Tine Blessing: CEO des Paranoyd Magazins und Motor hinter den Kulissen

Tine Blessing spricht im Interview über das Paranoyd Magazin, Musikförderung, Teamarbeit und ihren Support für Bands jeder Größe.

Interview: Mia Lada-Klein

Tine Blessing ist eine von wenigen Frauen in der Musikbranche, bei denen man ohne Übertreibung sagen kann: Sie hat sich ihr eigenes kleines Imperium aufgebaut. Sie ist der CEO, ja, genau so nenne ich sie, des Paranoyd Magazin. Wobei „Chefin“ bei Tine eigentlich schon wieder zu kurz greift. Denn klassische Hierarchien sind nicht ihr Ding. Paranoyd ist für sie Teamarbeit, ein Herzensprojekt, in dem sich alle auf Augenhöhe begegnen.

Auch bei den musikalischen Acts macht sie keine Unterschiede. Ob Underground-Newcomer oder etablierter Act, ob groß, klein, laut oder leise: Für Tine zählt am Ende nur eines: Ist die Musik gut und passt sie zum Magazin? Ob Yungblud oder Max Mustermann aus dem Proberaum um die Ecke spielt dabei keine Rolle.

Ich habe Tine zum Interview eingeladen, weil ich selbst Teil der Paranoyd-Family bin und weil ich einer Frau Raum geben wollte, die all das überhaupt erst möglich macht. Sie stellt die Plattform, sie supportet, sie öffnet Türen. Ohne großes Tamtam, aber mit umso mehr Herzblut.

Im Interview spricht Tine über die Anfänge von Paranoyd, über typische Magazin-Momente, die auch mal nerven dürfen, über besondere Erinnerungen und natürlich über Bands, die ihr trotz aller Gleichbehandlung besonders ans Herz gewachsen sind.

Von der Idee zum Online-Magazin Paranoyd

Hi Tine, freut mich, dass ich dich heute mal interviewen darf. Es soll um dein Magazin, das Paranoyd, gehen. Kannst du für uns alle mal zusammenfassen, was das Paranoyd macht und worum es hauptsächlich beim Paranoyd geht? Damit es auch jede:r mal gehört bzw. gelesen hat.

Tine Blessing: Danke, mich freut es auch, dass ich zu dem Thema was erzählen darf. Das Paranoyd ist ein Magazin für Bands und Musiker / Musikerinnen überwiegend aus dem Rock & Metalbereich, aber auch supporten wir mit dem Magazin die Sparten Punkrock, deutsche Rockmusik, Post-Hardcore und einiges mehr. Wir schauen mittlerweile auch gerne mal über den Tellerrand raus, was uns wirklich Spaß macht, weil es auch außerhalb des Rock & Metals wirklich gute Bands und Musiker / Musikerinnen gibt. Der Support steht bei uns an oberster Stelle wie z.B. mit Bandvorstellungen, Song- und Albenvorstellungen / Reviews, Interviews, Konzertberichte und vielem mehr. Das Ganze machen wir als Hobby, weil wir die Musik lieben, es ein großer Teil von unserem Leben ist und Support kann es gar nicht genug geben in der Musikszene. 

Wie fing es an mit dem Magazin? Wie kam es zu der Idee und wie waren die ersten Schritte? 

Tine Blessing: Tatsächlich war es eine Idee, die abends auf der heimischen Couch einen Funken fing und dann immer mehr zur Flamme wurde. Ich habe mir immer gesagt, ich mache was eigenes, um Bands und Musiker:innen zu unterstützen, weil Musik meine Leidenschaft ist. Und dann habe ich das Ganze umgesetzt und erstmal eine Facebook-Gruppe gegründet, die innerhalb einer Woche schon über 1000 Mitglieder hatte. So nahm das seinen Lauf, das Team wuchs und immer mehr Ideen wurden im Laufe der Zeit umgesetzt, sodass wir mittlerweile ein Online Musikmagazin sind, das mit viel Leidenschaft vom gesamten Paranoyd Team geführt wird.

Inhalte, Auswahl und Zusammenarbeit mit Bands

Welche Art von Inhalten bietet das Magazin seinen Lesern? Welche Rubriken und Themen werden besonders fokussiert behandelt? 

Tine Blessing: Unsere Hauptkategorie sind Konzert- und Festivalberichte. Wir lieben es, die Bands und Musiker:innen mit ihren Emotionen auf den Bühnen bildlich festzuhalten. Andere Rubriken sind Albumreviews, Songvorstellungen, Newsbeiträge, Interviews, Konzert-Vorberichte und manchmal kommen Ideen ganz plötzlich, die wir dann versuchen umzusetzen. 

Wie wählt ihr als Magazin die Künstler und Bands aus, über die es berichtet? Gibt es spezielle Kriterien oder Schwerpunkte bei der Auswahl? 

Tine Blessing: Wir prüfen jede Anfrage genau von Bands, die wir noch nicht kennen und machen uns erstmal ein Bild. Aber zu 98% bekommen wir auch tatsächlich nur Anfragen, wo im Vorfeld schon klar ist, dass deren Content zu uns passt. Dann arbeiten wir natürlich auch mit tollen Agenturen zusammen, wo wir von Anfang an wissen, da ist keine Prüfung notwendig, das passt. Es macht auf beiden Ebenen wirklich viel Spaß.

