Am 1. März 2024 wurde das fünfte Studioalbum von ANCHORS & HEARTS unter dem Titel „Deathlist“ veröffentlicht. Neben dem neuen Album gibt es auch eine Tour. Das ist also die perfekte Zeit, um die Band etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Das habe ich auch getan und habe Sänger Manuel Wintjen und Schlagzeuger Torben Tost mit meinen nervigen Fragen gelöchert. Im Interview stellen sie sich meinen Fragen zu den Themen Album, Tour und Bandleben.
Übrigens heute Abend rocken die Jungs München und morgen geht es ab in Frankfurt. Da bin ich live dabei. Ich bleibe also dran und berichte weiter. Und jetzt lehnt euch zurück und viel Spaß beim Interview mit Anchors & Hearts.
Herzlichen Glückwunsch zum 5. Studioalbum! Seid ihr stolz drauf?
Manuel: Wir sind mega stolz und echt gespannt, wie es so ankommt, weil für uns ist das wieder was komplett anderes als das Vorgängeralbum.
Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet und wie viel Zeit habt ihr für den gesamten Prozess gebraucht?
Manuel: Wir fangen immer recht zeitnah an. Immer kurz nachdem wir ein Album veröffentlicht haben, geht es eigentlich schon mit dem nächsten weiter. Es erstreckt sich also nicht über einen sehr langen Zeitraum. Wir haben verschiedene Sessions, bei denen wir zusammenarbeiten. Insgesamt haben wir vielleicht vier oder fünf Sessions à fünf Tage über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren gehabt.
Ist das so etwas wie ein Ritual? Mehrere Sessions à fünf Tage?
Manuel: Genau. Heute haben wir nicht mehr die Zeit, wie es früher mal der Fall war. Früher haben wir jede Woche mittwochs geprobt und wenn keine Shows anstanden, hat einer eine Idee eingebracht und dann haben wir geschaut, was wir draus machen. Das funktionierte, als wir noch zur Schule gingen oder in der Ausbildung waren. Aber heute ist es anders. Wir sind über die Jahre erwachsen geworden und müssen sehen, wie wir den Alltag und Familie und Beruf unter einen Hut bekommen. Bei mir bietet sich an, dass ich meine Arbeit so legen kann, wie ich es brauche. Ich kann mich dann mit dem Produzenten im Studio zusammensetzen und vom Demo bis zur fertigen Platte alles erledigen. Die anderen sind natürlich auch im Prozess dabei, aber wir arbeiten selten alle gemeinsam daran.
Ihr seid schon eine Weile im Musikgeschäft tätig und habt trotz der starken Konkurrenz Erfolg. Wie schafft ihr es, als Band am Ball zu bleiben und aus der Masse herauszustechen?
Manuel: Ja, das stimmt. Wir sind bereits im 11. Jahr als Band. In dieser Zeit war es aber auch nicht immer einfach und rosig. Es gab Momente, in denen wir dachten: Passiert jetzt mal wieder etwas oder nicht? Glücklicherweise sind wir immer wieder irgendwie daraus gekommen. Ich denke, es ist wichtig, dass wir uns auch intern keinen Stress machen, wenn jemand mal nicht zu 100 % geben kann, weil das Leben Vorrang hat. In solchen Situationen helfen wir uns gegenseitig aus und unterstützen uns dabei. So schaffen wir es als Band, die eine oder andere schwierige oder dunkle Phase zu überstehen. In den letzten zehn Jahren hatten wir keinen einzigen Besetzungswechsel und das sagt schon viel aus. Ich sage gerne: Als Einzelpersonen sind wir vielleicht keine herausragenden Musiker, aber als Kollektiv, als Band, funktioniert es wahnsinnig. Das ist vielleicht entscheidend – dass du am Ende miteinander auskommst, dich unterstützt, auf der Bühne gut performst, gute Songs schreibst und es eben passt. Am Ende interessiert es niemanden, ob du ein Virtuose an der Gitarre oder am Schlagzeug bist oder ein herausragender Sänger. Es geht darum, dass die Gemeinschaft gut funktioniert. Das zeichnet uns vielleicht aus und deshalb sind wir schon so lange dabei.
Herrscht in eurer Band dieser freundschaftliche Vibe? Seid ihr eher Freunde als Arbeitskollegen?
