DORIS: Alltag einer Metal Enthusiastin zwischen Label, Radioshow und Podcast

Frau mit hochgesteckten braunen Haaren und schwarzem Hoodie

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Doris ist Metalhead. Aber damit ist längst nicht alles gesagt. Sie ist Fan, vor allem der lieblich engelsgleichen Klänge von Will Ramos von Lorna Shore, die ihr Entspannung verschaffen. Während andere Stille brauchen, findet Doris ihre Ruhe in Wucht, Präzision und gnadenlosen Blastbeats.

Sie supportet Bands, promotet, ist Teil einer Radiosendung, spricht im METAL TALK PODCAST „Die Dummschwätzer“ und lebt bevorzugt dann, wenn andere längst schlafen. Nachteule trifft es ziemlich gut. Bei unserem abendlichen Interview strahlte sie, als käme sie gerade aus der Maske. Ihr Geheimnis? Keine teuren Cremes, kein Botox, sondern schlicht das tun, was man liebt. Das scheint ziemlich zuverlässig zu wirken.

Dabei ist ihr Alltag alles andere als entspannt. Vollgepackt, streng getaktet und produktiv auf einem Level, bei dem viele vermutlich eher die Flucht ergreifen würden. Doris hingegen strahlt und hebt ganz nebenbei Produktivität auf ein neues Niveau.

In unserem Interview ging es genau darum. Um sie, ihre Arbeit, ihre tiefe Liebe zur Musik, um Radio, Podcast, junge Bands und große Träume. An Tipps hat Doris nicht gespart und an spannenden Einblicken hinter die Kulissen glücklicherweise auch nicht. Wer dachte, hier kommt nur Metal, bekommt deutlich mehr.

Doris, dann starten wir gleich mit der Eingangsfrage. Du heißt @doris_metal. Ist das auch dein Genre oder bist du musikalisch breiter aufgestellt?

Doris: Auch Metal ist ja breit gefächert. Es gibt Subgenres ohne Ende, wie in keinem anderen Musikbereich. Ich komme ursprünglich aus der Klassik, habe auf dem musikalischen Gymnasium das Klavierabitur gemacht und in der Big Band Saxophon gespielt. Das heißt, ich habe ein bisschen von den Grundtheorien der Musik Ahnung. Musikalisch war in meiner Freizeit aber eigentlich Punk das erste, muss ich ganz ehrlich sagen. Danach kam alles, was in Deutschland passiert ist: Rammstein, System of a Down, MTV. Ich habe wirklich alles mitgemacht. Wer meinen Content kennt, weiß, dass ich zwar hauptsächlich Metal spiele, aber auch Punk und Hardrock. Ich versuche immer, für jeden etwas zu finden, sei es etwas Neues, Interessantes oder alte Klassiker wieder aufleben zu lassen. Mein Ziel ist nicht, nur meinen eigenen Stil zu präsentieren, sondern auch Leute aus dem Power-Metal-Bereich für Neues zu begeistern. Oft denken die: „Oh, das wusste ich noch nicht, dass da etwas Spannendes rausgekommen ist.“

Du hast also ein sehr offenes Spektrum und probierst vieles aus. Wie bist du überhaupt auf Instagram so aktiv geworden?

Doris: Ich bin noch nicht lange auf Instagram, erst seit Ende 2021. Anfangs wollte ich einfach nur Musik posten, ein bisschen das System kennenlernen. Dann ist daraus ganz schnell ein riesiges Mini-Imperium geworden, obwohl das nie mein Ziel war. Das ist einfach passiert und es ist interessant zu sehen, wie Instagram Musik fördern und verbreiten kann. Ich habe kein festes Vorliebgenre, aber beim Auswählen habe ich natürlich meine Präferenzen. Besonders gern mag ich aber Death und Thrash Metal, die Mischung aus beiden ist perfekt: hart und schnell. Ich mag aber auch Deathcore. Meine Lieblingsband ist mittlerweile Lorna Shore, auch wenn es für viele zu hart ist. Aber diese Mischung aus allem ist einfach perfekt. Kürzlich war ich bei Propane auf einem Hardcore-Konzert. Ich gehe wirklich auf alles, von Festivals bis zu kleinen Konzerten. Mein Ziel ist es, Musik zu präsentieren und Leute zu animieren, auch mal Neues auszuprobieren.

