Doppelbock mixen Witz, Tiefgang und Akkordeon zu klugen Songs mit Kneipencharme. Wer aber nur das Flache hört, verpasst das Beste.
Review: Mia Lada-Klein
Doppelbock. Schon der Name klingt nach Zapfanlage, Kneipengeruch und Bierbänken. Eine Band, bei der man sich fragt: Ist das jetzt genial oder einfach nur wirr? Die Antwort: beides und genau das macht den Reiz aus. Wer sich beim ersten Hören denkt, das sei plump oder albern, hat die halbe Wahrheit erkannt. Die andere Hälfte steckt tiefer, als man auf den ersten Blick vermutet.
Platt? Mit Absicht!
Doppelbock spielen mit Klischees, mit dumpfem Stammtischhumor, mit allem, was man sonst lieber als „Fremdscham“ abtut. Doch wer glaubt, das sei Zufall, irrt gewaltig. Diese Band weiß ganz genau, was sie tut. Die Jungs stellen sich dümmer, als sie sind und das gelingt nur, wenn man es eigentlich besser weiß und ordentlich was auf dem Kasten oder in ihrem Fall auf dem Bierkasten hat.
Ihr aktueller Song „Lecka Bierchen“ (erschienen am 24. Oktober) ist das perfekte Beispiel. Schon der Titel klingt nach Männerabend in der Dorfkneipe. Doch wer genauer hinhört, entdeckt zwischen Akkordeon, Rockgitarren und feuchtfröhlicher Mitschunkelstimmung eine kluge Beobachtung: das Bild eines Menschen, der mit seinem Leben irgendwo zwischen Leber und Langeweile hängt. Arbeitslos, glücklich, irgendwie frei oder einfach resigniert?
Party mit Pointe
Musikalisch verbinden Doppelbock Seemannsakkordeon und Rock, eine Mischung, die schon bei den Dropkick Murphys überraschend gut funktioniert hat. „Lecka Bierchen“ ist eingängig, laut, schräg, aber mit Ansage. Denn während man noch über den vermeintlichen Blödsinn lacht, schleicht sich die Erkenntnis ein, dass das alles gar nicht so weit weg von der Realität ist, dass die Überspitzung eigentlich teilweise Alltag ist.
„Lecka Bierchen“ ist keine Hymne aufs Besäufnis, sondern ein Spiegel, in dem wir uns alle ein bisschen selbst sehen können: überfordert, gelangweilt, irgendwie zufrieden mit dem, was wir haben, aber auch resigniert. Wer will, nimmt es als flache Partynummer. Wer kann, erkennt dahinter Gesellschaftskritik.
Mehr Hirn hinter der Mütze
Das Faszinierende an Doppelbock ist ihre Doppelbödigkeit. Sie wirken wie Atze Schröder mit Gitarre, laut, bunt, prollig, aber hinter der Fassade steckt mehr Haltung als in manch hochpoliertem Konzeptalbum anderer Bands. Sie kritisieren, ohne zu belehren, sie feiern, ohne sich zu verlieren. Sie zeigen, dass man Spaß haben und trotzdem was zu sagen haben kann.
2026 soll das neue Album kommen, und wenn es so weitergeht wie bisher, darf man sich auf genau das freuen: kluge Texte, verpackt in eingängige Melodien.
Fazit: Doppelbock ist wie ein All-you-can-eat-Buffet, du entscheidest selbst, ob du dich am Nachtisch überfrisst oder die feinen Aromen im Hauptgang erkennst. Wer nur das Flache sieht, bleibt an der Oberfläche. Wer tiefer schaut, merkt: Diese Band hat mehr drauf, als sie vorgibt. Also: Bierchen auf, Ohren auf und bloß nicht zu schnell urteilen.
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