Die Frontmänner – immer vorne, immer bereit für Interviews und oft die Rampensäue? Wahrheit oder Mythos? Was ist da dran?
Untamed ist ein besonderes Trio, das fast komplett auf den klassischen Frontmann verzichtet. Die Jungs treten als echte Einheit auf, aber jeder von ihnen ist eine unverwechselbare Persönlichkeit. Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht, jeden Einzelnen von ihnen näher zu beleuchten. Und als Sahnehäubchen gibt es noch die Band Raveslut dazu, damit es richtig spannend wird. Mit ihrer Dreierbesetzung sind sie genau die richtigen für ein aufschlussreiches Gespräch von Musiker zu Musiker. Und wer ist mittendrin? Natürlich ich!
Stellt euch ein Dreier-Interview vor, bei dem der Fokus auf den Instrumenten und den Menschen dahinter liegt. Ein tiefer Einblick in die Bands Raveslut und Untamed und ihre Mitglieder, mit ganz viel Herz und einer Prise Rock.
Heute starten wir mit den Frontmännern – oder besser gesagt, den Sängern. Bei Untamed haben wir Domi Niggl und bei Raveslut Thomas. Was sie über ihre Rolle in der Band, über Frontmänner, ihre Aufgaben und das Leben als Sänger zu sagen haben, erfahrt ihr jetzt. Bereit? Dann lasst uns loslegen!
In einer Band ist der Frontmann unweigerlich das Gesicht und die Stimme der Gruppe, ob er es nun bewusst anstrebt oder nicht. Dies gilt besonders stark für eine Dreierformation. Welche Herausforderungen und Vorteile ergeben sich daraus?
Thomas: Ich hatte eigentlich nie die Absicht, der Frontmann zu sein. Es hat sich einfach im Laufe der Zeit ergeben. Vielleicht ermöglicht es einem, mehr Kontrolle zu haben. Als Frontmann kann man bestimmte Dinge möglicherweise besser lenken als jemand, der nicht so im Fokus steht. Man kann einiges vielleicht auch besser durchsetzen, aber das variiert natürlich von Band zu Band.
Domi Niggl: Das sehe ich ähnlich, aber wir sagen klar, dass es bei uns eigentlich keinen klar definierten Frontmann gibt. Natürlich ist die Stimme automatisch damit verbunden, besonders bei Live-Auftritten, wo der Fokus oft auf dem Sänger liegt. In gewisser Weise lässt sich dadurch auch einiges steuern, aber das gilt bei uns auch tatsächlich nur bedingt.
Es ist sicherlich anders, wenn man zu dritt ist. Bei sechs Personen auf der Bühne kann man sich möglicherweise mehr in den Hintergrund zurückziehen. Das ist zu dritt schwieriger, da zwei direkt vorne stehen und der Schlagzeuger hinten sitzt. Da muss man definitiv präsent sein. Findet ihr es anstrengender, zu dritt auf einer Bühne zu stehen, als wenn ihr zu sechst wärt?
Thomas: Das kann ich nicht genau sagen. Jeder hat seine Rolle zu erfüllen, sei es in einer sechsköpfigen Band oder in einer Dreierformation. Das macht keinen Unterschied. Ich habe selbst in größeren Bands gespielt und dort hatte jeder auch seine spezifische Aufgabe.
Domi Niggl: Da stimme ich zu. Zu dritt auf der Bühne muss man genauso performen wie zu sechst. Vielleicht fällt es bei drei Leuten mehr auf, wenn einer sich komplett verspielt und aus dem Takt ist, aber performen muss man sowohl zu dritt als auch zu sechst.
Was macht für euch einen guten Bandleader bzw. Frontmann aus? Habt ihr da Beispiele?
Domi Niggl: Ich denke, es gibt keinen perfekten Frontmann und das gilt zudem für jedes Genre individuell. Es ist schwer, einen Michael Jackson mit einem James Hetfield zu vergleichen. Es gibt verschiedene Eigenschaften, die ein Frontmann haben sollte. Ich schaue mir an, wie verschiedene Frontmänner mit ihren Bands interagieren und übernehme dann, was ich für gut halte und was zur Band passt. Es ist auch wichtig zu berücksichtigen, in welchem Kontext sich der Frontmann befindet. Geht es um das Image nach außen? Geht es um Live-Auftritte? Besonders bei Live-Auftritten ist es mir persönlich wichtig, mit dem Publikum zu interagieren, da sie den Sänger oft intensiv beobachten. Aber am Ende ist es ein Zwischenspiel zwischen allen Bandmitgliedern und jeder trägt seinen Teil dazu bei.
Thomas: Es ist auch wichtig anzumerken, dass nicht jeder Frontmann zwangsläufig der Sänger ist. Jede Band hat ihre eigenen Regeln und ihre eigene Dynamik und geht unterschiedlich mit den Herausforderungen um.