Doris: Instagram, Podcast und Radio

Du bist ja auch Teil von Podcasts und gehörst zur Radio-Welt. Kannst du kurz erläutern, wo du überall aktiv bist?

Doris: Auf Instagram habe ich schon früh „Promotion“ in meinem Namen vermerkt, also Werbung in vielen Bereichen. Ganz unverhofft kamen dann Bands auf mich zu: „Können wir bei euch im Podcast unsere Musik vorstellen?“ Der Podcast, ursprünglich nur als Talk zwischen mir und einem Freund gedacht, hat sich daraus entwickelt. Er heißt „Die Dummschwätzer“. Wir wollen nicht nur trockene Gespräche führen, sondern auch ein bisschen Humor reinbringen. Wir laden Künstler ein, die ihre neue Musik vorstellen, über Konzerte berichten oder ihre Band präsentieren. Die Episoden gibt es auf YouTube und auf allen gängigen Audio-Streaming-Plattformen wie Spotify oder Amazon. Irgendwann haben wir dann bei Radio Diabolos angefragt, ob eine Zusammenarbeit möglich ist. Daraus ist tatsächlich ein Sendeplatz entstanden und so machen meine Kollegen Fritze, Bassist der Band HYPOTHERMIE aus Sachsen-Anhalt, Stephan Fischer, ein Metal-Veteran aus München und ich eine Radiosendung. Wir spielen klassischen, neuen und altbewährten Metal, unterstützen den Underground und geben Bands die Möglichkeit, ihre Musik im Radio zu präsentieren. Viele Bands haben sonst keine solche Chance.

Und eure Radiosendung, wann läuft die eigentlich?

Doris: Der Radiosender ist weltweit empfangbar, das heißt, wir erreichen ein breites Publikum. Wir haben gerade Samstag und Montag um 5 Uhr jeweils einen Slot von drei Stunden. Alle zwei Wochen bringen wir dann eine neue Sendung raus. Unser Podcast läuft außerdem am Donnerstag um 16:30 Uhr, da veröffentlichen wir immer wieder neue Folgen, teilweise auch Wiederholungen. So bekommen die Bands, die im Podcast vorgestellt werden, zusätzlich Unterstützung, gerade wenn sie neue Musik präsentieren.

Das klingt nach zwei großen Zeitfressern neben deinem „richtigen“ Job. Gibt es noch weitere Tätigkeiten, die viel Zeit beanspruchen?

Doris: Ja, ich bin auch in einem Musiklabel aktiv, das heißt Gottes Rache Records. Ein guter Freund von mir, Tom, hat das Label übernommen und seit Januar unterstütze ich ihn bei der Organisation im Hintergrund, zum Beispiel bei Bürotätigkeiten, die auch zu meinem Berufsfeld gehören. Außerdem akquiriere ich Bands, scoute sie auf Konzerten und kümmere mich um administrative Aufgaben.

Welche Genres betreut das Label?

Doris: Hauptsächlich Black Metal, Death Metal und Thrash Metal. Tom produziert Vinyl, dreht Videos, betreibt einen Online-Shop und ich unterstütze ihn dabei, dass alles reibungslos läuft. Zusätzlich mache ich Werbung für den Merch der Bands. Das ist sehr wichtig, weil die Bands vom Verkauf ihrer CDs, T-Shirts oder anderen Produkten leben. Jeder Euro fließt zurück in die Bandkasse, für neue Musik, Equipment oder Auftritte.

Du machst also wirklich eine ganze Menge. Wenn man zurückblickt: Du bist mit MTV und Viva aufgewachsen. Heute gibt es soziale Medien, YouTube, Instagram, TikTok und junge Bands. Wie hat sich die Musiklandschaft dadurch verändert?

Doris: Definitiv enorm. Früher hast du Musik im Plattenladen entdeckt, warst bei Metallica, AC/DC, Iron Maiden oder den Großen und hast manchmal etwas Unbekanntes gefunden. Es gab den Metal Hammer und das war es im Grunde. Bands wurden dann entweder zufällig entdeckt oder jemand mit Einfluss hat sie gepusht. Heute kann praktisch jede Band sich selbst promoten.

Bedeutet das, dass es einfacher ist, sich Gehör zu verschaffen?

Doris: In gewisser Weise ja, aber gleichzeitig auch viel schwieriger, weil die Masse an Musik unglaublich ist. Du brauchst Budget für Proberaum, Instrumente und im Idealfall einen Engineer für Mixing und Mastering. Früher mussten Bands oft einfach nur im Proberaum spielen. Heute hast du viel mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Konkurrenz.

