Im Mai veröffentlichte die Band ACROSS OCEANS ihre EP „Pacifica“. Neues Material steht in den Startlöchern. Ich habe mich mit Joey Ryan, dem Sänger, Frontmann und Gitarristen, über ihre Studioerfahrungen, bevorstehende Live-Auftritte und die Arbeit an neuen Songs unterhalten.
Wie würdest du den größten Unterschied zwischen Live-Gigs und Studioaufnahmen beschreiben?
Ich liebe beide Aspekte, aber sie sind wirklich grundverschieden. Im Studio genieße ich den kreativen Prozess sehr. Es ist spannend, neue Songs zu schreiben, aufzunehmen und am Ende des Tages das Ergebnis zu hören und zu sagen: “Ja, das ist stark.” Es ist ein intensives, aber auch sehr persönliches Erlebnis. Du hast die Freiheit, an Details zu feilen und verschiedene Ideen auszuprobieren, ohne sofortiges Feedback. Aber auf der Bühne ist das eine ganz andere Energie. Da kommt das Publikum ins Spiel, und das verändert alles. Die Reaktionen der Leute – sei es ein mitreißender, aggressiver Riff oder ein ruhiger Moment – geben dir sofort ein Gefühl dafür, ob du etwas richtig gemacht hast. Wenn du siehst, wie die Leute mitgehen, die Gesichter, die Emotionen, dann weißt du: “Okay, das funktioniert.” Im Studio hast du dieses Gefühl nur für dich selbst, aber live ist es wie eine Prüfung. Du merkst sofort, ob ein Song wirklich zündet oder ob er vielleicht noch Feinschliff braucht. Diese direkte Verbindung mit dem Publikum, dieses Feedback in Echtzeit, macht für mich den größten Unterschied aus. Es ist der Moment, in dem sich zeigt, ob die Magie des Studios auch auf der Bühne funktioniert.
Was ist denn der beste Moment bei einem Live-Gig? Ist es auf die Bühne zu gehen oder ist es dann da zu sein, der erste Ton oder dann danach? Was ist der beste Moment für dich?
Ich denke, für mich sind es die 10 Minuten vor dem Konzert.
Ach ja, die zehn Minuten davor?
Tatsächlich die zehn Minuten vor dem Auftritt. Das ist die Zeit, in der der Soundcheck erledigt ist, ich bin aufgewärmt, die Vocals sind bereit, und wir haben vielleicht noch eine Kleinigkeit gegessen. Diese zehn Minuten vor dem ersten Ton sind eine einzigartige Mischung aus Vorfreude und Nervosität. In diesem Moment konzentriere ich mich auf das, was vor uns liegt. Ich gehe in Gedanken noch einmal alle Songs durch, erinnere mich an die Herausforderungen, die wir im Proberaum hatten, und bereite mich mental auf das Konzert vor. Es ist ein Gefühl, das man im Alltag so nicht erlebt – eine Mischung aus Anspannung und Vorfreude. Sobald ich dann den ersten Ton spiele, weiß ich, dass alles gut wird, und das ist für mich ein besonders magischer Moment.
Kommen wir zum Thema Genres: Wie wichtig ist es, diese zu unterscheiden, oder spielt das am Ende keine Rolle? Würdet ihr zum Beispiel sagen, dass es in Ordnung ist, wenn ihr als Progressive Metal-Band ein Konzert gemeinsam mit einer Rockband plant, weil es letztlich ähnliche musikalische Elemente gibt? Oder haltet ihr es für wichtig, die Genres strikt voneinander zu trennen?
