meisten stört, ist diese TikTokisierung. Alles muss kurz sein, alles muss sofort funktionieren, 15 Sekunden Aufmerksamkeit, mehr nicht. Früher haben wir in Alben gedacht, heute teilweise nicht mal mehr in Songs, sondern in kleinen Fragmenten. Und das überträgt sich auch auf die Hörerinnen und Hörer. Viele lassen sich gar nicht mehr wirklich auf Musik ein. Kein Intro, das langsam aufbaut, kein Raum, um reinzukommen. Alles wird sofort weggewischt, wenn es nicht direkt kickt. Das finde ich ehrlich gesagt ziemlich schade. Dazu kommt diese extreme Eventisierung. Große Shows werden zu riesigen Ereignissen, Taylor Swift ist da das beste Beispiel. Alle gehen hin, alle wollen dabei sein, egal was es kostet. Aber ein Clubkonzert für 15 Euro oder ein kleines Festival wird dann schnell als „zu teuer“ oder „zu aufwendig“ gesehen. Diese Schieflage nervt mich wirklich, weil genau die kleinen Strukturen darunter leiden. Und das sind am Ende die Orte, an denen musikalische Vielfalt überhaupt erst entsteht.

Das Orange Blossom Special Festival, Bewerbungen und ein besonderer Ort

Du darfst gerne noch ein bisschen über dein Festival erzählen. Vor allem würde mich interessieren: Wenn ich jetzt eine Band bin, kann ich mich bei dir bewerben? Und was macht das OBS eigentlich so besonders?

Rembert: Ja, klar, Bands können sich grundsätzlich bewerben. Aber mir ist wichtig, dass das auf eine sinnvolle Art passiert. Am besten schaut man vorher auf unsere Website, weil dort genau erklärt ist, wie man sich bewerben soll. Wir bekommen extrem viele Anfragen über alle möglichen Kanäle, Instagram, Facebook, WhatsApp, E Mail, und vieles davon ist völlig unstrukturiert. Wenn man sich vorher kurz informiert, versteht man auch direkt, worum es beim OBS geht. Und genau das ist ein wichtiger Punkt: Das Line-up ist bei uns kuratiert. Das heißt, es wird nicht einfach nach Namen oder Trends zusammengestellt, sondern ich überlege mir sehr genau, welcher Act wann und wo im Ablauf Sinn ergibt. Es geht um einen musikalischen Flow über das ganze Wochenende. Wir haben kein Interesse an Tribute Bands oder bestimmten Genres, die nicht zu unserem Konzept passen. Das klingt vielleicht hart, ist aber einfach eine klare inhaltliche Ausrichtung.

Das Problem kennen viele aus der Szene, egal ob Festivals, Magazine oder Podcasts. Oft kommen einfach unpassende Bewerbungen rein, ohne Bezug zum Format.

Rembert: Genau, das ist ein großes Thema. Wir bekommen jedes Jahr ungefähr tausend Bewerbungen, aber wir haben vielleicht dreißig Slots insgesamt, inklusive Lesebühne. Das heißt, ich kann schon an der Betreffzeile oft erkennen, ob sich jemand wirklich mit dem Festival beschäftigt hat oder nicht. Es gibt natürlich auch die anderen Fälle. Junge Bands zum Beispiel, die es einfach ausprobieren wollen, die schreiben noch ehrlich und unaufgeregt. Das finde ich völlig in Ordnung. Da antworte ich dann auch manchmal und ermutige sie einfach weiterzumachen. Problematisch wird es eher, wenn man merkt, dass einfach Copy Paste gemacht wurde. Da steht dann plötzlich „Liebstes Maifeld Derby“ oder ähnliches, obwohl es nicht mal das richtige Festival ist. Dann merkt man sofort, dass sich niemand wirklich mit uns beschäftigt hat.

Copy Paste ohne Nachdenken also? Das kommt mir sehr bekannt vor.

Rembert: Ja, genau. Und das ist schade, weil es am Ende auch eine Frage von Respekt ist. Man muss nicht jede Bewerbung individuell schreiben, aber ein Minimum an Auseinandersetzung wäre schon wichtig. Es geht ja nicht nur darum, irgendwo einen Slot zu bekommen, sondern zu verstehen, ob man überhaupt zueinander passt.

Dann lass uns nochmal konkret über das Festival sprechen. Wie würdest du das OBS jemandem beschreiben, der noch nie da war?

Rembert: Das OBS findet in Beverungen in Ostwestfalen statt, ziemlich genau im Dreieck zwischen Bielefeld, Kassel und Göttingen, direkt an der Weser im Oberweserbergland. Viele kennen die Region nicht, aber genau das macht es auch besonders. Es ist ein sehr grünes, sehr ruhiges Gelände. Wir haben einen Campingplatz direkt am Fluss, nur ein paar Minuten vom Eingang entfernt. Das Festival selbst findet in einem Garten statt, mit alten Bäumen, sehr viel Natur, sehr intime Atmosphäre. Es ist kein riesiges, anonymes Gelände, sondern eher etwas, das sich sehr persönlich anfühlt.

Das klingt ziemlich bewusst anders als viele große Festivals.

Rembert: Ja, das ist es auch. Uns ging es nie darum, schnell Geld zu machen oder einfach ein großes Event zu bauen. Es ging immer darum, gute Musik mit guten Menschen an einem guten Ort zusammenzubringen. Deshalb gibt es auch ein kleines Rahmenprogramm, aber nichts Überladenes. Keine riesigen Eventflächen, sondern eher Dinge wie Spaziergänge, Boule, Vogelbeobachtungstouren oder ähnliche Angebote, bei denen man die Umgebung wirklich erlebt.

Ihr habt auch stärker auf Familien und Kinderfreundlichkeit gesetzt, oder?

Rembert: Ja, das war eine sehr bewusste Entscheidung, die sich aber auch aus der Realität ergeben hat. Viele aus unserem Team sind älter geworden, haben Kinder bekommen und plötzlich war klar: Wenn wir wollen, dass diese Menschen weiterhin Teil des Festivals bleiben, müssen wir Strukturen schaffen. Deshalb gibt es bei uns zum Beispiel eine kleine Kita im Backstage Bereich für Kinder von Crewmitgliedern. Und wenn wir das schon für das Team machen, war klar, dass wir auch für das Publikum ähnliche Angebote brauchen. Das bedeutet nicht, dass das Festival seinen Charakter verliert. Im Gegenteil, der eskapistische Teil bleibt komplett erhalten. Aber es gibt eben auch Möglichkeiten für Familien, das Festival entspannt zu erleben. Wir haben Wickel- und Stillbereiche, Kinderangebote, Bastelstationen, Upcycling, Sonnenmilch, Gehörschutz für Kinder, Trinkwasserstationen und vieles mehr. Alles sehr pragmatisch gedacht.

Also ein Festival, das versucht, verschiedene Lebensrealitäten mitzudenken?

Rembert: Genau. Und das funktioniert erstaunlich gut. Tagsüber laufen hier viele Kinder herum und das verändert die Atmosphäre positiv. Es macht das Ganze nicht weniger intensiv, sondern eher menschlicher.

Mehr zu Rembert Stiewe und dem Orange Blossom Special findet ihr in den Socials.

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Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.

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