Du erwähnst gerade den finanziellen Aspekt?

Doris: Im Underground bekommst du vielleicht 150 bis 200 Euro für einen Auftritt von einer dreiviertel Stunde. Wenn du zwei Autos voller Equipment dahin transportierst, bleibt nicht viel hängen. Das meiste Geld kommt vom Merch-Verkauf. Bands, die entdeckt werden wollen, müssen also clever wirtschaften.

Gibt es noch klassische Scouts für Bands?

Doris: Ja, zum Beispiel Veranstalter, die sich Underground-Bands anschauen, die noch keine Headliner sind, um zu sehen, wer vielleicht für das nächste Festival passt. Trotzdem musst du heutzutage mit deiner Musik überzeugen. Unter Millionen von Veröffentlichungen aufzufallen, ist die größte Herausforderung.

Und wie schafft man Aufmerksamkeit in dieser Fülle?

Doris: Entweder man investiert in Werbung und nutzt soziale Medien, weil sich dort alles abspielt, oder man überzeugt die Leute einfach durch gute Musik. YouTube, Facebook, Instagram, alles das sind die Plattformen, auf denen man sichtbar wird. Kurz gesagt: gute Präsentation in Kombination mit starkem Content.

Und Spotify?

Doris: Spotify spielt eine große Rolle. Du musst auf Playlists kommen, entweder durch bezahlte Ads, Bots oder organisch. Wer das Risiko eingeht, kann Sichtbarkeit erzeugen. Die andere Variante ist, dass du einfach so gut bist, dass sich ein Schneeballeffekt einstellt und die Leute von selbst auf deine Musik aufmerksam werden.

Gibt es Bands, die heute schon eine ähnliche Wirkung haben wie Metallica früher?

Doris: Ja, es gibt junge Bands, die heute als Säulen gelten, wie Amon Amarth. Sie verdrängen nach und nach die älteren Bands, die nicht jünger werden. Man sieht, wie sich die Szene ständig wandelt und wer langfristig relevant bleibt, hängt stark von Qualität, Sichtbarkeit und Netzwerk ab.

Doris über Bands im Spagat zwischen Kreativität und Algorithmus

Gibt es da eine bestimmte Band, die dich besonders beeindruckt hat?

Doris: Frostshock haben mich sehr begeistert. Das ist eine ganz junge Band, die erst seit den Anfängen der 2020er existiert. Die haben enormes Potenzial, sind sehr kreativ, gestalten sogar ihr eigenes Cover-Artwork und das macht das Ganze noch besonderer. Solche Handwerksstücke heben sich deutlich von KI-generierten Inhalten ab.

Also ist Kreativität, die über die Musik hinausgeht, noch ein entscheidender Faktor?

Doris: Absolut. Wenn du kein Budget hast, musst du herausstechen. Live-Auftritte sind wichtig, um eine Fanbase aufzubauen. Entdeckt zu werden ist schwer, aber ein Wiedererkennungswert ist entscheidend. Nur gute Musik zu machen reicht nicht, wenn sie nicht spannend präsentiert wird.

Ich finde, Intelligenz und eine Art Businesswissen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Doris: Klar. Neben der Kunst muss man auch den kommerziellen Teil verstehen. Dazu gehören Business, Verträge und Organisation. Als Band ist man eine kleine Firma, die wirtschaftet. Viele sind damit irgendwann überfordert, weil sie denken: „Das ist doch nur ein Hobby.“ Und ja, das darf es auch sein, aber man braucht eine Person, die sich um all diese Dinge kümmert, wie Verträge und Co., sofern man weiterkommen will.

Und das gilt auch für Social Media, nehme ich an?

Doris: Ja, man muss auf allen Plattformen präsent sein: Spotify, TikTok, YouTube, Instagram, jede Plattform hat ihre eigenen Algorithmen. Für Bands ist das enorm viel Arbeit.  Bands müssen kreativ sein, Videos machen, sich vor die Kamera trauen. Einfach nur sagen „Hier ist unsere neue Platte“ reicht nicht mehr. Qualität, guter Sound, gute visuelle Umsetzung, das ist A und O. Die meisten Menschen sind stark visuell geprägt, sie scrollen durch Instagram, YouTube oder TikTok. Wer kreativ und visuell ansprechend ist, hat bessere Chancen.