Wie können Bands, Künstler und Leser mit dem Magazin in Kontakt treten oder mit ihm zusammenarbeiten? Gibt es Möglichkeiten zur Mitarbeit oder zur Einreichung von Inhalten?

Tine Blessing: Am besten erreicht man uns per E-Mail. Darüber hinaus sind wir auch über Instagram und Facebook kontaktierbar. Die Bands, die sich bei uns melden, bringen sich aktiv in die Zusammenarbeit ein. Das schätzen wir sehr. Gleichzeitig erleben wir viel Dankbarkeit, die unsere Arbeit sichtbar wertschätzt.

Was macht für dich persönlich den besonderen Reiz der Rock- und Metalmusik aus und welche Bedeutung hat sie denn in deinem Leben? 

Tine Blessing: Rock- und Metalmusik ist einfach mein Leben. Ich brauche das wie andere ihre Zigaretten. Das ist eine Sucht, die ich täglich stillen muss. Ein Leben ohne Musik? Unvorstellbar! Ich bin mit dieser Musik auch aufgewachsen und konnte mich nie wirklich für andere Musiksparten interessieren. Diese Musik dann auch live zu erleben, in Clubs oder größeren Locations, ist einfach wahnsinnig toll und tankt meine Seele jedes Mal wieder auf. 

Welche besonderen Momente oder Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Paranoyd Magazin sind dir besonders in Erinnerung geblieben? 

Tine Blessing: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Es gibt sehr viele schöne und besondere Momente, in denen man immer wieder tolle Leute kennenlernt aus der Musikbranche. Jedes Konzert oder Festival ist auch auf seine Art besonders, auf denen man wiederum schöne Momente hat. Daher kann ich das so pauschal gar nicht sagen. Es sind so viele schöne Dinge.

Welche Rolle spielt für dich die persönliche Beziehung zu den Künstlern, über die du schreibst? Hat deine persönliche Meinung über einen Künstler oder eine Band jemals deine professionelle Arbeit beeinflusst? 

Tine Blessing: Nein, das hat es tatsächlich nicht. Ich finde es toll, wenn sich auf der Arbeitsebene auch eine Freundschaft entwickelt, was tatsächlich oft vorkommt, aber dennoch bin ich ehrlich, wenn ich über die Songs z.B. schreibe und mir dieser mal nicht zusagt. Musik ist immer Geschmacksache und ich bin der Meinung, dass dies eine Freundschaft zu einer Band oder einem Künstler / einer Künstlerin nicht beeinflussen sollte. 

Wie würdest du reagieren, wenn ein enger Freund oder eine enge Freundin, die auch Künstler sind, von dir erwartet, dass du in deinen Artikeln, ob Review oder Konzertbericht positiv über sie berichtest, auch wenn du ihre Musik nicht magst oder kritisch betrachtest? 

Tine Blessing: Ich würde ihnen sagen, dass sie von mir eine ehrliche Rezension erwarten können, aber ich lasse mich nicht vorher schon beeinflussen. Ich mache mir immer selbst mein Bild vom Ganzen. Auch wenn eine Freundschaft besteht, das eine ist geschäftlich, das andere freundschaftlich. 

Support, Haltung und Herausforderungen im Musikbusiness

Abschließend noch ein paar Fragen, um das Thema Support in den Fokus zu bringen. Gibt es einen bestimmten Künstler oder eine Band, der oder die dich besonders beeindruckt hat und warum?

Tine Blessing: Ja, die gibt es tatsächlich. Das sind die Jungs von Silenzer aus Österreich. Ich habe sie so ziemlich am Anfang ihrer Musikkarriere kennengelernt und mich gleich in ihre Musik schockverliebt. Ich habe sie dann kontaktiert und der Kontakt wurde immer mehr und ich habe von Anfang an das Potenzial in ihnen gesehen. Für mich war es eine Herzensangelegenheit, die Jungs mit Herzblut zu supporten und sie hier in Deutschland bekannter zu machen. Das hat auch echt super funktioniert und es war so schön zu sehen, wie immer mehr Leute plötzlich die Musik und Beiträge von Silenzer gehört und geteilt haben. Jetzt stehen sie auf Bühnen wie dem NOVA ROCK und ich bin unheimlich stolz auf sie, was sie bis jetzt erreicht haben. Und ich weiß, da geht noch viel mehr. Die Jungs sind unfassbar sympathisch und dankbar. Aber auch z.B. Escape from Wonderland, die Jungs habe ich auch relativ am Anfang ihrer Musikkarriere kennengelernt und es freut mich total diese Entwicklung zu sehen und wo sie jetzt stehen. Ich hoffe, sie in den nächsten Jahren noch auf mehr großen Bühnen zu sehen, denn das haben sie sich absolut verdient. 

Welches war das denkwürdigste Konzert oder Event, über das du je berichtet hast bzw. dass du fotografieren durftest und warum bleibt es dir so stark in Erinnerung? 