Das Thema Genres ist tatsächlich eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits ist es wichtig, die eigene Musik in eine bestimmte Genre-Schublade zu stecken, um sich dem passenden Publikum zu präsentieren und die richtigen Plattformen zu erreichen. Wenn du beispielsweise eine Band bist, die progressive Metal spielt, macht es keinen Sinn, deine Musik an ein Black Metal-Magazin zu schicken – das Publikum würde einfach nicht passen. Andererseits kann die strikte Einteilung in Genres manchmal zu engstirnig sein. Besonders im Metal gibt es oft hitzige Diskussionen darüber, ob eine Band tatsächlich den Genre-Vorgaben entspricht oder ob sie sich vielleicht von ihrem ursprünglichen Stil entfernt hat. Am Anfang kann es hilfreich sein, eine klare Vorstellung davon zu haben, welche Musikrichtung du verkörpern möchtest, um deine Band und ihre Identität zu definieren. Diese Klarheit hilft dir, das richtige Publikum anzusprechen und dich in der Musikszene zurechtzufinden. Bands wie Tool sind ein gutes Beispiel dafür, wie man sich im Laufe der Zeit von Genre-Schubladen lösen und eine breite Fangemeinde aufbauen kann, die die Musik unabhängig von den Genre-Grenzen schätzt. Letztendlich sollte die Musik selbst im Vordergrund stehen. Wenn das, was ihr macht, gut ist und die Leute begeistert, dann sind die Genre-Bezeichnungen am Ende des Tages zweitrangig. Die wichtigste Aufgabe ist es, Musik zu schaffen, die Menschen anspricht und ihnen Freude bereitet.
Ihr wohnt alle in Berlin, richtig?
Ja, genau.
Trefft ihr euch regelmäßig zum Proben? Ich höre immer wieder, dass manche Bands das nicht so oft tun.
Ja, wir versuchen, uns jede Woche am Dienstagabend zu treffen – das ist unser Probenabend. Natürlich gibt es mal Ausnahmen, zum Beispiel, wenn jemand beruflich unterwegs ist oder andere Verpflichtungen hat. Diese Woche wird es nicht klappen, und nächste Woche ist einer von uns in den USA. Aber im Großen und Ganzen halten wir uns an diesen Dienstagabend. Wenn das mal nicht klappt, nutzen wir die Zeit, um andere Dinge für die Band zu erledigen. Wir sind auch gute Freunde und treffen uns daher auch mal außerhalb der Proben. Unser nächstes Konzert ist übrigens am 27. September, und darauf freuen wir uns schon!
Kommen wir zur nächsten EP. Habt ihr bereits einen Veröffentlichungstermin oder arbeitet ihr noch daran?
Wir haben noch keinen festen Release-Termin. Allerdings wird die erste Single am 27. September veröffentlicht, was zufällig auch der Tag unseres nächsten Konzerts ist. Diese Single heißt „Martyr“ und wir werden in den kommenden Wochen ein Musikvideo dazu drehen.
Kannst du uns etwas über die thematischen Schwerpunkte der neuen EP erzählen?
Klar, die neue EP orientiert sich thematisch an „Heptagon“ von unserer letzten EP. Wir haben zwei lange, komplexe Songs, die eine Weiterentwicklung von „Heptagon“ darstellen – sie bieten große Riffs und eine Mischung aus Screaming und Clean Vocals, möglicherweise mit etwas mehr Melodie, aber auch einer aggressiveren Note. Die anderen beiden Songs sind kürzer und definitiv die härtesten, die wir bisher veröffentlicht haben – schnell und richtig heavy. Ich freue mich sehr auf diese neuen Tracks!
Kommen wir zum Schluss. Eine letzte Frage: Du hast gesagt, dass ihr viel Zeit ins Tonstudio, in Proben und in Videos investiert und natürlich auch noch euer Privatleben habt. Wie viel Zeit investierst du oder investiert ihr in die Band? Kann man das überhaupt quantifizieren? Es klingt fast wie ein Fulltime-Job. Beschreibt ihr das als Job oder ist es noch ein Hobby? Soll es ein Job werden?
Es fühlt sich definitiv wie ein unbezahlter Job an, das kann ich so sagen. Unser Ziel ist es, irgendwann ausschließlich von unserer Musik leben zu können. Momentan sind wir noch in der Phase, in der wir alles aufbauen und es richtig machen müssen, weshalb wir alle noch andere Jobs haben. Wir haben ein eigenes Label gegründet. Das gibt uns etwas mehr Freiraum, um uns auf die Musik und die Planung zu konzentrieren. Wir sind vier Leute, von denen drei Vollzeitmitglieder sind. Jeder von uns übernimmt spezifische Aufgaben. Es hilft, dass wir unsere Aufgaben untereinander aufteilen, damit nicht alles auf meinen Schultern lastet. Aber ja, die Band ist definitiv ein Vollzeitengagement, wenn man es ernst meint.
Weitere Infos zur Band Across Oceans findet ihr in den Socials.
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