Kunst und Kommerz zu verbinden, war schon immer eine Herausforderung. Jetzt kommt noch KI dazu, die Konkurrenz verstärkt. Man kann sie verteufeln, aber sie ist da und Bands müssen lernen, damit umzugehen. Wie siehst du KI in der Musik? Ist das eine Gefahr für die Künstler oder eher eine Bereicherung? Macht es dir Angst?

Doris: Ich glaube, KI birgt Chancen und Risiken. Es gibt viele positive Aspekte, aber natürlich macht es auch ein bisschen Angst. Gleichzeitig ist das nicht nur ein Thema für Musiker, sondern für viele Bereiche unseres Lebens.

Kannst du dir vorstellen, dass irgendwann nur noch KI-Musik existiert und keine echten Künstler mehr?

Doris: Nein, das glaube ich nicht. Der gesunde Menschenverstand und vor allem der erfahrene Musikliebhaber können unterscheiden, ob Musik von Menschenhand oder von KI kommt. KI kann einiges unterstützen, aber sie ersetzt nicht die Arbeit und Leidenschaft eines echten Künstlers. Wir nutzen KI zum Beispiel für OCR-Erkennung von Dokumenten im Büro, aber das funktioniert nur, wenn der Mensch dabei ist. Ähnlich ist es bei Musik: Ein abgespieltes KI-Stück auf einem Feld ersetzt nicht das Festival-Feeling. Die Energie, die eine Band live auf die Bühne bringt, das Schwitzen, die Interaktion mit der Crowd, alles das kann keine Maschine liefern.

Du hast auch schon einmal musikalisch KI ausprobiert, oder?

Doris: Ja, unter unserem Pseudonym „Headbanger Field“ haben wir mal Jingles für unsere Sendung erstellt, sozialkritische Texte oder Trailer für unsere Shows. Man gibt einen Prompt vor, also Hardcore, tief, schnell, und die KI setzt es um. Für uns war das spannend und hat Spaß gemacht, aber es ist nie perfekt und entspricht nicht der Musik, die wir lieben.

Und wie war die Resonanz der Community darauf?

Doris: Wir haben tatsächlich auch ein bisschen Gegenwind bekommen. Manche Leute in Gruppen haben gesagt: „So ein Scheiß!“ Aber für uns war es ein Experiment, um zu sehen, was technisch möglich ist. Wir wollten damit kein Geld verdienen, sondern ausprobieren, wie KI uns unterstützen kann.

Welche Möglichkeiten bietet KI sonst noch für Musiker?

Doris: KI kann zum Beispiel helfen, Artworks zu erstellen, Videos zu verbessern oder Lyrics-Videos zu produzieren, besonders während der Corona-Zeit war das beliebt, als man nicht raus konnte. Aber es ist kein Knopfdruck. Man muss viel Arbeit investieren, damit das Ergebnis passt. KI kann also unterstützen, aber sie ersetzt nie einen Musiker, der sich ein Jahr lang in seine Platte vertieft, das Mixing perfektioniert, das Mastering abstimmt. Man hört den Unterschied. Es gibt sogar Formate, wie die Rubrik von Otti vom Metalkeller: „KI oder nicht?“. Da müssen die Gäste erkennen, ob Musik echt oder KI-generiert ist.

Also die Zukunft der Musik bleibt menschlich?

Doris: Ja, ich glaube daran. Hologramme oder vollautomatisierte KI-Bands kann ich mir nicht vorstellen. Die Emotion, die Energie und die Verbindung eines echten Auftritts bleibt unschlagbar.

Aber viele junge Bands kämpfen augenblicklich vor allem mit Konzerten und Ticketverkäufen. Die ganz großen Bands haben schon alles abgedeckt. Social Media kann eine Plattform sein, aber gleichzeitig gibt es dort auch, wie du auch selbst eben angemerkt hast, Hass, Neid und Empathielosigkeit. Wie gehst du mit Social Media als Privatperson um, fernab von Job und Musik?

Doris: Eigentlich gar nicht. Ich nutze Social Media nur für meine Nebenjob-Tätigkeiten, also für alles rund um Musik, Podcasts, Radio oder das Label. Zeit für private Nutzung bleibt kaum, weil ich kein Fernsehen schaue, außer Fußball, und seit Jahren kaum Filme oder Serien gesehen habe. Früher habe ich mein Leben voll auf Arbeit und Lesen konzentriert. Erst Ende 2021 habe ich Social Media aktiv genutzt, zunächst um mich in der Szene zu informieren, dann aber auch, um Bands zu supporten und meine Inhalte zu verbreiten.