Manuel: Ja, wir haben definitiv diesen freundschaftlichen Vibe. Allerdings haben wir nicht die Zeit, viele freundschaftliche Aktivitäten zu unternehmen. Das liegt auch daran, dass wir uns nicht so oft sehen. Wir freuen uns dann wirklich darauf, wenn wir etwas zusammen machen können, wie jetzt auf Tour. Wir genießen die Busfahrten, bei denen wir miteinander sprechen und Zeit verbringen können. Es ist nicht so, dass wir uns viermal die Woche sehen, davon zweimal für die Band und zweimal freundschaftlich. Dafür wohnen wir auch ein wenig zu weit voneinander entfernt. Aber die Kunst besteht darin, trotzdem alles aufrechtzuerhalten.
Torben: Es ist wie bei einem Kegelclub.
Manuel: Genau wie ein Kegelclub.
Wie integriert ihr die Musik in euer normales Leben mit Partnern, Familie und Jobs? Ist Musik für euch eher ein Hobby oder seht ihr es als Beruf?
Manuel: Vom Spaßfaktor her betrachte ich es als Hobby. Wenn ich es als Beruf sehen würde, müsste ich mich irgendwann entscheiden, da ich auch einen regulären Beruf habe, der Zeit in Anspruch nimmt. Ansonsten würde es bedeuten, zwei Vollzeitjobs zu haben. Musik ist für mich aktuell ein Vollzeithobby. Es ist manchmal schon stressig, alles unter einen Hut zu bringen. Aber ich würde sagen, dass es für uns alle ein cooles Hobby ist. Wir können zusammen eine großartige Zeit haben, einzigartige Erlebnisse teilen, Menschen treffen, die andere nicht kennenlernen können und das allein ist für uns fünf Jungs aus einem kleinen Dorf schon enorm. Dabei treffen wir auch Menschen, die sagen: “Hey, ihr macht coole Sachen. Der Song gefällt mir. Ich höre ihn rauf und runter, er hilft mir in bestimmten Situationen total.” Ich bin auch Tätowierer und vor Kurzem hat sich jemand die Zeilen von “Turn That Page” tätowieren lassen. Das fühlt sich natürlich krass an. Dennoch möchte ich, dass es den Status eines Hobbys behält. Ich habe Freunde, die schon einen Schritt weiter waren und genau das hat ihre Band letztendlich zerstört, weil sie ständig im Rampenlicht standen. Das möchte ich bei uns definitiv nicht. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir Angst vor Erfolg haben oder uns dagegen wehren, eine gewisse Bekanntheit zu erlangen. Wir machen es weiterhin, um noch mehr Menschen zu erreichen, auf größeren Bühnen zu spielen, aber ich finde es dennoch cool, dass wir einfach fünf Typen sind und gerade verdammt viel Glück haben, eine Tour durch Deutschland zu spielen oder auf bestimmten Festivals aufzutreten. So möchte ich das, solange es geht, sehen.
Wie geht ihr als Band mit Feedback um, insbesondere mit Kritik? Als erfolgreiche Band dürftet ihr sicherlich viele positive Rückmeldungen erhalten, aber wie handhabt ihr Kritik, vor allem in Anbetracht möglicher Neider und Hater?
Torben: Ehrlich gesagt, bekommen wir als Band nicht besonders viel Kritik. Oft hört man die üblichen Schulterklopfer und Aussagen wie “Cooler Auftritt”. Das ist natürlich leicht gesagt und es kommt selten vor, dass jemand zu uns kommt und sagt: “Ihr wart wirklich schlecht” oder “Das Album gefällt mir überhaupt nicht”. Es scheint also, als ob wir nicht oft mit direkter Kritik konfrontiert werden. Natürlich wären wir offen für konstruktive Kritik, aber ich kann mich nicht erinnern, dass uns viele Leute in größerem Maße stark kritisiert hätten.
Manuel: Ich bin selbst sehr selbstkritisch und ich denke, die ehrlichste Kritik, die wirklich auf den Tisch kommt, kommt von uns selbst. Nach jeder Show gehen wir sie durch und überlegen, was wir verbessern können und was nicht so optimal gelaufen ist. Ich würde sagen, als Band bekommen wir Kritik kaum mit. Hasserfüllte Nachrichten oder Shitstorms haben wir bisher auch nicht erlebt. Vielleicht liegt es daran, dass wir nicht versuchen, auf irgendwelche Trends aufzuspringen. Wir sind von Anfang an authentisch geblieben. Dies war schon seit Beginn der Band so. Die größte Kritik findet immer innerhalb der Band statt, und wir haben gelernt, damit umzugehen.