Tine Blessing: Ich habe jetzt echt eine Weile überlegt, aber tatsächlich habe ich kein denkwürdigstes Konzert fotografiert oder darüber berichtet. Sie waren alle auf ihre Art und Weise toll. Ich kann dir aber sagen, welche Konzerte mir stark in Erinnerung geblieben sind, die ich fotografieren durfte. Das waren genau vier: Slipknot, Electric Callboy, Bullet for my Valentine und Volbeat.  

Fotos von Tine Blessing zu Slipknot

Konzertbericht vom Paranoyd Magazin zu Slipknot.

Fotos von Tine Blessing zu Volbeat

Konzertbericht vom Paranoyd Magazin zu Vollbeat.

Tine, zum Abschluss nochmal ein paar heiklere Fragen. Als renommiertes Magazin kriegen wir als Team ja ohne Ende Anfragen. Gibt es da auch Dinge, bei denen du direkt sagst: So bitte nicht! Welche Fehler machen Bands bei Anfragen immer wieder? Jetzt darfst du es raushauen. Gibt es Dinge, bei denen du sofort abwinkst, egal, wie gut die Musik vielleicht ist? 

Tine Blessing: Da fällt mir als Erstes ein, dass manche Anfragen immer viel zu kurzfristig reinkommen. Wenn eine Band morgen oder auch in zwei Tagen einen neuen Song veröffentlicht, ist das einfach zu kurzfristig für uns. Da wir ja auch mit Agenturen zusammenarbeiten und auch terminierte Beiträge haben, haben wir natürlich ganz viel Stuff auf unseren To-do-Listen. Wir möchten so ein Review oder alles andere auch nicht einfach nur schnell fertig bekommen, nein, wir möchten uns für jede Anfrage auch Zeit nehmen und uns damit beschäftigen. Aber auch wenn man sich noch nicht kennt und einfach so eine plumpe Anfrage reinkommt, „ja hier macht mal“, sagen wir nein. Wir machen das alles total gerne, aber wir wissen auch was wir leisten und möchten auch, dass unsere Arbeit schon bei der Anfrage wertgeschätzt wird. 

Zwischen Professionalität und Penetranz: Wie viel Eigeninitiative ist bei Bands wünschenswert und ab wann kippt es in unangenehmes „Klinkenputzen“? 

Tine Blessing: Eigeninitiative bringen die Bands in der Regel bereits mit, da sie uns selbst anschreiben, entweder zum ersten Mal oder weil bereits ein regelmäßiger Kontakt besteht. Vereinzelt kam es jedoch vor, dass das Interesse an einem Beitrag zunächst sehr groß war und anschließend keine Rückmeldung mehr erfolgte. Das finden wir schade, insbesondere bei noch unbekannteren Bands, die gerade im Begriff sind, sich eine Reichweite aufzubauen und solche Chancen ungenutzt lassen. Wir unterstützen bewusst nicht nur etablierte Acts, sondern auch weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler. Gerade für sie kann ein Beitrag mit der Reichweite unseres Magazins eine wertvolle Möglichkeit darstellen. Zum Thema unangenehmes „Klinkenputzen“ können wir natürlich wenig sagen, da wir das bislang kaum oder gar nicht wahrgenommen haben.

Unabhängigkeit vs. Klickzahlen ist ja auch ein Thema. Viele junge Bands beklagen, dass Medien oft lieber über große Namen berichten, weil sie Reichweite bringen. Das Paranoyd gehört, wie du eben nochmal klargestellt hast, definitiv nicht dazu. Aber wie frei kann ein Musikmagazin heute wirklich agieren oder spielt am Ende einfach doch der Algorithmus bzw. auch eben die Fanbase einer Band eine Rolle? 

Tine Blessing: Wir berichten natürlich auch über die großen Bands und Acts, weil das natürlich auch von unserer Community gesehen werden möchte. Diese bringen auch viele Klickzahlen, das ist ganz klar und das ist auch das, was ein erfolgreiches Musikmagazin heutzutage braucht, eben weil man auch was erreichen möchte. Aber wir wissen auch, woher wir kommen und dass wir auch mal klein angefangen haben und das vergessen wir nicht. Deswegen schlägt unser Herz auch weiterhin für die Bands, die auch so unfassbar gut sind, aber eben (noch) nicht diesen Status wie eine große Band haben. Aber auch diese Klickzahlen sollte man nicht unterschätzen, die sind oft sogar überraschend gut. Der Algorithmus spielt natürlich auch eine große Rolle und das genau so, wie eine Fanbase. Auch eine weniger bekannte Band kann eine sehr gute Community haben, die Aufmerksamkeit generiert. Beides ist also auch wichtig. Aber wir supporten alle Künstler und Acts, die zu uns passen. Das ist entscheidend. 

Mehr zu Tine Blessing und dem Paranoyd Magazin findet ihr in den Socials.

Tine bei Instagram

Instagram Paranoyd

Website Paranoyd Magazin

Mehr Soundcheck Sessions findet ihr auf der Website:

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Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.

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