Domi, bei Untamed, wie du schon erwähnt hast, ist es ein Markenzeichen, dass ihr immer zu dritt seid. Man sieht dich selten alleine; ihr seid immer als Einheit, Untamed, präsent. Wie ist das bei euch, Thomas? Wirst du immer vorgeschickt oder wie sieht das bei euch aus?
Thomas: Das hängt von der Situation ab. Ich übernehme viele Aufgaben, weil ich vielleicht mehr Zeit dafür habe als die anderen oder sie mir bewusster nehme oder weil mich das eine einfach interessiert. Kommt immer drauf an.
Wie läuft der Songwriting-Prozess bei euch ab?
Thomas: Für unser letztes Album hatten wir etwa ein Dreivierteljahr Zeit, um alles zusammenzubringen. In der Regel hat jemand von uns eine Idee, die wir dann im Proberaum ausprobieren. Wir sehen dann, ob es funktioniert, ob es gut klingt, und dann improvisieren wir ein wenig, um zu sehen, ob wir es weiterentwickeln können. Die Texte schreibe ich dann.
Domi: Meistens habe ich zu 90-95 % auch eine Idee für einen Chorus oder eine Melodie, zeige es den anderen und sie entscheiden, ob es gut ist oder nicht. Der Rest des Prozesses findet ebenfalls im Proberaum statt, wo wir sehen, ob wir die Idee weiterverfolgen können. Und wenn das klappt, dann schreibe ich die Parts fertig und den Glanz und den Zauber bringen dann die anderen rein.
Thomas: Man merkt oft auch erst mit der Zeit, ob die Songs wirklich gut sind und Spaß machen, sie zu spielen. Das ist das Schwierige daran. Wenn wir als Band keinen Spaß daran haben, die Songs zu spielen, wie sollen es dann andere haben?
Domi: Absolut. Ich habe auch Ideen von vor zwei Jahren, aber Zeit ist ein entscheidender Faktor. Man kann oft erst später sagen: Die Idee finde ich immer noch gut, aber die andere nicht mehr. Selbst eine gute Idee im Proberaum heißt nicht automatisch, dass sie zu einem guten Song wird. Manchmal denkt man nach ein paar Wochen: Naja. Aber es kann auch umgekehrt sein. Ich hatte schon Riff-Ideen, die ich fast verworfen hätte, aber die anderen fanden sie gut, haben ihren Beitrag geleistet und am Ende wurde doch etwas Großartiges daraus.
Thomas, erinnerst du dich noch an euer Debütalbum?
Thomas: Ja, das kam im Januar 2017 heraus und wir hatten sogar eine Release-Party dafür. Ich erinnere mich noch gut daran.
Domi, ihr habt letztes Jahr euer Debütalbum veröffentlicht. Gibt es Songs, bei denen ihr denkt: “Oh nein, den Song will ich nicht mehr hören” oder “Den Song würde ich heute komplett anders machen”?
Domi: Nun ja, das Spielen und das Hören sind zwei verschiedene Dinge. Wenn es nach mir ginge, würde ich sicher einige Dinge auf unserem Debütalbum ändern wollen. Ich denke, das ist normal, denn man entwickelt sich weiter und einige der Songs sind schon fünf Jahre alt, weil sie schon länger existierten. Aber ich betrachte es positiv; es ist ein Lernprozess und es zeigt, dass wir uns weiterentwickeln.
Thomas: Das geht uns genauso. Auch ich würde heute das eine oder andere auf unserem Debütalbum anders machen. Aber wie Dominik schon sagte, das gehört dazu und zeigt unsere Entwicklung.
Ihr seid beide Sänger. Nehmt ihr Gesangsunterricht?
Thomas: Nein, ich nehme keinen Gesangsunterricht. Ich hatte zwar einige Stunden genommen, um ein paar Dinge zu verbessern, aber hauptsächlich ging es um Aufwärmübungen. Diese Übungen mache ich immer noch vor unseren Shows. Wenn ich dann nach der Show merke, dass mein Hals nicht schmerzt und alles gut funktioniert hat, weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe.
Domi Niggl: Ich hingegen nehme Gesangsunterricht und das schon seit drei Jahren. Ich habe auch meinen Gesangslehrer zwischendurch gewechselt. Dabei lernt man nicht nur Gesangstechniken, sondern auch Stimmpflege und andere wichtige Grundlagen. Es sind oft diese kleinen Basics, die wirklich einen großen Unterschied machen.
Vielen Dank euch für die Zeit.
Mehr zu den Bands Untamed und Raveslut findet ihr in den sozialen Medien.
UNTAMED
RAVESLUT
Hinter den Melodien: Untamed über Wachstum, Werte und Weiterentwicklung
Untamed 2023: Eine Rock’n’Roll Odyssee von der ersten Single bis zum neuesten Album (Interview)
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