Also hat sich bei dir quasi alles eher aus Notwendigkeit heraus entwickelt?

Doris: Genau. Nach der Corona-Zeit, als man lange eingesperrt war, hat es mir geholfen, die Musik wieder nach außen zu tragen, auf Konzerte zu gehen und zu zeigen, was in der Szene passiert. Instagram war für mich die Plattform, um das zu tun. Im Vergleich zu YouTube finde ich Instagram positiver: Es gibt keinen „Hate-Button“ wie das „Gefällt mir nicht“, Kommentare sind meist auch lustig oder spitzfindig, und jeder Kommentar füttert den Algorithmus. Für mich ist es übersichtlich, sauber strukturiert und ideal, um eine Community aufzubauen und Musik zu bewerben.

Doris im Arbeitsalltag zwischen Skript und Szenen

Und wie sieht dein Alltag aus, wenn du so viele Projekte managst?

Doris: Mein Tag ist eng getaktet, aber ich zwinge mich nicht zu starren Zeiten. Ich arbeite oft abends, weil ich tagsüber meinem Hauptjob nachgehe. Ich sitze gerne abends und bereite Interviews vor, plane Radio- oder Podcast-Sendungen, stimme Songs ab, schreibe Skripte und bespreche Konzepte mit Kollegen. Alles, was größere Projekte betrifft, passiert abends oder am Wochenende.

Also ein sehr strukturierter Tagesablauf trotz vieler Aufgaben?

Doris: Genau. Ich habe mir Vorlagen und Routinen erarbeitet. Wenn ich ein Interview vorbereite, gehe ich nach einem festen Muster vor. Das sorgt dafür, dass die Bands sich wohlfühlen, man Details abdeckt und trotzdem alles effizient bleibt. Schlafen tue ich wenig, aber ich bleibe fit in meinem Job und quäle mich nicht. Es ist eine Balance zwischen Struktur, Leidenschaft und Lebensalltag.

Klingt nach viel Arbeit, aber auch nach Freude.

Doris: Absolut. Das ist kein Zwang, es ist Motivation. Dopamin und dieses Glücksgefühl kommen, wenn eine Radiosendung fertig ist oder ein Podcast live geht. Man freut sich über die runde Sache, die Qualität der Arbeit und das überträgt sich auch auf das Publikum.

Gibt es Momente, die dir persönlich besonders Freude bereiten?

Doris: Ja, vor allem Gespräche mit Bands. Nicht nur, um Content zu produzieren, sondern um hinter die Fassade zu schauen, hinter all die Black-Metal-Bands, Corps-Paint-Bands, Trash-Bands, alle Arten von Musikern. Ich frage nach ihren Ideen, warum bestimmte Songteile eingebaut wurden, woher ein Sample stammt. Das macht es spannend und persönlich, sowohl für mich als auch fürs Publikum.

Also der persönliche Austausch ist dir wichtiger als nur die Musik selbst?

Doris: Ja, genau. Es geht mir darum, die Bands als Menschen zu zeigen, ihre Kreativität zu beleuchten. Wenn sie klug, lustig oder spontan sind, entsteht ein gutes Interview und das bekommt hoffentlich auch die Aufmerksamkeit, die es verdient, auf YouTube oder als Audioformat.

Und wie empfindest du die Gespräche mit Bands? Gibt es Momente, die dich besonders faszinieren bei den Bands?

Doris: Ja, absolut. Ich habe in den letzten Gesprächen so viele interessante Persönlichkeiten erlebt. Auf der Bühne wirken sie brutal, headbangen, schreien sich die Seele aus dem Leib und danach sitzt man da, trinkt einen Kaffee oder spielt mit der Katze. Diese Dualität finde ich faszinierend und genau das macht für mich den Reiz der Interviews aus.

Du meinst also, dass es oft einen Unterschied zwischen Bühnenpersona und Persönlichkeit gibt?

Doris: Ganz genau. Viele Bands, besonders im Black-Metal-Bereich, haben ein extrem hartes Image. Aber in Interviews zeigt sich dann, dass sie keine Monster sind. Sie sind normale Menschen, die einfach eine bestimmte Philosophie verfolgen. Social Media-Kritik kann da allerdings sehr heftig sein. Ein kleiner Fauxpas oder ein missverständlicher Satz kann die ganze Wahrnehmung einer Band zerstören.