Wie bereitet ihr euch mental und physisch auf eure Tour vor? Das Tourleben kann sehr anstrengend und intensiv sein, besonders wenn man Familie und Job kurzzeitig zurücklassen muss. Wie geht ihr damit um?
Manuel: Physisch habe ich seit Silvester komplett auf Alkohol und ungesundes Essen verzichtet. Ich versuche, wieder etwas fit zu werden und mache vermehrt Sport. In familiärer Hinsicht verbringe ich momentan viel Zeit mit den Kindern und meiner Partnerin, da in den kommenden Wochenenden, während der Tour, dies nicht möglich sein wird. Glücklicherweise sind es bei uns nur die Wochenenden im März und April und unter der Woche bin ich zu Hause. Beruflich kann ich meine Termine so legen, wie ich es möchte.Das hat Vorteile.
Torben: Auch ich habe mir vorgenommen, bis Mitte März keinen Alkohol zu trinken und das klappt auch recht gut. Ich vermisse es nicht. Zudem arbeite ich an meiner Fitness. Allerdings müssen wir auch betonen, dass die heiße Phase der Promotion beginnt und das bedeutet ebenfalls wirklich viel Arbeit. Als Band müssen wir kräftig die Werbetrommel rühren.
Wie gestaltet ihr das Tourbusleben? Habt ihr bestimmte Gewohnheiten oder Routinen, um euch die Zeit auf der Straße von Stadt zu Stadt zu vertreiben?
Manuel: Seit Beginn haben wir immer unsere eigenen Tourbusse. Wir kaufen einen eigenen Bus, um nicht darauf angewiesen zu sein, dass uns jemand abholt und so weiter. In den Anfangszeiten hatten wir immer einen Fernseher im Bus und es wurde FIFA gespielt. Aber offensichtlich sind wir aus diesem Alter herausgewachsen. Es gibt mittlerweile Fahrten, bei denen wir nicht einmal mehr Musik hören, sondern uns einfach nur unterhalten. Generell habe ich vor einer Show immer am wenigsten Spaß. Wenn wir zwei oder drei Tage hintereinander spielen, schone ich nach dem Konzert meine Stimme. Dann ist nicht mehr viel mit Feiern, Alkohol oder herumsitzen. Leider habe ich nicht das Glück, wie manche andere Sänger, die sich nach der Show noch austoben können, ohne sich am nächsten Tag aufwärmen zu müssen und trotzdem gut performen. Ich achte da schon ziemlich darauf. Vor einer Show bin ich außerdem sehr fokussiert. Wenn man mich dann sieht, halte ich mich eher im Hintergrund auf. Ich bin einfach konzentriert, schaue mir die Bands an, die Leute, stehe am Merch, während die anderen im Backstage ihren Spaß haben.
Torben: Ich bin vor jedem Auftritt immer noch nervös. Deshalb laufe ich viel herum, brauche Bewegung. Ich bin froh, dass ich kein Sänger bin, denn nach der Show werde ich auf jeden Fall mal wieder ein Bier trinken.
Die letzten Worte gehören euch.
Manuel: Ein herzliches Dankeschön an alle Hörer und Fans, die wir erreichen. Für die Unterstützung, die Leute, die Tickets kaufen und die das Album vorbestellen. Das bedeutet mir und uns als Band sehr viel.
Torben: Ich möchte betonen: Geht raus und setzt euch gegen Nazis und den Wahnsinn ein. Es ist von großer Bedeutung, dass wir zusammenhalten und uns klar positionieren. In letzter Zeit habe ich selbst an einigen Demos teilgenommen und ich denke, dass wir momentan mehr denn je zeigen müssen, dass wir zusammenstehen und uns entschieden gegen Radikalismus einsetzen.
Weitere Informationen zur Band Anchors & Hearts findet ihr in de sozialen Medien.
LIVE 22.03. DE- Bremen (Tower) 23.03. DE- Bochum (Trompete) 12.04. DE- Braunchweig (Eule/XO) 13.04. DE- Berlin (Badehaus) 18.04. DE- Nürnberg (Z-Bau, roter Salon) 19.04. DE- München (Backstage, Club) 20.04. DE- Frankfurt am Main (Nachtleben) 26.04. DE- Osnabrück (Westwerk) 27.04. DE- Düsseldorf (Pitcher) 08.06. DE- Holtebüttel rockt (Langwedel) 26.07. DE- Wirges, Subwood Festival 15.-17.08. DE- Sulingen, Reload Festival 06.12. DE- Hamburg, Logo Tickets: HIER!
Beitragsbild: @gideon.rothmann
Design: Michaela Lotz
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