Foto: Oliver Rust
Beyond Frequencies sind zurück – und sie haben eine klare Botschaft: Wer Großes erreichen will, muss sich auf Gegenwind gefasst machen! Frontfrau Blazy Flash spricht über den Kampf für die eigenen Träume, warum Erfolg immer seinen Preis hat und wie sich das Musikbusiness verändert hat.
War früher wirklich alles besser oder einfach nur anders kompliziert?
In unserem Gespräch geht es um Leidenschaft, Durchhaltevermögen und die ewige Frage, ob Talent oder harte Arbeit am Ende mehr zählt. Spoiler: Manchmal schadet auch ein bisschen Glück nicht! Außerdem sprechen wir über die Liebe zur Musik, den kreativen Prozess hinter den Songs und die Herausforderungen, denen sich jede Band heute stellen muss.
Kannst du dich und Beyond Frequencies kurz vorstellen?
Sehr gerne! Ich bin Blazy Flash, die Sängerin und Songwriterin von Beyond Frequencies. Das Projekt habe ich 2020 ins Leben gerufen und am 20. Februar erschien unser drittes Album Everything I Am.
Worum geht es auf eurem dritten Album? Gibt es ein zentrales Thema?
Ja, definitiv! Das Album schließt thematisch an die beiden Vorgänger an. Unser erstes Album hieß Megalomania (Größenwahn), das zweite heißt Me Megalomaniac. Das neue Album trägt jetzt eben den Titel Everything I Am und erzählt eine zusammenhängende Geschichte. Es geht darum, was es bedeutet, große Ziele zu haben, wie man zunächst als verrückt abgestempelt wird und wie man sich dann gegen Widerstände behaupten muss.
Verstehe, also man folgt seiner Leidenschaft, die Leute halten einen für verrückt und vielleicht auch für größenwahnsinnig, aber man bleibt dran. Man ist ja größenwahnsinnig genug und glaubt an seine Träume – und jetzt kommt das dritte Album. Wo stehen wir jetzt? Welche Botschaft steckt hinter dem Album Everything I Am?
Das zentrale Thema ist der Moment, in dem erste Erfolge sichtbar werden und man plötzlich mit Kritik konfrontiert wird. Der erste Song Eye of the Storm beschreibt genau das. Anfangs wird man nicht ernst genommen, aber sobald man Fortschritte macht, kommt Gegenwind. Das Album ermutigt dazu, nicht aufzugeben, sondern weiterzumachen und an sich zu glauben. Denn wenn etwas wirklich zu dir gehört, dann wirst du auch durch schwierige Zeiten hindurchgehen und deine Ziele erreichen.
Das klingt nach einer sehr persönlichen Botschaft. Würdest du sagen, dass das Album auch autobiografische Züge hat?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe selbst erlebt, wie es ist, wenn man mit einer Vision startet und erstmal auf Skepsis trifft. Dann gibt es aber einen Wendepunkt, an dem man sich beweisen kann. Genau diesen Prozess habe ich in Everything I Am verarbeitet.
Was wäre deine wichtigste Botschaft an alle, die eure Musik hören?
Bleibt euch selbst treu, haltet an euren Zielen fest und lasst euch nicht von Kritik entmutigen. Wenn ihr an etwas glaubt, dann lohnt es sich, dafür zu kämpfen. Das ist der Kern von Everything I Am.
Ist es heute noch möglich, als Musiker mit harter Arbeit durchzustarten? In Zeiten von Social Media und Spotify, wo man Reichweite und dadurch auch Erfolg auch irgendwie kaufen kann – braucht es da überhaupt noch harte Arbeit und Leidenschaft? Oder braucht man auch heute noch etwas Glück?
Das kann ich gar nicht eindeutig beantworten, denn mit Beyond Frequencies hatten wir unseren großen Durchbruch auch noch nicht. Ich weiß also nicht, ob harte Arbeit zwangsläufig zum Erfolg führt. Aber ich glaube, selbst die, die Glück haben, brauchen am Ende Substanz. Sonst sind sie nur eine Eintagsfliege und schnell wieder verschwunden.
Also glaubst du, dass Durchhaltevermögen und Substanz am Ende mehr zählen als ein schneller Hype?
Genau. Wenn du wirklich Musiker bist, fällt es dir nicht schwer, Songs zu schreiben und zu veröffentlichen. Dann bleibst du auch dran – unabhängig davon, ob du wirtschaftlich erfolgreich wirst.
Seien wir ehrlich, das Musikbusiness hat sich verändert. Du hast über die Jahre auch sicher deine Erfahrungen gemacht. Erlebst du auch den Wandel?
Ich bin tatsächlich schon länger im Business dabei und Beyond Frequencies war auch mein Comeback. Ich hatte früher schon eine Band und das Business ist heute viel investitionsstärker. Um irgendwo hinzukommen, musst du viel mehr Mittel in die Hand nehmen als früher. Gleichzeitig sind die Türen aber auch demokratischer offen. Jeder hat theoretisch die Möglichkeit, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Aber es gibt immer noch Gatekeeper, oder?