Das ist ein großer Unterschied zu Interviews, die ich führe. Ich muss immer abwägen, was veröffentlicht wird und was nicht. Manchmal sage ich mir, das kommt jetzt nicht rein, weil es der Band schaden könnte. Ich erinnere mich an Interviews, die 37 Minuten dauerten, von denen ich 25 Minuten nicht verwenden konnte, weil die Künstler Dinge gesagt haben, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht waren. Es gibt Künstler, da ist es mir egal, aber es gibt auch Momente, wo ich selbst merke, die wollen jetzt einfach nur reden und haben offensichtlich niemanden, der ihnen zuhört. Man möchte die Band authentisch darstellen, ihre Philosophie erklären lassen, aber auch verhindern, dass einzelne Aussagen aus dem Kontext gerissen werden und missverstanden werden. Wie geht ihr damit praktisch um?

Doris: Ich editiere alles vor. Alles, was unter die Gürtellinie geht oder der Band schaden könnte, wird natürlich auch entfernt. Persönliche Dinge, die nicht öffentlich sein sollten, fließen ebenfalls nicht ins Interview. Das gilt auch bei uns. Ziel ist immer, dass die Band gut dasteht, sich korrekt präsentieren kann und das Gespräch dennoch authentisch bleibt.

Also ist es bei euch auch manchmal Schutz für die Künstler?

Doris: Genau. Man muss aufpassen, was man veröffentlicht. 

Du hast gerade das Skript erwähnt. Skriptest du alles für den Podcast? Auch den Ablauf, nehme ich an?

Doris: Genau. Für den Podcast habe ich ein Skript, das mir den Rahmen vorgibt. Ich beginne immer mit einer kurzen Vorstellung: Welches Album wird besprochen, wann war der Release, wo kommt die Band her, welches Genre spielen sie, Homepage, Social Media Links, die nächsten Auftritte und dann gehe ich ins Detail bei den Songs. Das ist unsere feste Struktur.

Gibt es da auch spontane Elemente, oder alles strikt vorgegeben?

Doris: Natürlich, ich habe auch einen Kurzfragenteil, den ich mal als kleines Interviewformat gedacht habe. Den setze ich meist ans Ende, so fünf bis zehn Minuten, um das Ganze aufzulockern. Es ist dann eher ein Frage-Antwort-Spiel, auch lustig oder ein bisschen anstößig, damit man daraus Reels oder kurze Videos schneiden kann.

Also nutzt ihr das Skript hauptsächlich für die Struktur, aber lässt Freiraum für Kreativität?

Doris: Genau. Wir haben ungefähr 16 bis 17 verschiedene Kategorien: New Releases, Podcast-Themen, Konzerte, Songwünsche von Hörern, Kommentare oder Grüße von Fans. Wir drei Moderatoren bringen unsere eigene Perspektive ein. Ich kümmere mich zum Beispiel um New Releases und den Underground, die anderen eher um Klassiker.

Das klingt nach einer sehr organisierten Herangehensweise.

Doris: Ja, es macht Spaß, weil jede Sichtweise anders ist. Wir haben verschiedene Generationen vertreten: Ein Kollege ist älter und kennt die Oldschool-Szenen, während ich eher aus der New-Metal-Generation komme mit Bands wie Slipknot oder Linkin Park. Dadurch ist die Auswahl der Songs vielfältig und interessant.

Doris: Musik als Rückzugsort und Antrieb

Was war denn dein musikalisches Highlight 2025?

Doris: Mein Highlight war eindeutig das Album von Lorna Shore. Schon beim Gedanken daran bekomme ich Gänsehaut, wenn ich bestimmte Songs höre. Es ist faszinierend, wie tiefgründig die Texte sind, selbst abseits der harten Blastbeats und Breakdowns.

Hörst du solche Musik auch bewusst, wenn es dir nicht gut geht?

Doris: Ja, genau dann. Während andere vielleicht fröhliche Musik hören, um schlechte Laune zu vertreiben, will ich in diesen Momenten tief eintauchen. Die Musik begleitet mich, verstärkt mein Gefühl und gibt mir etwas.

Gibt es neben den Alben auch Festivals, die für dich jedes Jahr ein Muss sind?

