Interview mit Peace Of Mind by Norman Schmitt

Interview und Text: Norman Schmitt / The Anti Archive

Seit über zehn Jahren ist Peace Of Mind eine feste Größe in der deutschen Hardcore-Szene – laut, direkt und kompromisslos ehrlich. Gegründet in der beschaulichen Stadt Sonneberg im Süden Thüringens, hat sich die Band ihren Platz in der Szene erspielt – mit schweißtreibenden Liveshows, ehrlichen Texten und einem Sound, der genauso roh wie durchdacht ist. Ihr neues Album „Blood Is The Price“ markiert für die Band einen Wendepunkt – musikalisch wie persönlich.

Im Interview sprechen Peace Of Mind über ihre Anfänge, Ideale und Einflüsse, die Bedeutung von Community und DIY-Spirit – und darüber, warum Hardcore für sie weit mehr ist als nur Musik.

Ich grüße euch und freue mich, dass Ihr die Zeit gefunden habt. Wie kam es zur Gründung von Peace Of Mind?

Im Grunde waren wir einfach nur 4 Freunde aus einer kleinen Stadt namens Sonneberg im Süden Thüringens mit einer noch kleineren Subkultur, die Lust hatten Hardcore Mukke zu schreiben. 

Wofür steht der Name „Peace Of Mind“ – gibt’s eine tiefere Bedeutung dahinter?

Die ewige Suche nach dem eigenen Seelenfrieden in einer Gesellschaft, die vielen Menschen zahlreiche Belastungen auferlegt, ist ein zentraler Punkt im Leben. Wir fanden den Namen sehr passend, da wir genau über diese Themen in unserer Musik sprechen wollten – und es in den letzten zehn Jahren auch getan haben. 

Wie würdet ihr euren Sound jemandem beschreiben, der noch nie Hardcore gehört hat?

Es ist eine wundervolle Kunstform von Krach. 

Welche Bands oder Künstler:innen haben euch am stärksten beeinflusst – musikalisch oder ideologisch?

Da gibt es einige Bands die uns vor allem in der Anfangszeit sehr inspiriert haben. In der deutschen Bubble waren es auf jeden Risk It, AYS und Gone To Waste. Weltweit wahrscheinlich Terror, Expire und Broken Teeth. Es war ein langer Prozess unseren Sound zu finden mit dem wir wahrscheinlich erst jetzt mit dem Release von Blood Is The Price wirklich zufrieden sind. 

Was war euer bisher prägendster Moment als Band – live oder im Studio?

Puh, das ist sehr schwer zu beantworten, da es in den letzten 10 Jahren viele prägende Momente gab. Erste Euro Tour 2016, das erste Mal als Band zu einem Konzert fliegen (2018 Helsinki), Kharkiv Hardcore Fest 2019 (24h mit dem Zug durch die Ukranie gefahren), Jede Hometown Show in den letzten 10 Jahren, nach fast einem Jahr Pause in der Corona Zeit wieder Konzerte spielen, 2024 mit Terror auf Tour sein, das erste Mal UK touren 2024, 2024 in der USA bei Taylor Young unsere neue LP aufnehmen, das erste Mal in der USA Konzerte spielen, auf dem For The Children Hardcore Fest in LA spielen, 10 Jahres Show auf dem RTS, auf dem Summer Breeze spielen usw.

Hardcore lebt von Haltung – was ist für euch der Kern dieser Subkultur?

Hardcore ist eine Subkultur die zugänglich für alle ist, sie lebt von der Diversität und dem DIY-Gedanken. Ausgrenzung und Ablehnung erlebt man täglich, im Hardcore ist das Ziel einen sicheren Ort zu schaffen. 

Wie politisch ist Peace Of Mind? Spielt Haltung in euren Texten und Auftritten eine Rolle?

Wir haben alle eine politisch gefestigte Haltung und machen auf Missstände und gesellschaftliche Probleme aufmerksam. Das ist und war immer ein fester Bestandteil unserer Persönlichkeit und Teil der Musik.

Wie seht ihr die deutsche Hardcore-Szene aktuell – eher im Aufwind oder stagniert sie?