Absolut. Gerade bei den ganz großen Playern gibt es nach wie vor Gatekeeper – vielleicht sogar noch mehr als früher. Aber grundsätzlich kann sich heute jeder Gehör verschaffen und sich sichtbar machen.
Du hast viel mehr Erfahrung als eine Newcomerin mit 20. Was denkst du? Wenn du auf deine Jahre zurückblickst? Vor einigen Jahren gab es noch kein Spotify oder Instagram. Ist das heute Fluch oder Segen für Musiker?
Ich glaube, es ist weder das eine noch das andere. Ich erinnere mich noch, wie wir mit meiner alten Band diskutiert haben, ob wir unsere Musik auf Spotify veröffentlichen sollen. Facebook gab es damals auch schon. Letztendlich ist es der Lauf der Zeit: Was früher funktioniert hat, funktioniert heute vielleicht nicht mehr – und umgekehrt.
Wie ist es denn für dich als Frau in der Musikbranche? Also ich finde, dass es mittlerweile deutlich mehr weibliche Fronted-Bands gibt, oder zumindest erhalten sie mehr Reichweite und Sichtbarkeit. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Auch Festivals achten verstärkt darauf, Frauen auf der Bühne zu präsentieren. Zumindest habe ich dieses Gefühl. Wie siehst du das? Findest du das auch oder liege ich da falsch? Vielleicht nehme ich das einfach anders wahr.
Es gibt bei diesem Thema kein richtig oder falsch. Jeder hat seine eigene Wahrnehmung, und die ist für dich ja real. Tatsächlich wurde ich schon vor 20 Jahren darauf angesprochen, und ehrlich gesagt finde ich es ermüdend, immer wieder über dieses Thema reden zu müssen. Ich habe eine Band, ich bin Songwriterin, Punkt. Dass man mich immer noch nach meiner Rolle als Frau in der Musikbranche fragt, ist etwas, das mich stört. Neulich hatte ich ein Interview, in dem der Journalist sogar suggerierte, dass ich für Frauen schreibe. Das ist nicht der Fall. Ich schreibe für alle. Ich denke aber, dass sich die Entwicklung in die richtige Richtung bewegt. Es gibt nicht nur mehr Sichtbarkeit, sondern tatsächlich auch mehr Frauen, die sich in die Branche wagen. Das finde ich toll. Als ich angefangen habe, habe ich aktiv nach Frauen für meine Crew gesucht, aber ich konnte lange keine finden. Jetzt habe ich endlich eine weibliche In-Ear-Technikerin, aber insgesamt gibt es immer noch sehr wenige Frauen in technischen oder organisatorischen Rollen.
Das ist ein spannender Punkt. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, denn als Musikjournalistin befinde ich mich ebenfalls in einer männerdominierten Branche. Auch im Management und in der Promotion sind oft noch Männer tonangebend, was ich nicht wirklich verstehe. Aber was du gerade gesagt hast – dass dir jemand unterstellt hat, für Frauen zu schreiben – das ist doch absurd. Denn das würde ja implizieren, dass Männer nur für Männer schreiben. Und das wäre doch völlig unsinnig.
Genau! Ich stehe sehr gerne für Frauen ein und bin auch bereit, eine Vorbildfunktion zu übernehmen. Aber ich will nicht nur darauf reduziert werden.
Das kann ich nachvollziehen. Gibt es noch andere Aspekte, die du in diesem Zusammenhang problematisch findest?
Ja, zum Beispiel, wenn wir auf einem von einer Frau angeführten Festival spielen. Ich bin da sehr ambivalent. Ich finde es toll, dass es so etwas gibt, aber stell dir mal vor, es gäbe ein “Male Fronted Festival” – das wäre doch völlig absurd, oder?
Absolut.
Oder wenn ich mit Bookern spreche, die mich immer mit Bands zusammen buchen wollen, die auch eine Frau als Sängerin haben. Warum? Wir sind kein Genre. Ich gehe sehr gerne mit Frauen auf Tour, aber genauso gerne mit Bands, die einen Mann als Sänger haben. Man muss uns doch nicht künstlich zusammenpacken und sagen: “Jetzt machen wir was für die Frauen und schicken sie gemeinsam auf Tour.”
Aber Frauen im Rock und Metal sind doch eigentlich längst etabliert – Doro Pesch und Kate Bush prägen die Szene seit Jahrzehnten. Deshalb lass uns über deine Musik sprechen. Sollte man als neuer Hörer mit eurem ersten Album starten?
Nicht zwingend. Jedes Album steht für sich, erzählt eine eigene Geschichte und zeigt unsere Weiterentwicklung. Wer uns noch nicht kennt, kann problemlos mit dem aktuellen Album einsteigen. Aber auch auf den ersten beiden Alben gibt es einige Schmuckstücke.
Welche Songs würdest du aus den ersten beiden Alben besonders empfehlen?
Vom ersten Album auf jeden Fall After Dark – darauf fahren alle total ab – oder Voodoo. Beim zweiten Album wäre Cast A Spell eine klare Empfehlung.
Mehr zu Beyond Frequencies findet ihr in den Socials.
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