Doris: Ja, auf jeden Fall Rockharz Open Air und Summer Breeze Open Air. Das sind meine festen Festivals, auf die ich mich immer freue. Dort treffe ich Leute, die ich sonst nur online kenne und man verbringt einfach eine gute Zeit mit Musik und Gleichgesinnten.

Das klingt nach einem wichtigen Ausgleich, gerade wenn man so viel Zeit in Arbeit, in Radio und Podcast steckt.

Doris: Absolut. Wir arbeiten oft so viel, dass Freizeit oder Sport hinten anstehen. Umso wichtiger ist es, rauszukommen, Konzerte zu besuchen und Bands live zu sehen. Es gibt ein Überangebot an Musik und Konzerten, aber gerade für die kleineren Bands ist es entscheidend, dass das Publikum da ist und die Energie zurückgibt.

Also ist Live-Musik für dich nach wie vor das Herzstück der Szene?

Doris: Definitiv. Ohne Live-Erfahrung fehlt einfach das, was Musik wirklich ausmacht, also die Interaktion, die Energie, das gemeinsame Erlebnis. Egal wie viele Streams oder Videos es gibt, das echte Konzert bleibt unersetzlich.

Ich bin tatsächlich kein großer Konzertgänger, muss ich ehrlich sagen. Nicht, weil die Bands schlecht sind, sondern eher, weil ich beruflich viel unterwegs bin und dadurch übersättigt wurde. Trotzdem, wenn ich dann mal bewusst auf ein Konzert gehe, ist es dann auch tatsächlich ein besonderes Erlebnis.

Doris: Absolut. Wenn ich mich bewusst entscheide, egal ob das Konzert groß oder klein ist, bekommst du diese Atmosphäre mit. Für zwei Stunden bist du einfach ganz woanders und musst dich nicht mit Alltagskram herumschlagen. Man ist gedanklich sonst ständig irgendwo, aber für diese Zeit ist man raus aus dem Alltag. Dieses Erlebnis gibt dir ein Konzert, das du beim bloßen Hören eines Albums nicht hast.

Wie hat es dir gefallen, einmal selbst im Interview zu sitzen, Doris?

Doris: Es war großartig, weil ich nichts bearbeiten muss. Es ist das Geilste, auf der anderen Seite zu sein, nicht immer nur die Fragen zu stellen. (lacht) Man kann einfach erzählen und muss nicht ständig die nächste Frage im Kopf haben.

Also ein wenig Entspannung im Vergleich zu deiner üblichen Arbeit?

Doris: Ja, total. Normalerweise bist du so in der Rolle, dass du das Gespräch leitest, Fragen stellst und Antworten analysierst. Hier konnte ich einfach reden. (lacht)

Hörst du auch selbst Podcasts, um informiert zu bleiben?

Doris: Ja, total. Vor allem auf längeren Autofahrten von Festivals oder zu Konzerten höre ich mir Podcasts an. Das ist entspannend, und man merkt sich vieles. Oft entdecke ich dabei Inhalte, die ich direkt in meine Arbeit einfließen lassen kann.

Das ist also auch eine Art Recherche-Tool?

Doris: Ja. Ich sehe Podcasts auch als eine Art Informationsquelle. Manchmal stolpert man über interessante Dinge, die sonst niemand so auf dem Schirm hat. 

Das klingt, als würdest du sehr bewusst selektieren, welche Inhalte du aufnimmst.

Doris: Ja, ich achte sehr darauf, dass ich Inhalte für mich interessant nutze. Viele Bands sind bei anderen Kollegen schon durch Interviews bekannt, aber ich habe die Möglichkeit, sie nochmal anders darzustellen, neue Aspekte aufzugreifen oder auch kleine Details, die bisher niemand erwähnt hat.

Das klingt nach einer großen Verantwortung, die du dir da auch selbst auflastest.

Doris: Ja, das ist es auch. Manchmal denkt man: „Bringe ich überhaupt noch etwas Neues?“ Aber das Wichtigste ist, dass die Fans das sehen, hören oder lesen. Für sie mache ich es am Ende.

Doris, ich danke dir für das Gespräch. War super angenehm mit dir.

Doris: Es war wirklich schön, mal auf der andere Seite zu stehen und nicht immer nur Fragen zu stellen. Ich habe mich sehr gefreut.

Mehr zu Doris findet ihr in den Socials.

@doris_metal @metal_doro @metalradioshow @die_dummschwaetzer

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Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.


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