Wir sehen den deutschen Hardcore aktuell immer noch im Aufwind. RTS war zum Beispiel das erste Mal ausverkauft, obwohl zum größten Teil nur Deutsche und kleinere EU/UK Bands gespielt haben. Ghetto Justice haben für ihre 10 Jahre-Show schon jetzt über 500 Tickets verkauft, das Mideast Blood HC Fest ist 2 Monate im Voraus ausverkauft. Deutsche Bands supporten regelmäßig große Touren. Dogbite und Dagger Threat gehen mit Nasty auf Tour. Major Festivals wie das Summer Breeze lassen deutsche HC Bands auf ihr Line Up. Ich glaube, man könnte noch einige weitere Beispiele aufzählen. 

Was wünscht ihr euch von der Szene – in Bezug auf Support, DIY-Spirit, Inklusion?

Wir wünschen uns, dass es Akzeptanz für jegliche Herangehensweisen gibt, wie man sich persönlich an Hardcore beteiligen möchte. Vorurteile sollten dabei keinen Platz haben, und wenn etwas nicht ganz funktioniert, findet man in der HC-Szene immer Menschen, die einem helfen. Hardcore lebt von Diversität und progressiven Gedanken, lebt das aus, konservatives Gelaber gibt es im Alltag schon genug.

Gibt es regionale Unterschiede im Hardcore zwischen Ruhrpott, Berlin, Süddeutschland usw.?

Nein, man sollte sich auch nicht daran messen was anders ist, sondern daran messen was eint. Das ist die Musik und der Spirit. Den erleben wir in allen Teilen Deutschlands und das macht uns sehr glücklich, ein Teil davon zu sein.

Euer neues Album erscheint bald – was steckt thematisch dahinter?

Die unendliche Suche nach dem Seelenfrieden, der Freiheitsgedanke, gesellschaftliche Probleme, überwundene Beziehungen, Angst vor dem Versagen, der stetige Kampf zum Überleben. Also es ist sehr vielfältig aufgestellt, aber spiegelt auch unsere Persönlichkeit wider und wie unsere Sicht auf die Welt ist.  

Wie läuft euer Songwriting-Prozess ab? Entstehen Texte zuerst oder die Musik?

Da sind wir tatsächlich konservativ unterwegs, uns fällt es wirklich viel einfacher: erst die Riffs, dann die Struktur des Songs und dann ganz am Ende erst den Text zu verarbeiten.

 Eure Liveshows gelten als intensiv – was ist für euch eine gute Hardcore-Show?

4 Bands, alle geben 20-30 Minuten alles auf der Bühne, nehmen das Publikum komplett mit und nach 3 Stunden ist die Geschichte vorbei und man hat noch stabile Hangouts mit der Community.

Was haltet ihr vom aktuellen Trend zu „Metalcore/Hardcore-Hybriden“ – inspirierend oder austauschbar?

Progressive Ideen sind immer gut und Hardcore ist da wahrscheinlich schon immer das beste Genre gewesen. Schon in den 80er hat man Hardcore mit Metal verbunden oder man ist eher beim Punk/HC geblieben. Das hat sich über die Jahre so stark geändert und es hat nie geschadet. Je größer man das Spektrum HC öffnet, desto mehr Menschen kann man ansprechen. Neben den Menschen ist es auch super nice, dass die Musik so divers ist. 

Wenn ihr euch eine Traum-Show zusammenstellen könntet – mit 3 Bands (lebendig oder tot) – wer wäre dabei?

Wir gemeinsam mit Terror, Kickback und Speed.

Habt ihr außerhalb der Band Projekte, Kollektive oder politische Aktivitäten, die euch wichtig sind?

Wir sind neben Peace Of Mind zum Teil beruflich als Lehrer aktiv, in regionalen Vereinen unterwegs, 3/4 sind absolute Sportfanatiker im Bereich Fußball und American Football, als auch zum Teil in progressiven Parteien Mitglied.

Danke für Eure Zeit, das letzte Wort bleibt bei euch!

Danke für das Interview! Hardcore ist der geilste Club der Welt!

 

Mehr zur Band Peace Of Mind findet ihr in den Socials.

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